Rechtliche Betreuung - wie läuft das alles ab?

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Jannice
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Rechtliche Betreuung - wie läuft das alles ab?

Beitragvon Jannice » 05.10.2018, 15:17

Für meinen großen Sohn wurde aktuell von mir der Antrag auf rechtliche Betreuung in allen Angelegenheiten beim Amtsgericht gestellt. Die Autismustherapeutin ( die auch Psychologin ist ) hat dazu ein kurzes Gutachten erstellt und darin dargelegt, warum eine Betreuung wichtig ist und dass mein Sohn auch ihr gegenüber geäußert hat, dass er das gerne möchte und dass er möchte, dass ich das mache. Das Gutachten habe ich bei gelegt. Und auch im Antrag angekreuzt, dass ich die Betreuung machen werde und auch warum ( vertraute Person ) .

Was kommt jetzt auf uns zu ? Wie läuft das jetzt weiter ? Kommt da jemand vom Gericht und begutachtet ihn ? Da kann es sein, dass er denjenigen komplett ignoriert, weil er ihn/sie nicht kennt.

Wie läuft das dann ab, wenn ich vom Gericht als Betreuerin bestimmt werde? Kriege ich das dann schriftlich ?

Bzw. was ist, wenn das abgelehnt wird ? Was kann man dann tun ?

Ich weiß, dass hier im Forum so einiges darüber steht, aber ich weiß nicht, ob das alles noch aktuell ist und deshalb frag ich hier einfach noch mal.
LG Jannice
mit "der Kleine" ( 15J. , globale Entwicklungsverzögerung, Kleinwuchs, Asthma, EDS3, sel. Mutismus, Mutation auf Col11A1 u.a.) und "der Große" ( 19J. , Entwicklungsverzögerung, Depression, Hashimoto, Schwerhörig rechts, Autismusspektrumsstörung, Adipositas) . Beide Jungs haben eine Duplikation auf dem ARX-Gen.

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Sabine1970
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Beitragvon Sabine1970 » 05.10.2018, 19:22

Hallo,

bei uns kam eine nette Dame von der Betreuungsbehörde zu uns nach Hause. Sie hat mit meinem Sohn ein Gespräch geführt, auf seinem Niveau und sehr einfühlsam. Sie schreibt einen Brief, eine Empfehlung für den Richter.
Der zustänidge Richter hat in unserem SPZ ein neurologisches Gutachten über meinen Sohn eingeholt.
Dann mussten wir alle drei ( beide Eltern sind bei uns Betreuer) zum Richter.
Gespräch ebenfalls mit meinem Sohn, halbe Stunde. In normalem Besprechungszimmer. Wir wurden über unsere Aufgaben und Pflichten belehrt, unser Sohn zu seinen Wünschen befragt.
Dann kam ein paar Wochen später der richterliche Beschluss, schriftlich per Post.
Die Betreuerausweise mussten wir dann wieder persönlich bei Gericht abholen. Hier dann nochmals Belehrung über unsere Pflicht, Aushändigung von Unterlagen zum jährlich notwendigen Bericht an das Gericht.

Wir mussten immer wieder nachfragen, nachhaken, anrufen, Mails schicken. Alles in allem hat das Verfahren bei uns von Januar bis September gedauert.

LG Sabine

svenjaagnetha
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Beitragvon svenjaagnetha » 05.10.2018, 19:29

Hallo

Ich war mit meinem Sohn auf den Gericht,
Der Richter war bei uns nicht zu Hause.

Mfg
thorbjörn(1999) infantile zerebralparese von dyston-hypotonen typ g 80.8 nach icd,
deutliches psychomentale retardierung f 79 nach icd,
unklares hypotonie-retardierungs-syndrom q 89,9 nach icd.und Chromosom2 defekt.und ein wenig autische störung bekommt fussorthesen

Jörg75
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Beitragvon Jörg75 » 05.10.2018, 20:30

Moin,

nach dem Antrag geht die Sache zur Betreuungsbehörde, die suchen dann den Kontakt, telefonisch oder persönlich.
Ebenfalls gibt das Gericht ein medizinisches Gutachten in Auftrag, da gibt es dann eine Untersuchung.

Wenn alle Unterlagen dem Richter vorliegen, gibt es eine Anhörung - das ist immer etwas unterschiedlich, ob das im Gericht oder bei Euch zu Hause stattfindet.
Dann gibt es den richterlichen Beschluss, der schriftlich zugestellt wird - danach gibt es dann für den Betreuer einen Termin beim Rechtspfleger des Amtsgericht, wo die Verpflichtung erfolgt und der Betreuer auf alles hingewiesen wird, was er beachten muss - da gibt es dann auch den Betreuerausweis.

Gruß
Jörg
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Beitragvon Chantal-Marie » 05.10.2018, 22:15

Ich bin mit unserer Tochter ins Gericht denn ich wollte nicht dass der Richter zu uns nach Hause kommt. Es war total unproblematisch, er hat versucht mit ihr zu sprechen was aufgrund der Behinderung so gut wie unmöglich war. Anschließend wurde das Gutachten erstellt das dann per Post kam und das wars schon. Es kam dann noch der Betreuerausweis für mich und meinen Mann denn er wurde als Zweitbetreuer eingetragen.
Liebe Grüße von Chantal-Marie und Mama

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Beitragvon Sabine1970 » 06.10.2018, 08:51

Hallo an alle,

das läuft offensichtlich überall etwas anders, wir hatten nette und kompetente Menschen die auf die Bedürfnisse unseres Sohnes eingegangen sind. Die Sache lief entspannter, als ich es mir vorgestellt hatte.

LG Sabine

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Beitragvon Ronja123 » 06.10.2018, 12:34

Hallo,
nur zur Info: es ist nicht ein Richter der zu einem nachhause kommt sondern ein Mitarbeiter der Betreuungsbehörde. Dieser macht sich einen generellen Überblick über die unter Betreuung zu stellende Person und das Umfeld. Anschließend gibt der eine Stellungnahme beim Gericht ab.
Wir mussten trotz Vorlage eines SPZ Gutachens auch noch zu einem psychiatrischen Gutachter.
Bei uns war dann erst anschließend der Gerichtstermin.
Eltern sollten sich vorher überlegen ob nur einer die Betreuung übernimmt oder beide zusammen! Wir haben beide die Betreuung übernommen und können voneinander unabhängig entscheiden (ist ggf. wichtig wenn einem mal was passiert).
Viele Grüße
Karin
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Beitragvon Jörg75 » 06.10.2018, 19:57

Moin Karin,
nur zur Info: es ist nicht ein Richter der zu einem nachhause kommt sondern ein Mitarbeiter der Betreuungsbehörde.
das kommt darauf an.

Es muss auf jeden Fall auch eine Anhörung durch einen Richter geben. Ob diese Anhörung im Gericht oder bei dem Betroffenem zu Hause stattfindet, ist eine Frage des persönlichen Geschmacks des Richters.

Gruß
Jörg
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Beitragvon Senem » 06.10.2018, 20:00

Hallo,

ich habe mitbekommen das die Anhörung nur zu Hause stattfindet, wenn der Betroffene aus gesundheitlichen Gründen nicht das Haus verlassen kann!
Gruß

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Jörg75
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Beitragvon Jörg75 » 06.10.2018, 20:42

Hallo senem,

DANN findet sie letztlich zwingend bei dem Betroffenen zu Hause statt.

Ansonsten ist es tatsächlich Geschmackssache das Richters. Die meisten Richter lassen die Anhörungen in der Regel im Büro stattfinden, weil sie dann nicht rausmüssen und es für sie einfacher ist - einige wollen sch aber auch einen Eindruck von dem Betroffenen in dessen normaler Umgebung verschaffen und gehen daher zu den Betroffenen nach Hause.

Gruß
Jörg
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