Diskussion um schwarze Pädagogik im Film „Elternschule“

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 26.07.2019, 07:33

Guten Morgen,
bloß, dass das Spekulieren um die Persönlichkeitsmerkmale dieser und anderer Herren sachlich überhaupt nicht weiterhilft ...

Man sollte Menschen weder auf „Herdentiere“ noch auf „geborene Egoisten“ oder irgend ein anderes simples Label reduzieren, sondern bei scheinbar einfachen Lösungen komplexer Probleme immer gaaanz vorsichtig und misstrauisch sein.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Re: Diskussion um schwarze Pädagogik im Film „Elternschule“

Beitragvon Silvia & Iris » 26.07.2019, 07:45

Liebe Engrid,

da hast du sicherlich nicht unrecht...

Schönen Tag noch!
Liebe Grüße
Silvia
Tochter *03/2003, PCH, HG-versorgt, ein Sonnenschein
Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört

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Re: Diskussion um schwarze Pädagogik im Film „Elternschule“

Beitragvon Dario » 26.07.2019, 09:40

und da liegt ja wohl der Hund begraben, weil wir einfach Herdentiere sind... und wenn uns jemand als stark und vertrauenserweckend erscheint, laufen viele hinterher...
Naja, wenigstens Autisten (und einige wenige Andere) haben zum Glück nicht diesen ausgeprägten Herdentreib. Ich hab es noch nie verstanden, was Menschen so daran reizt, Führungsfiguren hinterherzulaufen bzw. sich welche zu schaffen.
Heimerziehung ist ein Verbrechen. Kinder gehören in die liebevolle Geborgenheit einer Familie und nicht ins Heim!

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Re: Diskussion um schwarze Pädagogik im Film „Elternschule“

Beitragvon Silvia & Iris » 27.07.2019, 09:21

Lieber Dario,

werden wir nicht von Anfang an immer wieder verglichen?? - Die anderen Kinder können das schon oder jenes?? - Wenn dein Kind diesen Entwicklungsschritt in dem Alter noch nicht schafft, dann braucht es Therapie?? - oder sonst was?? - "An dem und jenen sollst du dir ein Beispiel nehmen!" - Solche und ähnliche Bemerkungen zwingen einem ja regelrecht auch zu beobachten teilweise nachzumachen was andere vormachen... - alleine auch um einen Job zu erhalten... - wobei ich sicher auch hier eine gewisse Wahlmöglichkeit habe - aber auch Protektion mitspielen kann... (was ich auch nicht so recht gut finde, denn warum muss das Kind denn unbedingt das oder jenes werden, obwohl es sich für ganz anderes interessiert...??)

... auch wenn die Eltern zu Hause ein Geschäft haben... - natürlich kann es gut gehen, ich kenne beides... - Kinder, die gerne den Betrieb der Eltern übernommen haben, Kinder, die mit Zwang den Betrieb übernommen haben, aber häufig kurze Zeit später dann eine weitere Ausbildung angefangen haben um das zu machen, was ihnen auch Spaß macht... (Der Betrieb ging dann den Bach runter... oder wurde von Fremden übernommen).

Vorbilder: Heute finde ich dieses Thema wirklich sehr schwierig... - aber wenn du nur ein wenig zurück schaust - die Hippie-Bewegung und ähnliche Gruppen, wo viele Wochenende für Wochenende laute Musik gehört haben, sich aufgelehnt haben gegen Apartheit und ähnliches... -

Dennoch, gewisse Ziele und Grundsätze braucht es schon, dass wir uns wirklich frei entfalten können und dürfen und nicht mit Zwang und Druck gewissen Personen nachfolgen müssen... (Meinungsfreiheit, Freiheit zur Berufswahl... und vieles mehr)

LG
Silvia
ich frage mich auch immer wieder, warum so manche z. B. Kredite aufnehmen, weil der Nachbar so ein Auto fährt und man deshalb auch ein solches oder sogar noch besseres fahren muss... (die Tendenz scheint aber rückläufig...)
Liebe Grüße
Silvia
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Re: Diskussion um schwarze Pädagogik im Film „Elternschule“

Beitragvon AlexMama2006 » 25.09.2019, 14:47

Hallo,

ich habe den Film schon länger mal gesehen. Im Detail bin ich nicht mit allem einverstanden, aber ich wäre damals sehr froh gewesen, wenn uns ein Arzt damals in so eine Einrichtung eingewiesen hätte und uns geholfen hätte. Wir waren damals ganz alleine, ohne familiären Rückhalt, ich war total unerfahren und wir haben es nicht geschafft mit einem so besonderen Kind, wie Alex es war und noch ist.

Die Hilflosigkeit im Umgang mit einem Kind, das nicht schlafen und essen wollte, nirgends hinwollte, gescheiterte Kitaeingewöhnungen und Abwendung von Freunden hat bei uns Eltern tiefe Spuren hinterlassen. Ich hatte 3 Burn Outs und bin inzwischen erwerbsunfähig, vor dem Kind war ich psychisch stabil und körperlich absolut fit.

Der Vater geht gesundheitlich auch auf dem Zahnfleisch, hält sich aber besser als ich, weil er sich zurückgezogen hat. Unsere Ehe ging den Bach runter, was zusätzliche Schwierigkeiten für unser Kind bedeutet hat.

Es ist bis heute der Horror, ich kann kaum mehr schlafen, vielleicht hätte man damals noch die Weichen anders stellen können.

Ich finde, das Ergebnis zählt. Die Kinder sind ja vorher alle noch unglücklicher gewesen. Die Eltern dazu.

Den Gruselfaktor und das Entsetzen habe ich an diesem Film auf jeden Fall nicht erkennen können.

LG AlexMama
AlexMama (*1971, ADHS, ME/CFS, Fibromyalgie, Lumboischialgie)
Alex (*2006, ADS, AWVS, Emotionale Störung des Kindesalters, Chronische Schmerzstörung, Asthma Bronchiale mit Allergien, Hypothyreose, Hochbegabung, unregelmäßiger Schulbesuch, schwerbehindert)

Silvia & Iris
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Re: Diskussion um schwarze Pädagogik im Film „Elternschule“

Beitragvon Silvia & Iris » 25.09.2019, 15:58

Hallo AlexMama,

... die Kinder wurden gebrochen, ihr Wille wurde ihnen genommen... - und das hat man schon gemerkt! - Natürlich müssen Kinder lernen sich in Gruppen zu integrieren, Erwachsene zu akzeptieren, aber auch, mit sich selbst etwas anzufangen, einen eigenen Willen und eine eigene Meinung zu entwickeln... - und das wurde ihnen hier einfach untersagt...
Außerdem - auch diese Beispiele Säuglinge nachts sich selbst alleine in einem Raum zu überlassen, ihnen feste Zeiten zur Nahrungszuweisung aufzuzwingen...

Lustvoll Essen genießen schaut doch anders aus... ?
Und so manch eines unserer Kinder würde mit nur 20 min Zeit zur Nahrungsaufnahme schlichtweg verhungern...
Liebe Grüße
Silvia
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Re: Diskussion um schwarze Pädagogik im Film „Elternschule“

Beitragvon Bika » 25.09.2019, 16:26

Ich kann deine Verzweiflung verstehen und auch, dass man sich, in die Ecke gedrängt, nur noch nach zielführenden Lösungen sehnt.
Solange es keine flächendeckende Hilfe gibt, die Familien wie euch entlasten und mit bestmöglicher Expertise unterstützten, wird diese Form der “Willensbrechung“ weiter praktiziert werden, denn “der Zweck heiligt ja die Mittel“ und das ist aus der Sicht vollkommen Verzweifelter total nachvollziehbar.
Aus ethischer Sicht ist es dennoch falsch, auch wenn einen das im individuellen Abwägeprozess vermutlich kaltlässt.

Im Grunde polarisiert der Film und teilt in grob in zwei Lager, der Mensch ist von Natur aus kooperativ oder der Mensch ist von Natur aufś pure Überleben ausgerichtet und maximal egoistisch.
Wenn der größere Teil der Gesellschaft wieder beginnt sukzessive letzteres Menschenbild zu verinnerlichen, haben wir keine Zukunft, so einfach ist das!

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Re: Diskussion um schwarze Pädagogik im Film „Elternschule“

Beitragvon AlexMama2006 » 26.09.2019, 08:11

Im Endeffekt ist ja die Frage, wie es sich in der Zukunft entwickelt hat. Wie geht es den Kindern 10 oder 20 Jahre später?

Als mein Sohn 6 Jahre alt war, sollte er vollstationär in die Psychiatrie. Er war mir damals noch zu klein und ich habe es abgelehnt. Ich bin heute noch nicht sicher, ob es die richtige Entscheidung war.

Dass es andere Möglichkeiten gibt (Mutter-Kind-Stationen), wusste ich damals noch nicht.

Ich glaube auch nicht, dass die Menschen in dem Film kalt und emotional nicht betroffen waren, ich glaube, dass das nur nicht gezeigt wurde. Wenn ein Kind schreit und sich die Bezugsperson abwenden muss, löst das natürlich Stress in der Betreuungsperson aus, das steckt in unseren Genen.
AlexMama (*1971, ADHS, ME/CFS, Fibromyalgie, Lumboischialgie)
Alex (*2006, ADS, AWVS, Emotionale Störung des Kindesalters, Chronische Schmerzstörung, Asthma Bronchiale mit Allergien, Hypothyreose, Hochbegabung, unregelmäßiger Schulbesuch, schwerbehindert)

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Re: Diskussion um schwarze Pädagogik im Film „Elternschule“

Beitragvon HeikeLeo » 27.09.2019, 18:37

Liebe AlexMama,
Ich bin heute noch nicht sicher, ob es die richtige Entscheidung war.
es war ganz sicher die richtige Entscheidung. Nach einem vollstationären Aufenthalt wäre es sicher NOCH schlechter. Das kann man sich immer nicht vorstellen, bis man solche REalitäten gesehen hat. Man muss dankbar sein, wenn man es selbst nicht erleben muss.

Liebe Grüße
Heike

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Beitragvon Engrid » 28.09.2019, 09:20

Ein Erfahrungsbericht einer Mutter, die mit ihrer sechsmonatigen Tochter in dieser Klink war:
https://www.facebook.com/28834496535525 ... 269459657/

Grüße
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