Kind (2 Jahre): kein drehen, robben, sitzen

In dieser Rubrik könnt ihr euch über diverse Krankheitsbilder austauschen - z. B. Skoliose, Kyphose, Cerebralparese usw.

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anke505
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Beitragvon anke505 » 20.05.2018, 18:11

Hallo,

die Physiotherapeutin hat es so gemeint:

Kinder , die bis zum 2. Lebensjahr das freie Sitzen erlernen, werden mit größter
Wahrscheinlichkeit auch frei laufen.

Das heißt doch aber nicht, das es da doch Ausnahmen gibt.

Dafür gibt es hier im Forum viele Beispiele,

ich wollte niemandem die Hoffnung nehmen.

LG Anke

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melly210
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Beitragvon melly210 » 20.05.2018, 20:37

Wieso soll so eine Aussage kontraproduktiv sein ? Ich denke sie ist sehr beruhigend für alle Eltern deren Kinder zwar später als normal, aber eben bis um den 2. Geburtstag herum gesessen sind. Und für die Eltern deren Kinder das eben nicht können/konnten, ändert sich ja nichts. Das heißt ja nicht, daß ihre Kinder das sicher nicht lernen können, sondern nur, daß man es aktuell nicht sagen kann. Ich denke auch, daß das den meisten Eltern klar ist. Kaum jemand wird bei einem Kind daß mit 2 noch nicht frei sitzen kann sich 100%ig sicher sein, daß das Kind frei laufen lernen wird.

mariannna
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Beitragvon mariannna » 20.05.2018, 21:04

melly210 hat geschrieben:Und für die Eltern deren Kinder das eben nicht können/konnten, ändert sich ja nichts. Das heißt ja nicht, daß ihre Kinder das sicher nicht lernen können, sondern nur, daß man es aktuell nicht sagen kann.


Genau. Der Satz sagt nur etwas über Kinder aus, die bis zum 2. LJ sitzen können. Über die anderen macht er gar keine Aussage.


Ob der Satz an sich stimmt, vermag ich nicht zu beurteilen,(würde mich mal interessieren.)
Ich kann mir nämlich vorstellen, dass Kinder zwar sitzen können, aber aufgrund von Bein-/Fußproblemen trotzdem nicht zum freien Laufen kommen.


MfG, Marianna

Sinale
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Beitragvon Sinale » 20.05.2018, 21:11

Hallo,

SandraX hat geschrieben:Dem kann ich nur beipflichten: unsere Physiotherapeutin sagt maximal, das Kind hat Potenzial.
Wie sich dieses letztlich entfaltet, kann niemand wissen. ....


Sandra hatte den Beitrag gleichfalls so verstanden, wie ich ihn verstanden habe.

Ich denke, solche Aussagen, ob sie positiv im Sinne z. B. Ihr Kind wird frei sitzen können, oder negativ im Sinne von kaum / keinen Möglichkeiten gemeint sind, sind sehr kontraproduktiv, sie bringen Nichts, weder für die betroffenen Kinder, noch für deren Eltern. Physiotherapeuten können nicht durch die Glaskugel schauen und vorhersehen, was ein Kind können wird und was nicht, auch dann nicht, wenn es viel Erfahrung in diesem Bereich gibt. Ich finde es genau richtig, wenn gesagt wird das Kind hat Potenzial, denn Potenzial ist bei der Hirnentwicklung bei ICP vorhanden.
Viele Grüße
Sinale

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Beitragvon melly210 » 20.05.2018, 23:23

Doch ich finde schon. Den meisten Eltern ist es wichtig, sich ungefähr darauf einstellen zu können was auf sie zukommt. Sie empfinden es als sehr belastend, wenn ihnen niemand auch nur irgendwelche Anhaltspunkte geben will. Klar hat niemand eine Kristallkugel, klar gibt es nie Garantien. Aber eben schon Tendenzen die man sehen kann. Wenn ein Kind im Kleinkindalter das sitzen erlernt hat und jetzt keine gröberen Schäden an den Beinen und Co vorliegen, also wenn es quasi "nur" entwicklungsverzögert oder hypoton ist, kann man davon ausgehen, daß es genug Reife und Muskelfestigkeit erlangen wird um zu gehen. Gute Therapeuten sagen auch nicht "ich kann ihnen 100 % versprechen..." sonder nur "es ist davon auszugehen" oder "wahrscheinlich wird..." .

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Beitragvon anke505 » 20.05.2018, 23:54

Hallo melly,

ich sehe es genauso.

Als unser Sohn mit 14 Monaten nur robbte und nicht frei sitzen konnte, er nur als entwicklungsverzögert galt bei den Ärzten, wir auf Nachdruck ein MRT verlangten , da war die Diagnose periventrikuläre Leukomalazie im Raum.

Unser Neurologe sagte daraufhin ganz klar, wir müssen uns darauf einstellen, es gibt diese Fälle, dass unser Sohn vielleicht niemals frei laufen wird und das Zeitfenster dafür auch nicht ewig geöffnet ist, ich habe zitiert.

Das war ein Schlag, einen Monat später konnte unser Sohn frei sitzen , dann kam die Aussage der Voitatherapeutin , diese Aussage hat uns sehr beruhigt und sie hatte Recht.

Heute läuft unser Sohn zwar mit Orthese , ganz lange Strecken sind auch schwer, er läuft aber ohne große Auffälligkeiten und sehr flüssig.

LG Anke

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Beitragvon Sinale » 21.05.2018, 00:25

Hallo melly210,

meine Eltern haben dies ganz anders erlebt, ihnen wurde als ich zwei Jahre alt war gesagt, ich sei nicht bildungsfähig und sie müssten davon ausgehen, dass ich auch körperlich schwerstbehindert sei. Folge, davon war tatsächlich, dass ich als Kind teilweise selbst glaubte, geistig behindert zu sein, da sie mir dies vermittelten, da sie sehr ärztegläubig waren. Dies war in den Jahren vor -und nach meiner Geburt üblich. Die Ärzte waren Autoritäten und hatten somit recht.

Ich kenne aus heutiger Zeit auch gegenteilige Beispiele, wenn Eltern gesagt wird, ihr Kind wird sich trotz schwerer Geburt ganz normal entwickeln. Es werden dann von Seiten der Eltern hohe Erwartungen in das Kind gesetzt, die es später nicht erfüllen kann, da klar wird dass das Kind doch behindert ist.
Viele Grüße

Sinale



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Beitragvon Leela » 21.05.2018, 00:28

Hi,
kurz nach der Geburt meines Sohnes und nachdem wir schlimme Prognosen bekommen haben, habe ich im Forum rundumsbaby Dr. Rüdiger Posth (leider 2014 verstorben) eine Frage zur ENtwicklungsprognosen gestellt.
Obwohl man bei Hirnblutungen nicht viel sagen kann und mein Kind hatte zudem eine sehr seltene Hirnblutung, habe ich eine positive Antwort bekommen, die mir Hoffnung gegeben hat.
Es wäre alles viel schlimmer für mich gewesen - ohne seine Worte, ich bin ihm dafür sehr dankbar:

"Re: Thalamusblutung
Hallo, es tut mir leid, dass die Geburt Ihres Sohnes mit einer solchen Komplikation einhergegangen ist. Dabei ist die Prognose solcher peripartalen Hirnblutungen gar nicht so schlecht, wenn es sich um das Stadium I und II handelt. Das liegt daran, dass das Neugeborenengehirn noch sehr formbar, d.h. plastisch ist, und früh entstandene Defekte, je nach ihrer Größe, z.T. oder sogar ganz ausgeglichen werden können. Das hängt natürlich von ansonsten günstigen Voraussetzungen ab. Woher stammt die Lokalisation Thalamus? Sind ein CT oder ein MRT gemacht worden?
Zu den guten Voraussetzungen gehört es, frühzeitig, das heißt, sobald sich eine Bewegungsstörung abzeichnet, mit Säuglingskrankengymnastik anzufangen. Also eine genau Überwachnung der neurophysiologischen Entwicklung ist sehr wichtig. Meine Erfahrung ist, dass es oft überrascht, was an Normalität eines Tages doch bei diesen Kindern zu erreichen ist. Folgen und Progenosen, die sich aus solchen Blutungen bei Erwachsene ergeben, sind nicht einfach auf das Neugeborene zu übertragen. Denn hier geht ja in seiner Funktion fest definiertes Gewebe zugrunde. Viele Grüße

von Dr. Rüdiger Posth am 24.06.2013"

LG
Sohn geb. Juni 2013 (5 Wochen zu früh, nach vorz. Blasensprung), Hirnblutung.
leicht entwicklungsverzögert
V.a. NF1 (cal)

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Beitragvon r.bircher » 21.05.2018, 00:48

Hallo zusammen

Ich persönlich finde Prognosen auch eher Kontraproduktiv. Denn tatsache ist... das Leben ist ungewiss... für uns alle! Du weisst nicht was morgen ist. Das Leben kann sich jede Sekunde ins positive wie auch ins Negative ändern.

Ich glaube, dass man nur dann in der Lage ist, das Beste herauszuholen, wenn man auf sich verändernde situationen schnell reagieren kann. Dafür benötigt man aber offenheit für Neues. Prognosen alleine sind noch nicht schädlich, gefährlich wird es nur dann, wenn man eine Erwartungshaltung da rein implementiert. Sowol zu positive wie auch zu Negative Erwartungshaltungen sind kontraproduktiv.

Seit im im 2005 Krebs hatte, ist die akzeptanz der Ungewissheit für mich zum Königsweg geworden. Ich habe keine Ahnung was morgen passiert. Ich kann morgen mit dem Fahrrad einen tödlichen Unfall haben, und das wars, es könnte aber auch sein, dass ich morgen normal gehe, und sich mein gesamtes Leben verändert. Is bringt aber nichts, mich heute darüber verrückt zu machen.

Langzeitziele sind wichtig, auch ich habe die. Aber die Veränderungen passieren immer im jetzt. Ich hätte mir als Kind und Jugendlicher immer gewünscht, dass meine Eltern meine sportlichen ambitionen ernst nehmen. Doch für sie war das nicht möglich. Erstens, weil sie als Eltern absolut nichts mit Sport am Hut hatten, und zweitens, weil das doch überhaupt nicht zu einer Körperbehinderung passt. Sie hatten die feste Vorstellung, dass ich eine gute schulische Laufbahn brauche, um aus meinem Leben was zu machen. Genau das war aber nicht mein Weg.

Ja, Eure Kinder werden alles sein, nur nicht normal. Versucht das anders sein nicht nur zu akzeptieren, sondern gebt ihm eine Chance. Prognosen bremsen irgendwie immer. wenn sie zu negativ sind wird man leicht demotiviert, und wenn sie zu positiv sind, neigt man zu gnügsam zu sein, und hat dann auch das böse erwachen.

Als sportler habe ich gelernt, alle Spekulationen zu ignorieren. Step by Step richtung Ziel heisst die hohe Kunst des Erfolges, und dabei ist es doch eigentlich vollkommen etal was morgen oder übermorgen sein wird.

Gruss Raphael
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Beitragvon Sinale » 21.05.2018, 08:31

Hallo Raphael,

danke für deinen Beitrag! :wink:
Viele Grüße

Sinale



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