Nachteilsausgleich wird nicht beachtet

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HeikeLeo
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Nachteilsausgleich wird nicht beachtet

Beitragvon HeikeLeo » 29.06.2018, 09:19

Hallo Leute,

Wollte mal nur meine Erfahrungen mitteilen fürs Schwarmgedächtnis:

Sohn geht in die dritte Klasse. Erste und zweite Klasse gibt es keine Noten in Baden-Württemberg, nur zum Abschluss: gut in Mathe, gut in Deutsch.

Seit der dritten Klasse hat er eine andere Lehrerin. Erste Klassenarbeit im Oktober Lesetest - Note 6, Sohn hat gerade mal Namen eingetragen (eine Probeaufgabe im Vorfeld, plötzlich angesetzt, vor Elternabend - dort dann: Lesetest wird grundsätzlich nicht angekündigt). Bis Januar ist es klar, dass angesagte Arbeiten gut laufen, nicht angesagte Arbeiten verweigert werden - was jedes Mal mit einer 6 geahndet wird. Erstes Gespräch mit der Lehrerin war im September.
Ab Januar weitere Gespräche. Anfang Februar sagt sie im Gespräch, Sohn ist nicht für Regelschule ggeignet.
Danach Schulleitung einbezogen: Schulleiter legt fest, dass Arbeiten angesagt werden. Schriftlich.

Ab März kommt Autismusbeauftragte dazu. Ende März gibt es einen ausführlichen schriftlichen Nachteilsausgleich, erster Punkt Arbeiten werden angekündigt. Zweiter Lesetest wird angekündigt. Note 1,5.

Seither immer wieder Gespräche. Lehrerin kennt den Unterschied zwischen Nachteil und Nachteilsausgleich nicht.
Zur Notengebung bildet sie den Mittelwert aus der 6 und der 1,5. Das gibt eine 4. Natürlich sind auch noch andere Noten drin, aber alles andere liegt ähnlich - vielleicht nicht ganz so deutlich. Sie sagt: "Noten sind nicht so wichtig."

Danach große Gesprächsrunde angesetzt mit Schulleitung, Autismusbeauftragter, Elternbeirat, Eltern. Eltern schicken Tagesordnung - mit anwaltlicher Formulierungshilfe - Notenbildung angesprochen.

Danach wird von der Schulleitung das Gespräch sehr kurzfristig abgesagt. Wir wollen, dass die 6 nicht in die Notenbildung einbezogen wird, weil der Lesetest nicht angekündigt war. Lehrerin sieht es anders. Schulleitung geht in drei Wochen in den Ruhestand. Angelegenheit liegt jetzt beim Schulamt.

Wir brauchen aber keine Präzedenzregelung. Uns geht es nicht in erster Linie um die Note, sondern um die Umsetzung des Nachteilsausgleichs. Lehrerin tut sich unendlich schwer damit, Prüfungssituationen anzusagen - auf Prüfungen vorbereiten ist bei ihr sehr schwierig, weil häufig nicht geübte Aufgaben kommen - besonders, was die Form betrifft. Sie findet häufig Punkte, an denen Sohn blockiert. Sie ist nicht in der Lage Blockadesituationen zu vermeiden, zu entschärfen und anschließend einzuordnen. Autismusbeauftragte bietet Schulungen an. Ich werde berichten, wie es weitergeht. Ich befürchte, wir werden es nicht erleben, dass Erkenntnis bei der Lehrerin ankommt.

Liebe Grüße
Heike

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Lily343
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Beitragvon Lily343 » 29.06.2018, 09:35

Liebe Heike,
Tja was soll man dazu sagen. Ich verstehe nicht warum sich die Lehrerin nicht informiert, aber vielleicht gehe da auch zu stark von mir aus. Wenn mir etwas neues oder unbekanntes vor die Nase gesetzt wird kann ich gar nicht anders, als mich darüber zu informieren und zu recherchieren bis ich das Gefühl habe es verstanden zu haben.
Ich wünsche euch einen erfolgreichen Kampf. Lasst euch nicht unterkriegen!
LG Lily

_Marta
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Beitragvon _Marta » 29.06.2018, 11:16

Liebe Heike,

auch von mir solidarische Grüße.

Und danke, dass du deine Erlebnisse hier teilst. Bei uns läuft es ja auch seit Jahren schwierig, die Ignoranz von Erziehern und Lehrern macht mich auch immer wieder fassungslos.

Lieben Gruß, Marta
Sohn *09/10, Frühgeburt
F90.0G, F84.1V, Entwicklungsverzögerung Feinmotorik, HB, Funktionsniveau: 3 - 4

HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 30.06.2018, 10:23

Hallo Leute,

Update:
Gestern hat die Elternbeirätin, die auch freiberufliche Mediatorin ist, doch noch ein Vier-Augen-Gespräch mit der Schulleitung bekommen. Sie sind gemeinsam den Nachteilsausgleich durchgegangen und "verständlicherweise konnte die Schulleitung nichts dazu sagen".
Mit den Lehrerinnen hat sie auch Termine vereinbart und zwar übernächste Woche. Alle sind total aufgeschlossen und gesprächsbereit.
Die Verantwortung ist fein säuberlich ans Schulamt abgeschoben, jetzt ist noch Raum für Nettigkeiten und Small-Talk.

Sohn soll am Montag eine Grammatikarbeit nachschreiben. Ist jetzt auch übers Wochenende angekündigt. Dadurch, dass er die letzten zehn Tage wegen Krankheit gefehlt hat, hatte er ja offenbar Zeit zu übern (leider keine Kraft, da er die Nächte spuckend und mit Bauchweh auf der Toilette verbracht hat. Da lernt man doch gerne Grammatik und freut sich, wenn doch wieder Rechtschreibung geprüft wird.)

Schönes Wochenende!

Liebe Grüße
Heike

HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 07.07.2018, 12:22

Hallo Leute,

Update:
Kurz vor dem Wochenende nun haben wir die Einzelnotenaufstellung erhalten. Die Noten, die unserer Meinung nach den Nachteilsausgleich verletzen, werden knallhart gewertet. Gewichtung steht nicht drin. Datum der Klassenarbeiten auch nicht - aber die weiß ich ja.

Am krassesten ist immer noch der verweigerte Lesetest , der nicht angesagt war und deshalb verweigert wurde. Wird mit 6 gewertet. Der angesagte Lesetest mit 1,5 wird gleich gewertet.

In Sachkunde hatte er eine 1-. Beim nächsten Test wurde er in der Pause vor der Arbeit verprügelt, hat nur die erste Aufgabe bearbeitet. Die Lehrerin ist nach eigenen Angaben etwa 10mal bei ihm vorbeigegangen und hat ihm gesagt, er solle schreiben. H. hat sich immer abgewendet und nicht geschrieben. Die Note ist 5-. Nach dem Test wurde er nach Hause geschickt, da die Raufereien weitergingen und eskalierten. Wird aber alles gewertet.

Wir werden anwaltlichen Widerspruch gegen die Noten einlegen.

Liebe Grüße
Heike

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Beitragvon HeikeLeo » 11.07.2018, 16:43

Hallo Leute,

Update:
Die Schule hat uns ein Elterngespräch angeboten - in scharfem Tonfall. Sie wollen beide Elternteile sehen. Dabei sein sollen Autismusbeauftragte vom Schulamt und deren Vorgesetzte, Schulleiter (und sein Nachfolger im nächsten Schuljahr?), Klassenlehrerin und eine Fachlehrerin. Wir hätten gerne auch eine Elternbeirätin dabei. Leider passt der Termin für uns gar nicht. Und der vorige Termin wurde drei Stunden vor dem Gespräch vom Schulleiter abgesagt - wahrscheinlich weil er zu dem Zeitpunkt die Tagesordnung angeschaut hat und dann die Lust verloren hat. Wir schlagen einen Alternativtermin vor, der mit der Elternbeirätin schon vorher im Gespräch war.

Die Motivation zu einem großen Gespräch rührt wahrscheinlich vom anwaltlichen Brief. Anhand der Noten kann eben deutlich die Missachtung des Nachteilsausgleichs gezeigt werden: ordentliche Noten, wenn die Lernstandsmessungen angesagt sind, sechs, wenn nichts angesagt ist. Ins Zeugnis will die Klassenlehrerin alles gleichwertig aufnehmen.

Dann schauen wir mal.

Liebe Grüße
Heike

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Beitragvon HeikeLeo » 12.07.2018, 15:03

Hallo Leute,

Heute kam die Antwort der Schule für unseren alternativen Terminvorschlag: Die Schule will jetzt Termine unserem Anwalt mitteilen. :roll:

Liebe Grüße
Heike

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Beitragvon Engrid » 12.07.2018, 15:12

Hallo Heike,

ich drück die Daumen, dass bald was konstruktives und ausbaufähiges dabei herauskommt! Und dass die NTA somit endlich umgesetzt werden.

Grüße
Engrid
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Beitragvon Konrad02 » 12.07.2018, 20:40

Hallo Heike,

das hört sich alles nicht gut an.

Ich habe Dir eine PN geschrieben.

Viele Grüße
Konrad02

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HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 12.07.2018, 21:20

Hallo Leute,

Danke für den Zuspruch.
Ich habe das Ansinnen von der Schulleitung an unseren Anwalt weitergeleitet. Er hat der Schulleitung ein Gespräch ohne große Runde angeboten.

Heute Abend habe ich nach vier Wochen Funkstille eine Mail von der Autismusbeauftragten erhalten, in der sie uns verspricht, dass gemeinsam mit Autismusbeauftragter des Schulamtes, Schulleitung und Lehrerinnen nach einer Lösung gesucht wird. Ohne uns! Das klingt erst einmal nicht gut! Es ist mir bewusst. Andererseits geht es so wirklich nicht.

Vorgestern hat mich die Elternbeirätin über das Gespräch mit der Klassenlehrerin informiert. H. musste einen Aufsatz nachschreiben - im Treppenhausflur, ohne Konzeptpapier, mit einem Thema weniger als der Rest der Klasse, mit einer fremden Aufsicht und ohne Einweisung. Wir haben das der Elternbeirätin so erzählt und sie hat es im Gespräch angesprochen. Die Lehrerin sagt, H. habe zuerst zwei Stunden im Klassenzimmer nachschreiben können. Er habe aber nichts zu Papier gebracht. Daraufhin habe er noch Zusatzzeit im Flur bekommen. Das deckt sich nicht mit den Aussagen meines Sohnes.

Liebe Grüße
Heike


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