Stagnierende Sprachentwicklung, Kind 28 Monate

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Sprachverzögerung/Sprachstörung austauschen und Erfahrungen bezüglich UK (unterstützter Kommunikation) weitergeben. Logopäden dürfen natürlich auch gerne hier Tipps geben!

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Mimo
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Stagnierende Sprachentwicklung, Kind 28 Monate

Beitragvon Mimo » 30.11.2018, 21:58

Hallo an alle,

meine kleine Pflegetochter ist nun 28 Monate alt, und spricht nur sehr wenig.

Mit gutem Willen komme ich auf 50 Wörter, die Hälfte davon hat sie aber nur ein oder zwei Mal gesagt, danach nie wieder.

Die Wörter, die sie spricht, sind meist einsilbig, nur wenige zweisilbig - es sind kaum Substantive dabei.
Häufig benutzt sie Mama, da, ja, nein, hallo, Arm, auf, aus, ich, namnam (lecker), Ongong (ihr Wort für Milch), Buch, WauWau.
Es fällt auf, dass meine PT große Probleme hat, Wörter auszusprechen. Es scheint so, als kämen ihr die Wörter einfach nicht über die Lippen. Sie spricht auch kaum Wörter nach.
Oft spricht sie auch "schlampig", zum Beispiel kann sie "Arm" korrekt aussprechen, sagt aber oft nur "Mama Aaa", wenn ich dann deutlich "ich nehme dich auf den A r m " sage, wiederholt sie es korrekt.
Es kommen auch kleine Zweiwortsätze, aber nur solche Dinge wie "Mama Arm" oder "nein ich" oder "ich auch" oder "Mama da".

Auffällig war, dass sie als Baby auch kaum lautiert hat, das begann erst mit etwa 11 Monaten. Sie hatte auch immer wieder Phasen, in denen sie plötzlich Wörter, die sie schon konnte, nicht mehr benutzt hat.

Daneben hatte meine PT auch lange Probleme mit dem Essen/Kauen. Sie hat lange Zeit, bis sie weit über 18 Monate alt war, nur kleinste Mengen "gemümmelt", hat aber nicht richtig abgebissen und auch nur kleinste Mengen feste Nahrung gegessen. Dafür aber noch sehr viel Folgemilch getrunken.
Bis heute habe ich das Gefühl, dass sie sich bei manchen Nahrungsmitteln schnell verschluckt, große Bissen nicht gut kauen kann, und sie braucht sehr lange, bis ein Bissen gekaut und hinunter geschluckt ist. Daher isst sie nach wie vor vergleichsweise wenig, sitzt manchmal über eine halbe Stunde am Mittagessen, und trinkt immer noch 4-5 Flaschen Milch pro Tag, um satt zu werden. (Sie ist für ihr Alter groß und schwer.)

Als Säugling brauchte sie lange, um ihre Milchflasche zu trinken, ich war nachts manchmal 2-3 Stunden mit ihr wach, bis sie - mit Pausen - eine Flasche getrunken hatte. Auch tolerierte sie nur bestimmte Sauger.


Von den Problemen mit dem Sprechen abgesehen, ist meine PT sehr gut und altersgerecht entwickelt. Sie ist mit 11 Monaten frei gelaufen, hat ein exzellentes Sprachverständnis, ist auch feinmotorisch geschickt (mit 18 Monaten Strumpfhose fast alleine angezogen), und kognitiv fit (puzzelt usw).
Also es gibt sonst nichts, was mir in ihrer Entwicklung Sorgen bereiten würde.
Sie ist ein freundliches, fröhliches und sehr sensibles Kind.


Eine Halbschwester meiner Pflegetochter ist nun 4 und auch stark sprachentwicklungsverzögert.

Ach so, im Alter von 3 Wochen wäre meine Pflegetochter um ein Haar an einer Dehydrierung gestorben, weil ihre leiblichen Eltern ihre Hungersignale nicht deuten konnten bzw. vielleicht keine Geduld beim Füttern hatten, und das Kind völlig mangelversorgt war. Meine PT wurde durch einen glücklichen Zufall ins Krankenhaus gebracht und hat dort - gerade noch rechtzeitig - mehrere Tage mit dem Tod gerungen.
Daraufhin kam sie dann hierher zu mir.

Nächste Woche haben wir einen Termin bei der Pädaudiologin. Im ersten Jahr hatte meine PT mehrere sehr schwere Mittelohrinfekte (ein Ohr war bis zum Rand mit Blut und Eiter gefüllt).

Wie ist eure Einschätzung, könnte das in Richtung VED gehen?

Danke schon einmal!

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UrsulaK
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Beitragvon UrsulaK » 01.12.2018, 07:20

Hallo Mimo,
für mich hört sich schon nach einer VED an.
Habt ihr schon mit Logo begonnen? Wichtig bei der Therapie ist, daß die es für VED spezielle therapeutische Ansätze gibt. Zum Beispiel VEDIT oder McGinnes mit der man behandelt.
Leider ist die verbreitetste Methode bei kleinen Kindern, mit Sprech- und Sprachverzögerungen, die Spieltherapie nach Zollinger. Diese hilft bei einer VED jedoch gar nichts. Die verbale Dyspraxie bedeutet die Unfähigkeit, gezielt bestimmte Laute zu produzieren. Mit einer Spieltherapie wird diese Unfähigkeit zur Lautproduktion nicht behandelt.

Ich habe vor zwei Tagen diesen Thread im geschützten Bereich eröffnet:
Erfahrungen bei Kindern mit VED Teil 2:
phpBB2/ftopic133408-0.html
Wenn du willst, beteilige dich doch!

VG, Ursula
Eric, (März 2005), Autismus Spektrum Störung, Verbale Dyspraxie, Dysgrammatismus

MaraBy
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Beitragvon MaraBy » 01.12.2018, 14:14

Hallo Mimo,
Mein fast 4-jähriger Sohn hatte auch lange Probleme mit Essen/kauen und sprechen. Was du schreibst, bringt direkt Erinnerungen hoch- stundenlanges ringen um jeden ml und unendliche Angst, dass er sich am geringstes Stückchen im Brei verschluckt. Speichelt deine PT?
Ich könnte mir vorstellen, dass sie vielleicht eine hypotone Orofazial- Muskulatur hat.
Dafür gibt es tolle, einfache Übungen nach Castillo-Morales. Die haben bei uns super geholfen, mittlerweile isst er wirklich alles und quatscht dir ein Kotelett ans Ohr- wenn auch noch oft undeutlich ;)
Bis er 3 war, kamen da auch nur 2- Wort Sätze. Einen großen Sprung hat zusätzlich der Wechsel in den KiGa gebracht.
Vielleicht kannst du das ja mal bei eurem Kinderarzt oder einem Physiotherapeuten mit Castillo-Morales knowhow anbringen.
Alles Gute euch!

Mimo
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Beitragvon Mimo » 01.12.2018, 18:12

Danke erstmal für eure Anworten.

Nein, gespeichelt hat meine PT noch nie.

Ich muss auch sagen, dass meine PT gut und sehr viel getrunken hat als Baby - sie hatte ja einiges nachzuholen, da sie ja unterversorgt hier ankam, manchmal war es weit über 1 Liter pro Tag - schon mit 4 -5 Wochen. Aber es hat halt lange gedauert. Ein Fläschchen dauerte lang bald eine halbe Stunde. Und nachts trank sie immer mit Pausen dazwischen.

Ich werde mir die Übungen mal anschauen.

Habe ich das richtig verstanden, dass VED eher neurologische Ursachen hat (die Mundmotorik ist dabei in Ordnung), und bei der hypotonen Orofazial-Muskulatur liegt ein Problem mit der Mundmotorik vor?

Chrissy1282
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Beitragvon Chrissy1282 » 01.12.2018, 18:54

Wie sieht es mit FAS aus? Ganz häufig hängen Mundmotorik und Essprobleme bei Pflegekindern mit Alkohol in der Schwangerschaft zusammen.
Ich würde eine auf Mundmotorik und Essen spezialisierte Logopädin dam mal diagnostisch draufschauen lassen und FAS in einer guten spezialisierten Ambulanz checken lassen.
Gruß
peanut

Mimo
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Beitragvon Mimo » 01.12.2018, 20:32

huhu,
von FAS gehe ich nicht aus (kann man bei Pflegekindern aber natürlich nie wirklich ausschließen).
Ich habe noch eine 5-jährige PT mit FAS, und kenne mich selbst recht gut aus damit, weil ich mich intensiv in die Materie eingelesen habe und mich auch regelmäßig austausche mit anderen Pflegeeltern und der SPZ-Ärztin usw.

Die Kleine hat rein gar keine Diagnosekriterien, die auf FAS hinweisen könnten (Kopfumfang, Größe und Gewicht liegen bei Perzentile 80, keinerlei Gesichtsmerkmale, neben der langsamen Sprachentwicklung sonst keine Entwicklungsdefizite oder Auffälligkeiten im sozial-emotionalen Bereich).

Ich würde daher entweder auf VED tippen oder auf allgemeine Probleme mit der Mundmotorik.
Ach so ja, das Gehör muss auch noch abgeklärt werden, da die Maus im ersten Lebensjahr sehr schlimme Mittelohrentzündungen hatte. Das versuchen wir nächste Woche bei der Pädaudiologin.
(Ein erster Versuch im Mai beim HNO-Arzt schlug fehl, weil sich das Kind nicht untersuchen ließ.)

Mimo
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Beitragvon Mimo » 03.12.2018, 17:37

So, heute waren wir bei der Pädaudiologin.

Meine PT hat eine beidseitige Tubenbelüftungsstörung (vermutlich aufgrund alter Infekte), der Hörtest war aber einwandfrei, diese sei laut Ärztin daher nicht die Ursache für die verspätete Sprache.

Sie teilte meine Vermutung, dass es sich eventuell um einer VED handelt. :(

Die Belüftungsstörung der Ohren wird nun mit Schleimlöser und verschiedenen Nasentropfen behandelt.
Im nächsten halben Jahr sollen wir mit der Therapie bei einer entsprechend spezialisierten Logopädin beginnen.


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