Neue Standards für Inklusions- und Förderschulen

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 15.07.2018, 14:10

Hallo Lisaneu,
bevor wir uns hier weiter zerreiben...und sicher wird keiner von uns Beiden auch nur einen Schritt nachgeben, oder?
Schlage ich vor, wir beenden das jetzt einfach hier. Wenn du magst, kannst du dir ja nochmal alle Posts von mir und dir durchlesen - in meiner Signatur steht ein Teil der Behinderungen meiner Söhne, alles hat nicht reingepasst.[/qoute]

Ich wollte eigentlich nur Antworten auf meine Fragen. Du hast so getan, als hättest du welche. Es ging und geht mir nicht darum, sie schlecht zu machen.
Auch andere Mütter haben behinderte Kinder.
Dessen bin ich mir bewusst.Und glaub mir, ich freue mich für jeden, der Kinder hat, die von Inklusion in der Schule profitieren. Bei meinem jüngeren Sohn sehe ich bei den momentanen Voraussetzungen keinen Mehrwert durch eine I-Klasse. Das ist meine individuelle Erkenntnis, keine allgemein gültige Aussage.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

kati543
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Beitragvon kati543 » 15.07.2018, 14:36

Hallo Sandy,
bei einem Kind mit einem IQ von weit unter 50 kann man nicht viel intervenieren. Es gibt einen Grund warum das Mädchen diese Anfälle hat und warum es nie sprechen wird.
Das Sozialamt genehmigt für inklusive Beschulungen eigentlich schnell 1:1 Hilfen. Ich hatte in verschiedenen Landkreisen nie Probleme damit - bei verschiedenen Sachbearbeitern. Auch jetzt wo mein Sohn auf eine Privatschule gehen wird - inklusiv, wird die 1:1-THA komplett übernommen. Es gibt halt das HPG und der ganze Bogen wird durchgearbeitet und danach steht ganz klar fest, dass das Kind überall Hilfe benötigt. Nur bei meinem Jüngsten ist das vollkommen klar. Mir wird schon während des HPG jedesmal gesagt, dass die THA wieder vollumfaenglich genehmigt wird. Zwar schreit mein Kind nicht, aber es gehört zu der Sorte der absoluten Essensverweigerer und Trinkverweigerer bis hin zum Koma (klar muss er gefüttert werden) - das sollte man also schon mal ernster nehmen. Naja, Meltdowns kennen wir auch, aber eigentlich haben wir gelernt die Vorboten zu erkennen und das irgendwie noch abzuwenden (Hilfsmittel dabeihaben) oder ihn da durch "zu begleiten". Meinem Ältesten half damals immer zählen. Gott was haben wir zusammen gezählt. Irgendwie hat ihm das geholfen da rauszukommen. Das Umkleiden für den Sport, die Begleitung auf die Toilette ist da ja schon eher "normal". Im Unterricht natürlich das Uebersetzen in "Leichte Sprache" und die Unterstützung bei der Feinmotorik. Natürlich die 100%ige Ueberwachung wegen der Epilepsie. Also auch in den Pausen eine THA. Bei der inklusiven Beschulung kenne ich das sehr oft. Bei der Förderschule wird die THA eher nie genehmigt.
LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 15.07.2018, 15:00

Bei der Entscheidung ob Inklusionsklasse oder Sonderschulklasse stellen sich bei mir zwei Hauptfragen:

1. Was hat für das Kind den "Mehrwert" und warum? Wenn es die Tatsache ist, dass es in der I-Klasse einen Schulbegleiter bekommt, der ihm in der Sonderschulklasse verwehrt würde, dann ist das durchaus ein Entscheidungskriterium. Ebenso wie die gesunden Mitschüler, von denen es in der I-Klasse profitieren kann. Wenn keine passende Schulbegleitung genehmigt bzw. gefunden wird, schaut es anders aus. Wenn das Kind in der Klasse Mitschüler hat, die seine Sprache verstehen und sprechen empfinde ich das auch als Mehrwert gegenüber Mitschülern, mit denen das Kind nicht kommunizieren kann.

2. Was ist für die Klassengemeinschaft besser? Ein unauffälliges, ruhiges Kind kann zweifellos besser in eine I-Klasse integriert werden als ein lautes, verhaltensauffälliges. Deshalb sollen nicht alle verhaltensauffälligen Schüler automatisch in Sonderschulen kommen. Wenn es Mittel und Wege gibt, damit umzugehen, sollten die ausgeschöpft werden. Aber ein Kind, welches auch in guter Gemütslage ständig lautiert (wie mein Sohn) stellt selbst für weltoffene, tolerante Lehrer und Mitschüler einen gewissen Streßfaktor dar. Und ein Kind auf einen Schulausflug mitnehmen, von dem man weiß, dass es sich mindestens 1/2 Stunde kreischend auf dem Boden wälzt, wenn es nicht mindestens 5x Rolltreppe fahren darf, stelle ich mir auch sehr stressig vor. Da muß man sich schon vorher fragen, ob durch solch erzwungene Inklusion Vorurteile nicht eher geschürt als ausgeräumt werden.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
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SandyErgo
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Beitragvon SandyErgo » 15.07.2018, 15:03

Hi Katic

In gewisser Hinsicht hast du recht - aber man kann nicht "Äpfel mit Birnen" vergleichen
Ein geistig-behindertes (Schrei-) Kind erreicht man anders als ein kognitiv fites, ein autistisches anders als ein nicht-autistisches > es ist aber auf verbalem Weg möglich, entsprechend des Entwicklungsstandes. Bei einem gehörlosem kommt dann noch die Schwierigkeit der Verständigung hinzu - dss wird , weil DGS :?: nicht eine allseits bekannte Sprsche ist, noch mal komplizierter.
Und da bei unseten Kids es ja oftmals nicht bei einer Diagnose bleibt, finde ich es nicht gut, wenn dann miteinander vrrglichen wird.





Und damit zurück zum eigentlichen Fadenthema:

Inklusion wird aus meiner Sicht immer eine Einzelfallentscheidung bleiben müssen - man darf nicht einfach pauschalisieren.
Für eine gewisse Anzahl von Kindern wird es gut gehen - wenn räumlich und personell die Voraussetzungen geschaffen werden. Was aber eben nicht von heute auf morgen klappen kann und wird - weil es eben auch eine Frage des Geldes und anderer Ressourcen ist - hat das Amt keine Schulbegleiter mehr, kann es sich auch keine herzaubern > denn diie Qualität soll dann ja auch stimmen. Um so mehr unterstützte Inklusion = mehr Kräfte - und die fallen ja auch nicht vom Himmel.
Andererseits wird es aber auch immer Kinder geben, die einfach den geschützten Raum einer Förderschule brauchen (speziell geschultes Personal, ....)
Und diese Entscheidung, die die Eltern dann trefen - sollte dann aber auch vom Umfeld akzeptiert werden.
DENN: Jedes Kind ist ein Individuum - was dem einen gut tut, muss bei dem anderen nicht klappen.
Mama 12/77
mit Tochter 11/06 FG 30+6 (nach HELLP-Syndrom) Kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit noch leichter Sprachentwicklungsstörung, Hämochromatose (homozygot C282T im HFE-Gen)
und Sohn 08/09 FG 34+1 ADHS und kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit starker Betonung der aktiven Sprache

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Re: Neue Standards für Inklusions- und Förderschulen

Beitragvon Silvia & Iris » 28.09.2019, 21:12

... das, was wirklich nicht kommen soll, ist eine verpflichtende Ganztagsschule...
... es gibt wirklich genug Kinder, die es nicht aushalten, länger als 5 - 6 Stunden so eine Geräuschkulisse, permanent Input von verschiedenen Seiten auszuhalten ohne Raum sich zurück ziehen zu können und zu dürfen...
... was ich auch erlebe, dass wirklich kein Kind es mehr schafft in der 8. Schulstufe noch eine Stunde Mathe zu lernen oder Biologie... - da ist man nicht mehr aufnahmefähig, vor allem, wenn man ständig unter Strom steht und nicht nach Hause gehen kann und abschalten …

Wo wird denn wirklich eine Ganztagsschule für alle bereits seit 30 Jahren und länger aktiv und wirklich zufriedenstellen durchgeführt? - Wirklich Unterricht von 7.00 bis 18.45? - also Unterricht... keine Freistunden, Hausaufgaben oder so... - und wie schaut es dann nach diesen Schulbesuchen aus? wie fit sind dann die Kinder am Arbeitsmarkt, sich selbst organisieren? Gibt es dann Internate? - Oder sind alle Schulen dann so wohnortnahe, dass das nicht gebraucht wird?
Liebe Grüße
Silvia
Tochter *03/2003, PCH, HG-versorgt, ein Sonnenschein
Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört


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