1. Regentag und schon Frust

Ein besonderes Kind braucht auch besondere Anregungen - nicht zu viel und natürlich auch nicht zu wenig. Gute Spieltipps kann man immer gebrauchen!

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Michaela.Sandro
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1. Regentag und schon Frust

Beitragvon Michaela.Sandro » 23.09.2018, 17:36

Hallo zusammen, unser erster Regentag hat mir wieder gezeigt, warum ich so einen Horror vor dem Herbst/Winter habe. Ich habe mir überlegt, wie ich mit Sandro spielen oder irgendwie zusammen Beschäftigung finden kann und es ist wie immer, er hat zu nix Lust. Malen, Sticker kleben, Zahlenpuzzle oder Spiele auf dem IPad, nichts kann ihn begeistern. Aktive Sachen wie Ball spielen, Musik hören/tanzen halten genau 5 Minuten, dann hat er auch dazu keine Lust mehr. Da ich nicht den ganzen Tag die Glotze anmachen will (Sport schauen kann er den ganzen Tag mit nicht endender Begeisterung), sitzen wir hier rum und Sandro zieht es vor sich zu langweilen! Ich versuche auch, ihn in alltägliches einzubeziehen, aber auch das ist nach zwei Minuten uninteressant! Ich könnte jetzt schon verzweifeln und das bereits am 1. Herbsttag. Wer kennt das und wie geht ihr damit um? Lieben Gruß Michaela
Michaela alleinerziehend, Teilzeit berufstätig (Bj. 12/67) und Sohn Sandro (19.01.07.) Herz-OP nach Geburt, geistige Behinderung, Diagnose, evtl. ein unbekanntes Syndrom. Er kann laufen, einigermaßen sprechen, PG 4 , 100% SB aber ein Schatz!

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HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 23.09.2018, 17:43

Liebe Michaela,

was spricht denn eigentlich dagegen, den
ganzen Tag die Glotze anmachen will (Sport schauen kann er den ganzen Tag mit nicht endender Begeisterung)


Das Ausklammern von Glotze schauen ist pädagogische Bücherweisheit, nicht praxiskonform. Wenn Du stundenlanges Fernsehen als Erziehung zur Medienkompetenz betrachtest, hast Du eine praktikable Lösung theoretisch untermauert. Sandro hat ein inneres Gefühl dafür, was er braucht, was ihm gut tut und dafür kann er sich begeistern.
Das Ausklammern vom Fernsehen geht von einem Menschenbild aus, bei denen Kindern nicht zugetraut wird, dass sie selbst wissen, was sie brauchen. Da klingt immer alles sehr richtig, ist aber in der Tiefe esoterisch-dogmatisch und wird von kaum jemandem angezweifelt. Warum glauben alle dieser Ansicht?

Liebe Grüße
Heike

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Beitragvon Tina&Andi » 23.09.2018, 18:11

Hallo Michaela,

ich weis nicht ob es bei dir und Sandro geht.

Kauft euch bei wetterfest Kleidung geht wenn nur kurz ist raus, wenn ihr dann heimkommt vielleicht findet ihr dann leichter was.

Dann ein Spiel, was malen ect.

LG
Tina
Tina : Tetraspastik, beinbetont,

Andi : Tetraspastik, armbeton, vorallem schreibfaul

Anjali
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Re: 1. Regentag und schon Frust

Beitragvon Anjali » 23.09.2018, 18:41

Michaela.Sandro hat geschrieben: Da ich nicht den ganzen Tag die Glotze anmachen will (Sport schauen kann er den ganzen Tag mit nicht endender Begeisterung), sitzen wir hier rum und Sandro zieht es vor sich zu langweilen! Ich versuche auch, ihn in alltägliches einzubeziehen, aber auch das ist nach zwei Minuten uninteressant!


Hallo Michaela,

... was spräche denn dagegen, ihn sich langweilen zu lassen?
Langeweile kann erfinderisch machen.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

nataschawolle
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Beitragvon nataschawolle » 23.09.2018, 19:25

hi

ich finde auch langeweile wichtig,

Ich würde nicht dahin erziehen, ihm ständig was anzubieten, sondern eher zu warten, bis er sich für was interresiert. Durch das Anbieten hat er keinen Raum, sich selbst was zu überlegen.

Wetterfeste Kleidung gibt es bei uns immer.

lg Natascha
natascha mit julia 93, gina 97 mageneingangfehlbildung mit reflux (hiatushernie) morotrische defizite, maria und anna 02, zehenfehlstellung, empfindliche lungen, maria extrem mit narbenbildung nach lungenentzündung, die 4 sind das wundervollste chaos dieser welt

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Beitragvon Michaela.Sandro » 23.09.2018, 20:49

Hallo zusammen, wir sind auch bei Regen oft unterwegs, aber das sind dann nur kurze Aktionen, weil er DauerRegen auch nicht so toll findet und so Sachen wie Indoorspielplaz/Schwimmbad wird ihm schnell zu voll und wuselig. Ich bin durchaus für gelegentliche Langeweile, aber bei Sandro hat das überhaupt keinen Effekt im Sinne von selbst was überlegen, selbst wenn man merkt, dass es ihn eigentlich nervt. Ich muss wohl auch erst einmal Umdenken nach dem langen Sommer und hoffe, dass sich dann ein Mittelweg aus TV, raus gehen, langweilen und irgendwie anders beschäftigen ergibt. Es ist bei mir auch immer ein wenig Traurigkeit dabei, weil ich gerne mit ihm etwas machen würde und dann „abblitze“, außer bei Aktivitäten draußen. L. G. Michaela
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Tanja2014
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Beitragvon Tanja2014 » 23.09.2018, 21:22

Hallo Michaela,

kennst Du das Magazin Känguruh? Darin gibt es einen Veranstaltungskalender. Ich versuche an solchen Tagen oft eine (kleine) Veranstaltung irgendwo zu finden. Wenn beide Jungs sich langweilen und keiner von beiden es schafft, irgendeine Beschäftigung zu finden, hacken die beiden nur aufeinander rum und das ist echt schlecht auszuhalten über längere Zeit. Manchmal fallen mir auch "Projekte" ein, die wir dann über einige Tage verfolgen (z.B. Fledermaushotel aus einem Bausatz bauen und dann anmalen oder eine Ritterburg aus Kuchen, Keksen und Süßigkeiten bauen). Da ist es dann mit etwas Glück auch mal so, dass sie ein paar Dinge zwischendrin auch mal allein weitermachen. Es gibt ja für die etwas älteren Kinder auch so Bausätze für Roboter, Experimentierkästen oder sowas, vielleicht hat er ja daran Spaß...
Viele Grüße
Tanja
mit B. (*2012) - Extremfrühchen, spastische ICP beinbetont GMFCS Level 1
und Wirbelwind (*2013)

Anjali
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Beitragvon Anjali » 24.09.2018, 07:29

Was macht Sandro denn, wenn ihm langweilig ist?
Flippt er aus? Randaliert er?
Oder hälst d u es vielleicht nicht aus, ihn längere Zeit sich selbst zu überlassen?
Vielleicht aus einem schlechten Gewissen heraus? Das ist nicht als Vorwurf gemeint, sondern ein Erklärungsversuch.

Vielleicht bräuchte er ein bißchen mehr Zeit, um sich ganz auf sich selbst, seine eigenen Interessen und seine eigene Kreativität zu besinnen.
Im Grunde scheint er ja hauptsächlich zu konsumieren (TV, Spielangebote) und keine eigenen Ideen zu entwickeln.

Ich selbst musste erst einmal lernen, meinen Sohn (trotz Gejammer ) guten Gewissens seiner Langeweile zu überlassen. Beschäftigungsvorschläge werden im Jammermodus sowieso nur schlecht angenommen.
Wirklich ganz auf sich gestellt und auf sich besonnen, findet er dann doch immer erstaunlich schnell eine Beschäftigung (stundenlange Langeweile kam noch nie vor) obwohl er sonst auch seine Freizeit am liebsten am Computer verbringt.
(Er darf auch an den Computer, aber eben nicht den ganzen langen Tag.)
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

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Beitragvon HannahKillian » 24.09.2018, 08:28

Hallo liebe Michaela,

ich glaube, du musst den Gedanken an gemeinsame Aktivitäten - für dich selber - vorerst am besten komplett loslassen...

Wenn man immer wieder versucht, ein Kind zu etwas zu bewegen was es selbst aber nicht möchte, dann entsteht damit permanente Anspannung für beide Seiten. Vielleicht ist es besser, dem Kind dann einfach das zu gestatten, was es selbst gern tun möchte und in eurem Fall ist "Sport gucken" doch eigentlich nicht schlimm... Im Gegenteil, Sport ist doch interessant und tausendmal besser als der ganze restliche TV-Schrott....

Natürlich wäre ein "pädagogischer" Anspruch bei der Freizeitbeschäftigung nicht schlecht, aber wenn's halt partout nicht klappen will, muss man das akzeptieren und das Beste draus machen. Und ja, Kinder dürfen/sollen sich durchaus auch langweilen - Dauerbespaßung blockiert die Kreativität.

Hier wäre es vielleicht auch nicht verkehrt, wenn du dir selber interessante Indoor-Aktivitäten für dich suchst... tut dir gut und du signalisierst deinem Junior damit, dass du ihm nicht ständig etwas "aufreden" möchtest, sondern durchaus auch Zeit für eigene Hobbys haben möchtest. Ist ja auch völlig normal...

So ein Kurswechsel wird am Anfang vielleicht ein bißchen holprig, aber wie Anjali schreibt: man kann Kinder - trotz Gejammer - guten Gewissens der Langeweile überlassen...! Nur Mut.... :D


Liebe Grüße,
Hannah
"Aufgeben?'" Komisches Wort, kenn ich gar nicht...

Meine Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... hannah+icp

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Michaela.Sandro
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Beitragvon Michaela.Sandro » 24.09.2018, 11:09

Hallo zusammen, vermutlich habt ihr recht und ich muss etwas umdenken. Ich habe das Gefühl, ihn irgendwie spielerisch fördern zu müssen, weil er, wenn überhaupt, nur extrem langsam etwas lernt und ich ihn eben gerne unterstützen würde, aber wirklich ohne jeden Druck! Wenn der TV aus ist und Langeweile ansteht, macht er wirklich gar nichts und sitzt nur auf dem Sofa und sagt in etwas trotzigem Ton: "Ich möchte hier sitzen bleiben"! Ich beschäftige mich selbst auch mit anderen Dingen, mache ein Mittagsschläfchen, lese, räume auf, schaue ins Internet usw., das hat bei ihm allerdings noch nie so etwas wie "Entfaltungswunsch" geweckt. Vielleicht schaffe ich es ja, mit etwas weniger Gedanken zu machen. Lieben Gruß Brassi
Michaela alleinerziehend, Teilzeit berufstätig (Bj. 12/67) und Sohn Sandro (19.01.07.) Herz-OP nach Geburt, geistige Behinderung, Diagnose, evtl. ein unbekanntes Syndrom. Er kann laufen, einigermaßen sprechen, PG 4 , 100% SB aber ein Schatz!


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