Diskussion um schwarze Pädagogik im Film „Elternschule“

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Dario
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Re: Diskussion um schwarze Pädagogik im Film „Elternschule“

Beitragvon Dario » 16.07.2019, 23:54

Wenn Langers Einfluss jetzt schon bis in die Autismuszentren reicht (hoffentlich nicht in alle), dann kann einem wirklich Angst und Bange werden. Keinem KInd würde ich so etwas antun wollen, aber autistische Kinder gehören ganz bestimmt zu den letzten, die von solche Methoden auch nur im Entferntesten profitieren können. Höchstens vielleicht Eltern, die von ABA begeistert sind, die würden ihr Kind möglicherweise auch zu Langer schicken, das Menschenbild scheint ja ein sehr ähnliches zu sein.
Heimerziehung ist ein Verbrechen. Kinder gehören in die liebevolle Geborgenheit einer Familie und nicht ins Heim!

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Bika
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Re: Diskussion um schwarze Pädagogik im Film „Elternschule“

Beitragvon Bika » 17.07.2019, 10:11

Autoritäre Strukturen kehren überall zurück.

Für mich ist dieser Film ein klassisches Symptom einer überforderten (vollkommen reizüberflutet und unter dem ständigen Druck zur Permormance stehend) Gesellschaft,
die nach simplen Ursache-Wirkungs- Antworten sucht.

Mam kann Verhaltensprobleme nicht vom Kind allein aus betrachten- Familie ist ein System.

LG Marina

Wir alle sind das System.



Was ist denn besser, die Probleme werden sichtbar, hier im Beispiel eines Filmes von dem viele ( ich auch) wirklich dachten, dass diese Zeiten vorbei wären oder es passiert stillschweigend ohne die Möglichkeit des gesellschaftlichen Diskurses.

Langer und Co können überwiegend nur dort wirken, wo sie ( zuvor schon latent) willkommen waren.
Die grundlegenden Einstellungen, das Menschenbild wird doch nicht durch einen Film geprägt.

Der Erfolg von Winterhoff und anderen zeigt, dass es keinen einheitlichen gesellschaftlichen Konsens gegen autoritäre Erziehung gibt und wenn alles vermeintlich aus dem Ruder gelaufen ist, wie bei den Kindern aus dem Film, dann erst recht nicht.

jonasb
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Re: Diskussion um schwarze Pädagogik im Film „Elternschule“

Beitragvon jonasb » 17.07.2019, 11:17

Hallo,
Alternativ hättest du die Möglichkeit, zu fragen, wer der verantwortliche für die Flyer ist, und warum die ausgelegt werden. Ob Klar ist, welche Hintergrund hinter dieser Klinik steht, nach welchen Methoden sie arbeiten, und und und.
Wenn wir nicht in Kommunikation und Diskussion gehen, können wir überhaupt nichts erreichen und ändern.
VG, Jonas mit Söhnchen:Periventr'ikuläre Leukomalazie, ICP, Z.n. West-Syndrom mit BNS, Button, Resektion links Parietal, Entwicklungsstörung, Epilepsie... ein heller Stern am Himmel sei 30. Dezember 2018
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Sophie-11
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Re: Diskussion um schwarze Pädagogik im Film „Elternschule“

Beitragvon Sophie-11 » 17.07.2019, 22:11

Hallo,

ist es wirklich eine Einstellung, die wiederkehrt, oder war sie nie weg? Ich musste mich gerade an meinen Sozialwissenschaftsunterricht von vor bald 30 Jahren erinnern. Dort haben wir auch Behaviorismus u.Ä. durchgenommen. An ein Beispiel kann ich mich noch erinnern: Mutter schaut Baby an, Baby lächelt sie an, Mutter lächelt zurück, Baby lacht, Mutter schmust, lacht... Damit sollte gezeigt werden, wie ein Säugling schon merkt, wie er seine Eltern manipulieren kann.

Ich kann mich immer noch an dieses Beispiel erinnern, weil es für mich nicht wirklich passte, dass ein Baby schon so manipulativ sein soll. Weil ich nicht verstehen konnte, warum es schlecht sein soll, wenn Mutter und Kind gegenseitig (!) ihre guten Gefühle verstärken.

Aber ich verstehe vieles in dieser Welt nicht. Vor allem, warum sich Menschen immer wieder gegenseitig das Leben schwer machen.

Liebe Grüße!
fünfköpfige, irgendwie ASS-nahe Familie mit dem Großen *12/2007, dem Mittleren *09/2010 mit Diagnose F84.5 und Vd auf ADHS, und der Kleinen *02/2014

Dario
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Re: Diskussion um schwarze Pädagogik im Film „Elternschule“

Beitragvon Dario » 17.07.2019, 23:12

Ich finde den Behaviorismus auch eine der übelsten Weltanschauungen unserer Zeit - und eine der gefährlichsten, weil sie unter einem wissenschaftlichen Anstrich daherkommt und selbst von angesehenen Ärzten, Therapeuten usw. akzeptiert wird.

Behavioristische Methoden mögen zur Erreichung bestimmter Zeile sehr effektiv sein, aber das ist kein Argument, sie auch anzuwenden und gutzuheißen. Folter kann auch sehr effektiv sein um z. B. Geständnisse zu erpressen, trotzdem ist sie aus gutem Grund verboten, weil sie unserem Verständnis von Menschenwürde widerspricht. Beim Behaviorismus hat sich diese Erkenntnis leider nicht durchgesetzt.
Ich kann mich immer noch an dieses Beispiel erinnern, weil es für mich nicht wirklich passte, dass ein Baby schon so manipulativ sein soll. Weil ich nicht verstehen konnte, warum es schlecht sein soll, wenn Mutter und Kind gegenseitig (!) ihre guten Gefühle verstärken.
Das ist halt so eine typische Projektion. In Wahrheit sind es ja die Behavioristen selbst, die Menschen systematisch manipulieren und in die von ihnen gewünschte Richtung lenken. :wink:
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Re: Diskussion um schwarze Pädagogik im Film „Elternschule“

Beitragvon jonasb » 17.07.2019, 23:17

Guten Abend, wurde das hier schon gepostet
http://www.dgkjp.de/aktuelles1/504-film-elternschule
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Re: Diskussion um schwarze Pädagogik im Film „Elternschule“

Beitragvon Engrid » 18.07.2019, 00:18

Wow! <3 :icon_thumleft:
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Re: Diskussion um schwarze Pädagogik im Film „Elternschule“

Beitragvon Sheila0505 » 18.07.2019, 00:45

Schließe mich Engrid an: Wow! Da kann man ja nur hoffen, dass sich noch viel mehr kritische Stimmen von seiten entscheidender Stellen auftun und noch viel lauter werden.

LG Sheila

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Re: Diskussion um schwarze Pädagogik im Film „Elternschule“

Beitragvon elke.theaterfisch » 18.07.2019, 10:32

Wow! Ein Lichtblick diese Stellungnahme!
Elke + Mann mit Sohn früh geboren im Mai 2009, 29. Woche, 1200 g. Motorisch entwicklungsverzögert. Muskulär hypoton, schwache Bänder, Knick-Senk-Füße. Erste Schritte mit dreieinhalb Jahren. Trug jahrelang Unterschenkel-Orthesen und Ringorthesen. Seit zwei Jahren ohne Orthesen.

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Re: Diskussion um schwarze Pädagogik im Film „Elternschule“

Beitragvon HeikeLeo » 18.07.2019, 14:57

Ja, wow!


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