Ständiges, unkontrolliertes Reden: Was tun?

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Sprachverzögerung/Sprachstörung austauschen und Erfahrungen bezüglich UK (unterstützter Kommunikation) weitergeben. Logopäden dürfen natürlich auch gerne hier Tipps geben!

Moderator: Moderatorengruppe

Bika
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 212
Registriert: 12.04.2017, 13:25

Beitragvon Bika » 29.11.2018, 14:34

Hallo Marta,

Wir kommen auch aus Hamburg und ich weiß, wie schwer sich das hiesige Schulsystem mit der individuellen Förderung von HBchen tut.
Theoretisch sind immer alle bemüht und zaubern schnell Begriffe wie Enrichement aus dem Hut, dahinter steckt jedoch oft nicht das, was der Einzelne wirklich bräuchte.

Hast du schon mal Kontakt zur -Beratungsstelle für besondere Begabungen aufgenommen-.
https://li.hamburg.de/bbb/

Über REBUS (heißt heute ja anders) wurde der erste KlassenSprung meines Sohnes (heute 12 und gut kompensierender Asperger) mit unterstützt.
Die waren auch an der GS und haben die Lehrer beraten.
Obwohl mein Sohn auch nie besonders motiviert schien und von freiwilligen Zusatzaufgaben nicht gerade begeistert war, hat ihn der Sprung in der GS
“gerettet“. Es ging ihm mit der Unterforderung schlecht, auch körperlich, wir mussten damals handeln.
Das eine Kind zieht sich zurück und kratzt sich die Haut auf, ein weiteres Kind wird aggressiv und andere wiederum quatschen ununterbrochen. :lol:

Außerdem bräuchte dein Sohn dringend positive Bestätigung, das permanente Herumreiten auf seinen Defiziten wird seine Verweigerung vermutlich noch verstärken.

Meine ADS- Tochter ist nicht Hb, hat aber auch ein sehr heterogenes Profil.
Die Kinder gehen unterschiedlich mit ihren “Schwächen“ um.

Entweder sie werden durch die Unterschiede besonders motiviert und kompensieren das Begabungsgefälle durch massiven Ehrgeiz oder sie gehen in die Vermeidung.
Das hat meine Tochter auch getan.

Dein Sohn ist superschlau und verfügt über ein extrem hohes Abstraktionsvermögen, durch seine Aufmerksamkeitsstörung kann er aber nicht immer sicher zeigen, was man von ihm will. Das frustriert ungemein und demotiviert fortlaufend.
Vor allem, wenn dann noch Lehrer ständig darauf hinweisen. :cry:

Rike hatte in einem Beitrag weiter vorne, von ihren positiven Erfahrungen mit
Medikatmentengabe berichtet.
Ich kann mich dem nur anschließen, auch wenn ich es immer ungünstig finde, quasi “Werbung“ für Psychopharmaka zu machen.
Meine Tochter hätte nach der 6. Klasse das Gymnasium verlassen müssen.
Mit Medikation geht es ihr deutlich besser und sie hat endlich einen besseren Zugriff auf ihre Ressourcen. Sie kommt heute auf dem Gymnasium gut klar ( nun 9. Klasse).
Außerdem hat sie ein Jahr Verhaltenstherapie erhalten.
Das war auch ein Segen. Dort wurde ihr Selbstvertrauen systematisch aufgebaut

Und mein Sohn musste nach Klasse 6 erneut springen.
Am Ende waren es die Klassenlehrer, die eindeutig dazu rieten, da sie mit der Binnendifferenzierung auch einfach überfordert waren.
Es war für ihn die richtige Entscheidung ( auch wenn mein Mutterherz sich zusammenzieht, da mein Aspie echt schräg und anders ist und viel Angriffsfläche bietet).

Dein Sohn kommt mir son bissel wie eine Mischung aus meinen beiden Kindern vor.
Das Problem der Unterforderung auf der einen Seite und die ADS bedingte Demotivation auf der anderen Seite. :cry:

Hast du bei der DGhK mal geschaut?
https://dghk-hh.de/

Als mein Sohn kleiner war, haben wir ihn ein paar mal zu deren Kursen geschickt, was ihm sehr gut getan hat.
Der Austausch mit anderen Eltern ( Elternstammtisch), gerade wenn man alleinerziehend ist, kann ebenfalls sehr entlastend sein.

ersmal alles Gute
von Bika

PS: mit “Musterkennen“ meinte ich dem Matrizentest ( der war aber hoch, gell? :wink: )
der Mosaiktest ist mit Stoppuhr, für ADSler, die schon in die Vermeidung gegangen sind, ist der Wert nicht repräsentativ ( war die Verarbeitungsgeschwindigkeit auch eher nicht so gut?)
DAS frustriert dann richtig! :cry:

Werbung
 
_Marta
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 168
Registriert: 17.12.2016, 22:14
Wohnort: Hamburg

Beitragvon _Marta » 04.12.2018, 10:14

Liebe Bika,

ich musste erst einmal alles sacken lassen. Und dann hatten wir auch noch Termine beim Ki-Psyhiater und beim Verhaltenstherapeuten. Ich habe dort noch mal die Testergebnisse angeschaut. Jetzt ist mir einiges noch klarer. Wenn auch keine Lösung in Sicht ist :-/

PS: mit “Musterkennen“ meinte ich dem Matrizentest ( der war aber hoch, gell? :wink: )
der Mosaiktest ist mit Stoppuhr, für ADSler, die schon in die Vermeidung gegangen sind, ist der Wert nicht repräsentativ ( war die Verarbeitungsgeschwindigkeit auch eher nicht so gut?)
DAS frustriert dann richtig! :cry:
Nein, nur der Einzeltest Bildkonzepte grenzt an überdurchschnittlich. Das WLD ist insgesamt nur durchschnittlich, auch der Matrizentest.
Das wäre also ein Hinweis - wie ich inzwischen weiß - gegen ASS.

Allerdings ist sein Arbeitsgedächtnis dafür überdurchnittlich gut. Und das widerum sollte bei ASS aber auch bei AD(H)S eher schlecht sein.

Spannend ist auch ein Ergebnis aus dem Teil Sprachverständnis SV: weil mein Sohn nur einen Punkt unter dem ASS-cut-off liegt, wurde die Verdachtsdiagnose vergeben. Daher musste auch der Einzeltest Allgemeines (Sprach-)Verständnis herausgerechnet werden. Und ausgerechnet dieser liegt mit ca. 70 Wertepunkten weit unter den anderen Einzeltests zum Sprachverständnis. Ein kleiner Hinweis (es ist ja nur ein Einzeltest) auf die Probleme mit Interaktion und Kommunikation.
Wenn dein Sohn Adhs hat, könnten Medis ein Segen sein.
Wir werden jetzt Medikamente ernsthaft in Erwägung ziehen. Ich glaube, es führt kein Weg drum herum.
habt ihr eigentlich auch schon mal an Klassensprung gedacht.
Auch das hab ich noch mal mit dem Verhaltenstherapeuten besprochen. Nun ist mein Sohn allerdings emotional echt noch eher Vorschule - ich weiß es nicht. Wir überlegen auch, ob eine andere Schule mit festen Strukturen und Klassensystem eventuell doch besser ist. Aber nun endlich nach über einem Jahr kann mein Sohn ohne Begleitung durch Lehrer, manchmal Schulbegleiter (keinen eigenen, aus demm Schul-Pool) alleine von Klassenraum zu Klassenraum wechseln oder in der Schule auch warten, ohne in Angst, Verzweiflung und Tränen auszubrechen. Wenn wir die Schule wechseln, fängst es recht wahrscheinlich wieder von vorne an. Seine Angst vor Veränderungen und Neuem hat sich nur sehr, sehr wenig gebessert.


Tja. Schön, das mir Vieles jetzt klarer ist. Hilft in Sachen Schule nicht wirklich weiter. Seufz.

Gruß von Marta
Sohn *09/10, Frühgeburt
F90.0G, F84.1V, Entwicklungsverzögerung Feinmotorik, HB, Funktionsniveau: 3 - 4


Zurück zu „Sprache und Kommunikation“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 4 Gäste