Schadenersatz für Nenad - keine geistige Behinderung!

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PaulaW
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Schadenersatz für Nenad - keine geistige Behinderung!

Beitragvon PaulaW » 24.08.2018, 18:46

Ihr Lieben,

habt Ihr das schon gesehen ?

Alles Gute

Paula

http://www.spiegel.de/lebenundlernen/sc ... 18841.html
Muskelschwäche, Entwicklungsverzögerung, Wahrnehmungsstörung, Feinmotorische Probleme, Konzentration, PG3, 70% GdB, GBH

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Alexandra2014
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Beitragvon Alexandra2014 » 24.08.2018, 18:56

Schlimm genug, dass es kein Einzelfall ist...

Wird aber dennoch niemanden in den oberen Reihen interessieren. Die haben ja aktuell bezüglich Schulen/Lehrermangel ganz andere Probleme, als einzelne Förderschüler. Bis da etwas passiert, ist es sowieso zu spät. :?

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

melly210
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Beitragvon melly210 » 24.08.2018, 22:51

Ich finde es richtig und wichtig, daß es ein solches Urteil gibt. Wenn noch mehr folgen, ändert sich dann vielleicht mal aus Angst vor Klagen doch was. Es gibt leider viele Kinder wie ihn, die in irgendwelchen Sonderschulen verrotten ohen daß sich irgendwer nochmal mit ihnen befasst, weil sie irgendwann mal im Kiga-Alter einen IQ Test versemmelt haben und die Eltern nicht für sie kämpfen...

Ayala
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Beitragvon Ayala » 25.08.2018, 11:51

Ich habe diese Schlagzeilen seit einer ganzen Weile in den Medien verfolgt und habe meine Schwierigkeiten mit dieser Berichterstattung.
Mir fehlt einfach die andere Perspektive. So wird immer davon berichtet, dass Nenad auf Grund der Sprachbarriere beim IQ-Test einfach ungerechtfertigt versagen musste. Verschwiegen wird, dass G-Schulen in der Regel sprachfreie IQ-Tests verwenden. Ebenfalls fehlt die Info, wie hoch die Fehlzeiten von Nenad waren und ob überhaupt Leistungsbeurteilungen möglich waren. Musste evtl. mehrfach die Beurteilung im Zeugnis ausgesetzt werden, da er die Schule zu selten besucht hat? Auch das Thema Elternarbeit wird gar nicht erwähnt. Haben die Lehrer vielleicht regelmäßig versucht, mit den Eltern in Kontakt zu treten und den Schulbesuch zu verbessern?

Ich will die Problematik nicht wegreden, aber diese einseitige Meinungsmache der Medien empfinde ich als sehr unsachlich und oberflächlich.

Ich kenne diese konkrete Schule nicht, weiß aber, dass sich viele (Förder)schulen große Mühe mit ihren Schülern geben. Natürlich ist kein Lehrer perfekt, jeder macht Fehler und es ist schlimm, wenn das ein Menschenleben stark prägt. Trotzdem bin ich überzeugt, dass viele Lehrer im Laufe von Nenads Schulzeit ihr Bestes gegeben haben, sich für den Jungen interessiert haben, ihn bestmöglich fördern wollten, ihn täglich unterrichten wollten, Elterngespräche führen wollten aber auch gemerkt haben, dass ihnen die Hände gebunden sind.

Ich würde mir wünschen, dass solche Berichte nicht einseitig gegen die "bösen Förderschulen" gerichtet werden. Im Prinzip hätte die Geschichte an jeder anderen Schule genauso stattfinden können.
Lehrkraft an einer Förderschule mit den Förderschwerpunkten ganzheitliche und motorische Entwicklung

Schwester J. Smith-Lemli-Opitz-Syndrom
Kusine A. Angelmann-Syndrom

melly210
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Beitragvon melly210 » 25.08.2018, 12:43

Daß es auch viele gute Förderschulen gibt glaube ich sofort, Ayla. Ich wäre auch skeptisch bei der Aussage daß er nur aufgrund der Sprachbarriere so schlecht abgeschnitten hat. Ich denke es wird schon so sein, daß er entweder einen eher grenzwertigen IQ hat, Wahrnehumgsstörungen, oder daß er damals einfach entwas entwicklungsverzögert war. Daß es auch disziplinäre und/oder Motivationsprobleme gab sowie Probleme mit den Eltern kann ich mir auch gut vorstellen. Trotzdem hätte auffallen müssen, daß er deutlich mehr leisten kann als in einer GB Schule verlangt wird und es hätte dann darauf reagiert werden müssen. Und genau dieser letzte Punkt ist eben nicht passiert. Da wurde nicht genug hingesehen.

monika61
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Re: Schadenersatz für Nenad- Keine geistige Behinderung !

Beitragvon monika61 » 25.08.2018, 13:01

PaulaW hat geschrieben:Ihr Lieben,

habt Ihr das schon gesehen ?

Alles Gute

Paula

http://www.spiegel.de/lebenundlernen/sc ... 18841.html


Hallo zusammen,

inzwischen hat das Land NRW auf die Berufung gegen das Urteil verzichtet
und damit die Zahlung von Schadenersatz und ggf Schmerzensgeld akzeptiert."...

23. August 2018
https://www.kobinet-nachrichten.org/de/ ... chüler.htm

https://twitter.com/mittendrinev/status ... 2699179008

LG
Monika

Ayala
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Beitragvon Ayala » 25.08.2018, 13:10

Die Medien stellen halt auch dar, dass er auf Grund der falschen Schulzuweisung hohe Fehlzeiten hatte. Die genauen Zahlen werden halt nicht veröffentlicht. Aber wenn die Fehlzeiten zu hoch sind, kann halt auch keine adäquate Einschätzung erfolgen, das Zeugnis wird dann evtl ausgesetzt.
Ich frage mich halt auch, welche Rolle das Jugendamt bzw. Ordnungsamt in der Geschichte hatte. Denn extreme Fehlzeiten werden von der Schule ja auch gemeldet.
Und letztlich sind den Lehrern auch die Hände gebunden. Ich kann mir viel (Körperhygiene, passende Kleidung, Schulmaterial, Diagnostik, Therapie, Freizeitangebote etc.) für manche Schüler wünschen, muss aber akzeptieren, dass die Verantwortung allein bei den Eltern liegt.
Evtl. schaltet man das Jugendamt ein, wenn die Zustände zu desolat sind. Aber auch die haben gesetzlich verankerte Grenzen.
Die Verantwortung für ein Kind liegt nun einmal bei den Eltern. Das ist in vielen Fällen gut, kann aber auch ein Verhängnis für ein Kind sein.

Ich will jetzt das Urteil nicht als falsch darstellen. Es ist nicht ohne Grund zu Stande gekommen. Aber ich möchte die Vielschichtigkeit der Problematik darstellen!
Lehrkraft an einer Förderschule mit den Förderschwerpunkten ganzheitliche und motorische Entwicklung



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UrsulaK
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Beitragvon UrsulaK » 25.08.2018, 13:43

Leider kann man den Berichten nicht entnehmen, welcher Art der IQ Test war. Wenn ein nicht sprachfreier Test verwendet wurde, wäre das schon mal der erste Fehler gewesen, da Nemad damals kein Deutsch gesprochen hat.
Es hätte aber auf jeden Fall auffallen müssen, daß er keine geistige Behinderung hat. Ich frage mich, ob die Lehrer da die ganze Zeit nur weggeschaut haben oder einfach kein Interesse hatten das richtig zu stellen?
@Ayala wir wissen nicht, ob Nemad viel gefehlt oder nicht. Ich finde auch, das das bei der Beurteilung, ob er auf der Schule für geistige Behinderung bleibt oder nicht keine Rolle hätte spielen müssen. Er ist nun mal nicht geistig behindert und grenzwertig ist er auch nicht, denn er hat seinen Hauptschulabschluß mit Bestnoten abgeschlossen.
Das kann man drehen und wenden wie man will, das Fehlverhalten der Schule läßt sich nicht wegdiskutieren!

Gruß, Ursula
Eric, (März 2005), Autismus Spektrum Störung, Verbale Dyspraxie, Dysgrammatismus

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Beitragvon Angela77 » 25.08.2018, 14:38

Hallo zusammen,

ich finde auch, es hätte in jedem Falle auffallen müssen, zumal der Schüler selbst mehrfach geäußert hatte, falsch platziert zu sein ...

@Melly: Leider kann eine sehr, sehr suboptimale schulische Förderung auch passieren, auch wenn die Eltern sehr engagiert sind. Das ist z.B. dann der Fall, wenn das Kind für die Inklusion aus gutem Grund nicht geeignet ist, es aber nur eine Förderschule gibt, dass das Kind aufgrund seiner Förderschwerpunkts/seines Einzigsbereichs aufnehmen kann oder darf und/oder erheblicher Lehrermangel dort herrscht. Mal eben Schule wechseln oder - seltener - Klassenwechseln kann da einfach mitunter unmöglich sein.

Über die Gründe, warum sich einzelne Lehrer, ggf. einzelne Schule als solches so verhalten, mag ich nicht spekulieren. Strukturelle Probleme, Burnout oder private Problem oder eine Kombi aus allem mögen da eine Rolle spielen.

Was ich aber dann besonders bitter finde ist, wenn externe Hilfsangebote "mal eben aus Prinzip" von einzelnen Personen nicht angenommmen.
Da freuen mich solche Gerichturteil durchaus.
Eventuell können sich so engagierte Eltern irgendwann dann auch einen finanziellen Teil des Mehraufwands, den sie haben um das Kind selbst adäquat zu bilden, als Schadensersatz zurückholen.

Und bitte, hier geht es mir primär um Lehrer/Schulen, denen ihre Defizite bewusst sinn, die aber das Zulassen externer Hilfen von anerkannten Spezialisten bewusst verweigern bzw. ins Leere laufen lassen. Denn dafür gibt es KEINERLEI Rechtfertigung.

Liebe Grüße
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
Vorstellung plus Diäteffekte:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html

Primär nächtliche Epilepsie im motorischen Sprachzentrum (leider erst erkannt im März 2015!!!)

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Angela77
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Beitragvon Angela77 » 25.08.2018, 14:40

Hallo zusammen,

ich finde auch, es hätte in jedem Falle auffallen müssen, zumal der Schüler selbst mehrfach geäußert hatte, falsch platziert zu sein ...

@Melly: Leider kann eine sehr, sehr suboptimale schulische Förderung auch passieren, auch wenn die Eltern sehr engagiert sind. Das ist z.B. dann der Fall, wenn das Kind für die Inklusion aus gutem Grund nicht geeignet ist, es aber nur eine Förderschule gibt, die das Kind aufgrund seiner Förderschwerpunkts/seines Einzigsbereichs faktisch aufnehmen kann oder darf und/oder erheblicher Lehrermangel dort herrscht.
Mal eben Schule oder Klasse wechseln kann da einfach mitunter unmöglich sein.

Über die Gründe, warum sich einzelne Lehrer, ggf. einzelne Schule als solches so verhalten, mag ich nicht spekulieren.

Strukturelle Probleme, Burnout oder private Problem oder eine Kombi aus allem mögen da eine Rolle spielen.

Was ich aber dann besonders bitter finde ist, wenn externe Hilfsangebote "mal eben aus Prinzip" von einzelnen Personen nicht angenommmen.
Da freuen mich solche Gerichturteil durchaus.
Eventuell können sich so engagierte Eltern irgendwann dann auch einen finanziellen Teil des Mehraufwands, den sie haben, um das Kind selbst adäquat zu bilden, als Schadensersatz zurückholen.

Und bitte, hier geht es mir primär um Lehrer/Schulen, denen ihre Defizite bewusst sind, die aber das Zulassen externer Hilfen von anerkannten Spezialisten bewusst verweigern bzw. ins Leere laufen lassen. Denn dafür gibt es KEINERLEI Rechtfertigung.

Liebe Grüße
Angie[/quote]
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin

Vorstellung plus Diäteffekte:

http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html



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