Nachteilsausgleich wird nicht beachtet

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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rena99
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Beitragvon rena99 » 21.12.2018, 17:23

Ist das so eine Art Tagebuch hier
Joo. So eine Art anonymer Pranger vielleicht. Die Wurfrichtung der Tomaten stimmt nur nicht. An sich sollten Eltern autistischer Kinder wissen, wovon ich schreibe. Aber gerade hier erlebe ich sehr große Ansprüche an Anpassung. Und die Stärken unserer Kinder sieht man auch hier nicht.
Allerdings habe ich auch hilfreichen Zuspruch erfahren.
Und ich gebe meine Erfahrungen gerne weiter. Ich profitiere auch manchmal von Erfahrungen anderer. Man muss ja nicht die gleichen Fehler wiederholen;-)

Ich möchte lieber, dass Sohn seine Stärken zeigen darf und dass er mit Hilfe seiner Stärken die Schwächen dann auch kompensieren darf. Stattdessen wird Anpassung gefordert an diffuse Situationen und wenn er einen auf toten Mann macht, wird er geschimpft.
Mit dem Regellehrplan hätte er keine Probleme. Aber er kann nunmal die Rechtschreibung nicht beim Wandern üben. Da hilft auch eine Schulbegleitung nicht. Aber er soll sich, auch nach einhelliger Meinung hier, an Wanderungen gefälligst anpassen und dann gefälligst orthographisch richtig schreiben können. Und ein b ja nicht wie le aussehen lassen. zur Not verzichtet man dann halt auf die Rechtschreibung. Und das ist aber das einzige, was für ihn erreichbar ist. Sein b wird immer wie le aussehen und die Wanderungen werden ihn immer töten, ob mit oder ohne Schulbegleitung.
Ich wünsche dir da mal Kraft und Durchhaltevermögen, denn die wirst du brauchen. Erklärungen und Erläuterungen braucht auch meine erwachsene Tochter noch. Engird hatte da ja gerade einen spannenden Artikel verlinkt.
Das ist alles vollkommen richtig. Aber es ist auch richtig, dass wir von einem verpflichtenden Schulsystem etwas einfordern dürfen und nicht nur demütig als Gnadenakt unbesehen und mit unendlicher Dankbarkeit empfangen dürfen.

Liebe Grüße
Heike

Hallo Heike,

ich glaube, ich kann dich durchaus verstehen. Gerade mit einem intelligenten Autisten ist es in der Schule nicht immer einfach. Oder vielleicht sollte ich schreiben, auf ganz spezielle Weise nicht einfach. Denn viele Dinge funktionieren ja und dann wiederum sind die Kinder ganz hilflos. In anderen Situationen wirken sie rechthaberisch. Und man hat es nicht leicht, sie gern zu haben mit dieser altklugen Art, wenn man sie nicht gut kennt. Was die Kinder natürlich durchaus merken....

Das, was die Lehrerin da macht, gilt eigentlich als sehr guter und moderner Grundschulunterricht. Das, was du gerne hättest, gilt ehr als ungeeignet für die Herausforderungen der heterogenen Gesellschaft. Nur, dass es bei deinem Sohn so überhaupt nicht funktioniert.

Ein offenes System darf nie regellos und ohne Grenzen sein. Vielleicht ist es ja auch das, was der Lehrerin nicht gelingt. Ich kenne nämlich durchaus Autisten, die in einem offenen System gut klar kommen. Wenn es denn für sie als Schutzraum mit Regeln erlebt wird und nicht chaotisch unverhersehbar ängstigt.

Du wirst das Schuljahr noch durchstehen müssen. Ich denke, ich würde die Arbeit darauf setzen, deinem Sohn die Situationen im Nachhinein zu erklären. Damit aus den vielen unverhergesehen Sachen für ihn mehr regelgerechte Dinge werden. Sozusagen an seiner Resilienz-Fähigkeit arbeiten. Mehr kannst du im letzten Grundschulhalbjahr wohl nicht erreichen.

Ich wünsche euch auf jeden Fall eine gute Hand bei der Auswahl der weiterführenden Schule, denn der Druck auf die Gymnasien ist groß, die offenen Unterrichtsformen aus der Grundschule weiterzuführen. Man hofft so, die auch in den Gymnasien mittlerweile nötige Binnendifferenzierung zu stemmen.

Das funktioniert gut, wenn es denn gut gemacht ist. Aber nicht jeder kann das wirklich. Und ohne erkennbare Struktur geht es halt nicht, und zwar für keinen Schüler.

Was du hier als "Tomaten in die falsche Richtung" empfindest, liegt, glaube ich, auch daran, dass deine Forderungen teilweise extrem wirken oder als "extrem kommuniziert" erlebt werden. Daran, also an der Verpackung deiner Botschaften, kannst du sicher noch arbeiten. Das lohnt sich, durfte ich in den letzten Jahren erfahren.

Beste Grüße

Rena

P.S. Die ständige Arbeit an der Stressresistenz und Resilienz kann man zwar als übermäßige/überflüssige Anpassung bezeichnen. So meine ich das aber nicht. Sondern einen Weg in der normalen Welt finden, der die autistischen Besonderheiten berücksichtigt. Und das Ringen um diesen Weg muss mehr und mehr in die Hand der Betroffenen, je älter sie werden. Es wirkt so, als sei der Schutzzaun, den du um deinen Sohn errichten möchtest, zu hoch, als dass er ihm wirklich etwas nutzt.
Rena mit Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)
"Jeder Zwang ist Gift für die Seele." (Ludwig Börne)

HeikeLeo
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Victim-Blaming

Beitragvon HeikeLeo » 21.12.2018, 21:11

Was du hier als "Tomaten in die falsche Richtung" empfindest, liegt, glaube ich, auch daran, dass deine Forderungen teilweise extrem wirken oder als "extrem kommuniziert" erlebt werden. Daran, also an der Verpackung deiner Botschaften, kannst du sicher noch arbeiten. Das lohnt sich, durfte ich in den letzten Jahren erfahren.

Nein, das Problem ist die wiederkehrende Forderung nach Schulbegleitung. Mir ist bewusst, dass die im Werkzeugkasten Autismus drin ist. Allerdings wird uns die formale Diagnose erst im Februar mitgeteilt werden. Bis dahin ist Schulbegleitung erst einmal ohnehin außen vor. Und danach mahlen die Mühlen bekanntlich langsam.
Viele schreiben hier mit, ohne davor mitgelesen zu haben. Und ich denke, sie sehen ihre Schulbegleitungen möglicherweise auch gefährdet. Leider hat das Konzept Schulbegleitung in solchen Schulen wie dieser ein sehr hohes Missbrauchspotential. Das heißt nicht, dass es prinzipiell nicht geeignet ist. Aber in unserem Fall ist es überflüssig und wird in dem gegebenen Chaos auch noch missbraucht werden. Ich habe genug Einblick in Schulen, um das mit Sicherheit prognostizieren zu können. Ganz abgesehen davon, dass wir für die Beantragung einer Schulbegleitung erst eine Vorabbestätigung haben und abgesehen davon, dass eine Schulbegleitung eben keinen Unterricht macht. Und der ist nun leider planlos. Die Schule sieht nicht die Chance, durch unsere Gespräche Planung reinzubringen, die ALLEN nützt.

Abgesehen davon, ist eine Schulbegleitung in seinem Fall überdimensioniert. Es geht für ihn auch ohne sehr gut. ABER nur wenn die Schule ihm so viel Unterricht anbietet, wie es vorgesehen ist. Ich sehe aber leider, dass sich die Schule vom vorgesehenen Raster entfernt, insbesondere die Klasssenlehrerin. Wir sind nicht die einzigen Eltern, die sich beklagen. Aber bei uns fällt einfach noch mehr Kompensation an als bei den neurotypischen Kindern. Und ich habe in mühsamen Jahren gelernt, nicht alles zu schlucken und zu kompensieren, sondern auch mal zu protestieren. Und kleiner Protest reicht in einem so trägen System leider nicht.
Der Protest zeigt ja auch Wirkung. Die Anzahl von Sonderveranstaltungen ist zurückgefahren worden und ein munteres Umetikettieren hat eingesetzt. Wandertage werden jetzt umbenannt in Lerngänge, Sporttage werden in Einzelstunden verschoben - leider nicht in Randstunden, dafür werden Materialien immer noch heimlich entfernt und unvollständig mitgegeben, Informationen sind immer noch schwurbelig und unpräzise und nicht mitdenkend, dafür werden Basteleien angefertigt und mit Aufwand nach Hause geschickt, auf die weder wir noch Sohn echten Wert legen.

Seit gestern ist auch der Autismusverband im Boot. Aber über Weihnachten passiert erst einmal nichts. Und an sich hat sich die Diskussion hier ähnlich entwickelt, wie bei sexuellen Übergriffen. Letzlich greifen manche doch zum einfacheren Victim-Blaming, anstatt an der Verbesserung der Strukturen anzusetzen.
https://www.zeit.de/kultur/2018-12/sexu ... rtus-knabe
Ich lerne gerne dazu.

Liebe Grüße
Heike

JennyK
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Beitragvon JennyK » 23.12.2018, 08:27

Ich lese heraus, dass du keine Schulbegleitung möchtest. Aber genau bei solchen Problemen, die du schilderst, wäre eine Schulbegleitung total sinnvoll. Sie könnte für bessere Kommunikation sorgen, deinem Sohn einen verlässlichen Rahmen bilden, um mit den alltäglichen spontanen Veränderungen zurecht zu kommen. Wie schon so viele zuvor, denke auch ich, dass du dich total verrannt hast. Du möchtest mit aller Macht ein komplettes System verändern, anstatt dafür zu sorgen, dass dein Sohn besser in der Schule zurecht kommt. Er wird noch ein halbes Jahr dort sein, mein Ansinnen als Mutter wäre da in erster Linie, dass er so gut wie möglich da durchkommt. Deine Energie und Kampfeslust in allen Ehren, setze sie zielgerichtet ein und plane jetzt schon, wie es ab dem Sommer weiter geht. Mit dem Kopf gegen die Wand zu rennen bringt dich, und vor allem deinen Sohn nicht weiter.

Den Vergleich mit dem Sexismus finde ich schon krass... in dem geschilderten Fall waren Strukturen gewachsen, in denen alle weiblichen Angestellten systematisch diskriminiert wurden. Du bist, mit einigen anderen Eltern, unzufrieden mit dem Unterrichtskonzept der Schule/der Lehrerin. Und anstatt individuell eine gute und praktikable Lösung für deinen Sohn zu finden, willst du das System ändern... passt nicht!
Sohn 1 (06), ADS und Asperger Autismus; PG 3; SBA 50 mit B, G, H
Sohn 2 (13), Asperger Autismus, leicht ausgeprägt

Michaela44
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Beitragvon Michaela44 » 23.12.2018, 12:49

Ich finde schon, dass sich das (Schul)System ändern muss! Inklusion bedeutet nämlich nicht, dass Maßnahmen für den einzelnen notwendig sind (z. Bsp. Schulbegleitung), sondern dass die Gesellschaft so ist, dass alle teilhaben können (ohne Einzelanpassung), bzw. dass Schule so ist, dass keine Einzelmaßnahmen notwendig werden. Ich finde auch, dass es sich lohnt, dafür zu kämpfen, denn wenn sich niemand beschwert, wird sich nichts ändern.
Asperger Autistin
mit neurodiverser Familie

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 23.12.2018, 13:08

Ich finde auch, dass das System geändert werden muss, und dass Kämpfen oft lohnt. Pädagogisch gesehen ist die Sache mit der roten Tinte tatsächlich ungut, weil stark defizitbetonend. Für alle Kinder.
ABER:
Um für unsere Kinder das bestmögliche zu erreichen, braucht es nicht nur Kampfgeist, sondern auch viel Diplomatie, und einen klaren Blick fürs aktuell Machbare.
Du wirst, um im Beispiel zu bleiben, auf die Schnelle den Rotstift und die Defizitorientierung nicht abschaffen können, weder für Dein Kind, noch für die ganze Gemeinschaft.
Deshalb macht es Sinn, hier beim Kind anzusetzen, erklären, relativieren.

Anderes Beispiel: Dass Dein Kind in einem gut passenden Setting ohne Schulbegleitung auskommt, wäre für mich kein Grund, es im jetzigen Setting nicht doch damit zu probieren. Wenn es Dir aber gar so ein Graus ist (und schließlich musst DU Dich dann mit der SB ja mannigfach absprechen), dann macht es vielleicht wirklich keinen Sinn.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Beitragvon SandyErgo » 23.12.2018, 14:15

Ich lese heraus, dass du keine Schulbegleitung möchtest. Aber genau bei solchen Problemen, die du schilderst, wäre eine Schulbegleitung total sinnvoll. Sie könnte für bessere Kommunikation sorgen, deinem Sohn einen verlässlichen Rahmen bilden, um mit den alltäglichen spontanen Veränderungen zurecht zu kommen. Wie schon so viele zuvor, denke auch ich, dass du dich total verrannt hast. Du möchtest mit aller Macht ein komplettes System verändern, anstatt dafür zu sorgen, dass dein Sohn besser in der Schule zurecht kommt. Er wird noch ein halbes Jahr dort sein, mein Ansinnen als Mutter wäre da in erster Linie, dass er so gut wie möglich da durchkommt. Deine Energie und Kampfeslust in allen Ehren, setze sie zielgerichtet ein und plane jetzt schon, wie es ab dem Sommer weiter geht. Mit dem Kopf gegen die Wand zu rennen bringt dich, und vor allem deinen Sohn nicht weiter.
JennyK, das ist das, was hier schon mehrere Mitleser mehrmals vorgeschlagen bzw. ans Herz gelegt haben. Das wird aber von Heike vehement abgelehnt - vermutlich bedingt durch eigene schlechte Erfahrung in den letzten Jahren.

Es versteht keiner, warum sie es in den letzten Monaten an der Schule noch weiter eskalieren lassen möchte, anstatt zu versuchen, es einfach noch auszusitzen > denn ein Ende ist ja in Sicht.
Mama 12/77
mit Tochter 11/06 FG 30+6 (nach HELLP-Syndrom) Kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit noch leichter Sprachentwicklungsstörung, Hämochromatose (homozygot C282T im HFE-Gen)
und Sohn 08/09 FG 34+1 ADHS und kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit starker Betonung der aktiven Sprache

rena99
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Beitragvon rena99 » 23.12.2018, 14:27

Ich finde schon, dass sich das (Schul)System ändern muss! Inklusion bedeutet nämlich nicht, dass Maßnahmen für den einzelnen notwendig sind (z. Bsp. Schulbegleitung), sondern dass die Gesellschaft so ist, dass alle teilhaben können (ohne Einzelanpassung), bzw. dass Schule so ist, dass keine Einzelmaßnahmen notwendig werden. Ich finde auch, dass es sich lohnt, dafür zu kämpfen, denn wenn sich niemand beschwert, wird sich nichts ändern.
Das erfordert aber eine ganz andere Schule, als es sie jetzt gibt. Und wenn man dann überlegt, was es dafür braucht, landet man beim konsequent individualisierten Unterricht. Schließlich sind die Fähigkeiten auf allen Gebieten immer eine Verteilung.

Konsequente Individualisierung geht aber nur in offenen Unterrichtsmodellen. Und das ist ja gerade, was bei Heikes Sohn nicht klappt. Bzw. nicht klappt mit einer Lehrerin, die Heikes Sohn keine hinreichende Struktur vermitteln kann.

Es ist wirklich nicht ganz einfach. Denn wenn die Lehrerin von Heikes Sohn genaus so arbeitet, wie Heike sich das wünscht, wird es auf jeden Fall auch Kinder geben, die mit dem Ansatz so überhaupt nicht klar kommen und darunter leiden werden.

Deswegen braucht es die gesunde Mischung in Angebotsform. In einer mir bekannten Schule konnten die Schüler wählen, ob sie ein neues Thema lieber in einer Kleingruppe als Frontalunterricht oder lieber in einer Kleingruppe mit Selbstlernmaterial erarbeiten wollten. So kann aber nur eine Schule arbeiten, die ganz konsequent an Individualisierung arbeitet und dabei nicht den Überblick verliert.

Es geht schon, aber viele können es sich nicht vorstellen.

LG
Rena
Rena mit Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)
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Beitragvon AnnalenaO » 23.12.2018, 16:03

Hallo Heike!
Schon als ich schrieb dass das was von der Prinzessin auf der Erbse hat war mir klar dass kommt: DAS ist der Autismus. Ja, ich gebe dir zu einem Teil Recht: allerdings erscheint es so wie du hier schreibst so als würdest du deinen Sohn in seinem Prinzessin sein noch bestärken anstatt ihm zu helfen solche Empfindlichkeiten abbauen zu können.
Vielleicht verstehe ich das was du schreibst aber auch nur vollkommen falsch, auch möglich.
Ich hoffe einfach für dich und für deinen Sohn dass ihr auf der weiterführenden Schule wieder gut klar kommt (also vor allem dein Sohn).

Liebe Grüsse, AnnalenaO

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Beitragvon HeikeLeo » 23.12.2018, 19:56

Auch wenn hier der Vorwurf der Konfrontation kommt - die Konfrontation lebe ich nicht in der Schule aus, sondern hier. In die Schule schicke ich zum Verhandeln lieber andere Leute - meinen Mann, die Mediatorin, die Autismusbeauftragte oder auch die Elternvertreterin der Klasse. Die bringen ALLES weicher vor. Das ändert aber NICHTS am bestehenden Problem. Und ich rede mit der Lehrerin nur zwischen Tür und Angel, wenn ich Sohn mal vorzeitig abhole.

In gewissem Umfang gebe ich Rena recht, dass offene Unterrichtsformen Binnendifferenzierung ermöglichen. Aber nicht so wie es umgesetzt wird. Im bestehenden System könnte es wirklich wunderbar funktionieren. ABER: Die Lehrerin macht ja nur scheinbar offenen Unterricht. Es klafft eine riesige Lücke zwischen dem, was sie sagt und dem, was sie tut. Aber sie hat volle Rückendeckung von den Hierarchiestufen über ihr. Ich habe folgenden Artikel gefunden, der die Hintergründe SEHR klar darstellt. Ist aber ein wenig lang. - Und genau um den im Artikel erwähnten Etikettenschwindel geht es bei uns. Auf ALLEN Ebenen, mit denen wir es bisher zu tun hatten.

https://bildungsklick.de/schule/meldung ... -inklusion

Und genau aus dem Grund passt eine Schulbegleitung auch nicht zum Problem. Eine sinngemäße Umsetzung der Nachteilsausgleiche wäre mehr als genug. Aber die Nachteilsausgleiche werden nicht sinnvoll umgesetzt sondern eher eulenspiegelartig.

Und klar, wir müssen in dieser Schule nur noch ein halbes Jahr erdulden. Das habe ich mir bei meinen großen Sohn damals auch immer gesagt. Der hatte ja eine Schulbegleitung, die leider nicht die Probleme behoben hat, sondern von der Schule schamlos missbraucht wurde. Aber es war ein Fehler, dass ich damals nicht weiter gegangen bin. Und wenn ich jetzt auch keinen weiteren kleinen Sohn in der Röhre habe, der in 10 Jahren ein Déjà-Vu provozieren kann, dann haben wir trotzdem noch weitere 9 Jahre Schule mindestens vor uns. Und dafür lohnt sich schon ein Experiment.

An Sohn arbeite ich durchaus. Sonst hätte er den Aufsatz auch nicht so schreiben können. Ihr glaubt doch nicht etwa, dass er das in der Schule gelernt hat! Leider kann ich aber nicht vollumfänglich die Autorität der Lehrerin schützen, wenn sie sich so grobe pädagogische Fehler leistet. Er hat nun mal leider recht, wenn er sagt, dass er hahaha im Satz eingebunden schreiben wollte und nicht als Satzanfang. Aber sie hat Hahaha an den Satzanfang gestellt. Das trägt mit zur Rotfärbung des Aufsatzes. Und DAS ist mit Sicherheit keine pädagogische Meisterleistung. Es erschwert mir mit Sicherheit die Arbeit. Ich arbeite hier gegen eine sehr niedrige Frustrationsschwelle an. Wenn dann solche Rückmeldungen kommen, ist meine Arbeit noch schwerer. Das muss wirklich nicht sein!

Liebe Grüße
Heike

AnnalenaO
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Beitragvon AnnalenaO » 23.12.2018, 21:23

Hallo Heike!
Doch, ich finde man kann in dem Fall die Autorität der Lehrerin schon schützen. Die Lehrerin hat so korrigiert wie es stilistisch besser ist, nämlich Hahaha als eigenen Satz. Man hätte auch statt Hahaha schreiben können „und er lachte dabei gemein“. Solche Korrekturen weisen nicht ausschliesslich auf Fehler hin sondern die Lehrerin versucht den Kindern einen guten Schreibstil näher zu bringen. Ob man das dann annimmt oder nicht bleibt einem selber überlassen. Mein Sohn kann auch nur sehr schlecht mit Kritik umgehen. Er hat aber verstanden dass die Lehrerin ihm nichts böses will, sie will ihm etwas beibringen. Das geht nicht völlig ohne Kritik. Wenn die Kinder schon so perfekt und Stilsicher wären müssten sie ja gar nicht zur Schule gehen. Ich musste mit meinem Sohn viele Gespräche führen bis er Korrekturen nicht mehr als persönliche Angriffe gewertet hat.
Es hilft meinem Kind nicht wenn ich ihm immer Recht gebe. Ich sage ihm schon: „Ich kann deinen Ärger verstehen“ denn das kann ich ja auch (so wie du in dem Fall), dann bin ich aber immer bemüht ihm nahe zu bringen dass Korrekturen an sich nichts negatives sind sondern dass er daraus lernen kann wenn er will. Erst Recht kann man das so vermitteln wenn die Arbeit auch noch mit einer so guten Note bewertet ist. Daran sieht man ja dass die Lehrerin nicht Fehler suchen möchte die zur Abwertung führen sondern dass sie zeigen möchte wie es stilistisch besser ist.
Kritikfähigkeit ist eine sehr wichtige Eigenschaft die ich meinem Kind unbedingt nahe bringen möchte. Es lebt sich viel gelassener wenn man kritikfähig ist.
Liebe Grüsse, AnnalenaO


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