Probleme beim Pipi machen

Hier könnt ihr Fragen rund ums Thema Ernährung stellen. Usern, deren Kinder über eine Sonde ernährt werden, möchten wir hier ebenfalls eine kleine Austauschplattform bieten.

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Jules8312
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Probleme beim Pipi machen

Beitragvon Jules8312 » 16.04.2018, 16:15

Hallo,

ich war lange nicht online, aber aktuell haben wir ein Problem und vielleicht weiß hier jemand Rat :)
Meine Tochter kam ja mit Gaumenspalte zur Welt, es gab enorme Probleme mit dem Trinken (Sondenernährung) und sie hat dementsprechend immer wenig gegessen und getrunken.
Mit dreieinhalb ungefähr meinte sie morgens, sie wolle ihre Windel nicht mehr. Aufgrund der geringen Flüssigkeitsaufnahme war einen halben Tag alles gut, dann machte sie sich innerhalb kürzester Zeit zweimal nass und kotete auch noch ein. Im Anschluss wollte sie mehrere Monate nicht mal mehr ohne Windel vom Bad in ihr Zimmer - die Panik war zu groß.
In dem Alter hieß es (natürlich) von allen Seiten, dass sie das "dürfte", sie müsste nicht trocken sein etc. blabla. Das Ding ist, dass sie bereits zu diesem Zeitpunkt nachts trocken war, das ist sie seit zwei Jahren (sie ist jetzt fünfeinhalb).
Diese nächtliche Trockenheit führte allerdings auch dazu, dass sie derart viel Urin in der Blase ansammelte, dass keine Windel das morgens aushalten kann (ca. 400 ml). Ich begann also, sie zunächst mit wenig Erfolg morgens aufs Klo zu setzen. Teilweise dauerte es 15 Minuten, teilweise klappte es auch nicht, teilweise hielt sie den Urin bis Mittags und im letzten Herbst machte sie mal 24 Stunden kein Pipi, weshalb ich erneut mit dem Kinderarzt sprach und erneut um Hilfe bat (der hatte bis dato Blase und Nieren aber auch schon mehrmals geschallt, da war alles in Ordnung). Wir eierten dann mit Tabletten rum, von denen die ersten dazu führten, dass Pipi machen nur noch einmal am Tag klappte und die zweiten, dass sie mittlerweile morgens direkt Pipi machen kann, also keine 20 Minuten mehr sitzen muss (was ich wirklich nur aus kleidungstechnischen Gründen gemacht habe, weil sie halt immer überlief).
Ich habe jetzt ihre Psychologin mit ins Boot geholt, die natürlich unterstellt, ich sei das Problem oder das Kind würde heimlich aufs Klo gehen. Heute ist es dann für mich eskaliert, als sie mir nach der Stunde erzählte, das "Mysterium sei gelöst". Meine Kurze erzählte mir hinterher im Auto, sie hätte ihr gesagt, dass sie Unterhosen einfach nicht mögen würde. Nein, das ist nicht des Rätsels Lösung. Aktuell hat sie seit heute morgen um acht kein Pipi mehr gemacht (trotz Windel und trotz ich sie nach dieser unsäglichen Stunde aufs Klo gesetzt habe, weil sie nervös hin- und hertrippelte, was natürlich nicht von Erfolg gekrönt war, sondern dazu führte, dass mein Kind in Tränen ausbrach und mir sagte, sie wolle mich einfach nicht mehr sehen).
Achso, letzten Freitag waren wir in Folge einer Empfehlung bei einem Osteopathen, in den ich Hoffnung setze.

Lange Rede, kurzer Sinn (entschuldigt den Monolog, ich bin gerade total angespannt!), meine Tochter kann anscheinend Pipi aufhalten (beim Stuhl verhält es sich nicht anders), aber sie ist nicht in der Lage, ihn loszulassen (teilweise drückt sie auch den Urin unter Tränen heraus). Der Kinderarzt ist ratlos, die Psychologin anscheinend inkompetent und ich weiß nicht weiter, weil Abwarten anscheinend nicht die Lösung bringt. Kennt das jemand von euch und weiß evtl. eine mögliche Lösungsstrategie?

Liebe Grüße und vielen Dank fürs Lesen!
Julia

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phoebe87
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Beitragvon phoebe87 » 16.04.2018, 17:06

Hallo. Wart ihr mal in der Urologie ( Kh) vorstellig? Die blase lässt sich sehr gut dehnen aber das ist nicht mehr gesund.
Krümmel 10 /15...
Hypodysplastische Nieren, Chronische Niereninsuffizienz, Kleinwuchs, Gedeihstörung/Fütterstörung, Kombinierte Entwicklungsstörung ( Kognitiv +Sprache), ausgeprägter knick- senk- Fuß ( Gangstörung) Stillkind...
Großer Krümmel 06/13
Kombinierte Entwicklungsverzögerung- Verdacht ADHS

Jules8312
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Beitragvon Jules8312 » 16.04.2018, 17:13

Hallo phoebe87,

nein, bisher habe ich von einer Vorstellung bei der Urologie abgesehen. Der KiA meinte, dass sie auch da würde Urinproben abgeben müssen und da sie das nicht kann würde es evtl. auf eine eher unschöne Katheterisierung hinauslaufen, die ich ihr aufgrund der bisherigen Erfahrungen erstmal gerne ersparen würde ... zum Glück ist es bisher nicht zu einer Verdickung der Blasenwand oder einem Rückstau in die Nieren gekommen, da sind wir mit dem Arzt im Gespräch und er schaut auch immer wieder nach.
Wenn meine aktuellen Versuche nichts ergeben, dann wird das der nächste Schritt sein ...

Annemaries Mama
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Beitragvon Annemaries Mama » 16.04.2018, 17:55

Hallo,

vlt. könntet ihr mit dem Urologen vereinbaren, dass ihr einen Urinbecher mitnehmt bei der Terminvereinbarung und ihn im Vorfeld schon abgebt zur Untersuchung, wenn es mal geklappt hat.
LG Kerstin

mit Annemarie *2011 (ADS) und Konrad *2015

Jules8312
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Beitragvon Jules8312 » 16.04.2018, 20:51

Danke, Kerstin, für deinen Impuls. Das ist auf jeden Fall eine gute Idee, die ich mit Sicherheit verfolgen werde :)

kmotley
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Beitragvon kmotley » 16.04.2018, 21:32

Hallo, ich habe eine Freundin deren Kind genau das Problem hatte. Sie war sehr lange nicht in urologischer Behandlung, irgendwann hatte Sie dann derartige Nierenprobleme das Sie Wochenlang stationär war. Und zwar auf Intensiv. Genaueres weiß ich nicht mehr.

Auf alle Fälle war es eine Blasenspastik und der Urologe sagte sowas kann ganz üble Folgen haben und man muss unbedingt frühzeitig ran. Wenn man solange wartet wie meine Freundin ist das sehr Riskant. Am besten eine Uro in einer KInderuni/Uni vorstellen.

Jules8312
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Beitragvon Jules8312 » 16.04.2018, 21:57

Hallo kmotley,

vielen Dank für deinen Beitrag! Ich werde wohl morgen den Kinderarzt anrufen und noch einmal mit ihm sprechen bzw. ihn nach einer Adresse fragen. Das macht mir jetzt doch ein wenig Angst ...

Liebe Grüße
Julia

Anjali
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Beitragvon Anjali » 17.04.2018, 06:52

Hallo Julia,

in deinen ersten Forumsbeiträgen war von Wahrnehmungsproblemen deiner Tochter die Rede.
Haben die sich inzwischen „erledigt“?
Bewusstes und unbewusstes Einhalten von Urin und Kot kann auch in Zusammenhang mit Wahrnehmungsstörungen, (diffusen und konkreten) Ängsten, sensorischen Über- und Unterempfindlichkeiten stehen.
Falls die urologische Abklärung keine Erkenntnisse bringt, würde ich vielleicht mal in die oben genannten Richtungen abklären lassen.
Vielleicht auch einen Ergotherapeuten (z.B. bzgl. Wahrnehmung, sensorische Integration) um seine Einschätzung bitten.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (17 Jahre / Asperger-Autist)

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 17.04.2018, 07:37

Hallo Julia,

ich habe die gleiche Vermutung wie Anja. Junior war übrigens auch zuerst nachts trocken und sauber, viel später erst tagsüber. War auch keine körperliche, sondern eine psychische Frage.
Wir hatten einmal folgende Situation: Junior hatte zufällig mitangehört, wie ein Elternteil sich morgens an der Kiga-Tür recht emotional beschwerte, dass sein Kind beim Mittagessen nicht aufs Klo dürfe. Das hat er komplett auf sich bezogen, und verallgemeinert, und hat komplett eingehalten im Kiga. Am zweiten oder dritten Tag kam er mit Schweißperlen auf der Nase aus dem Taxi, und konnte dann auch nicht mehr pieseln, denn die Blase macht dicht, wenn sie zu voll ist (so, we man auch nicht mehr schlucken kann, wenn man den Mund sehr voll genommen hat). Das hat auch einen Namen, hab ich vergessen (Harnverschluss?) und ist schmerzhaft und sehr unangenehm. Wir mussten notfallmässig zum KiA und er bekam Tabletten, die die entsprechenden Muskeln entspannen, da lief es dann. Das ist aber keine Dauerlösung.
Wir und der Kiga haben ihm dann klargemacht, dass er wohl aufs Klo darf, jederzeit, es wurde darüber gesprochen, dass er etwas anders verstanden hat, und praktisch wieder geübt, aufs Klo zu gehen. Damit war es gsd durch, bei deiner Tochter sitzt das evtl schon tiefer, dauert dann länger es aufzulösen, aber das Prinzip ist das gleiche.

Mir scheint, das Problem ist ein psychisches, und wahrscheinlich auch eins der Wahrnehmung. Deine Tochter hat den „Unfall“ mit dem Einnässen/Einkoten so schwer genommen, dass sie jetzt einhält.
Vielleicht erklärst du ihr (am Beispiel Schlucken?), wieso die Blase nicht mehr gut funktioniert, wenn sie zu voll ist. Und auch sonst, wie das alles körperlich funktioniert, auf ihrem Niveau, und am besten mit Bildern, Vergleichen, Luftballons, ... Wenn man krumm sitzt, blockiert die Blase übrigens leichter, als wenn man grade sitzt, Füße abgestützt. Und Anspannung ist natürlich auch kontraproduktiv. Vielleicht kann man auch mit dem Vorstellungsvermögen arbeiten, oder mit Tricks, damit sie entspannen und loslassen kann.
Wenn dein Kind so gestrickt ist wie meins, nämlich extrem feinfühlig auf Stimmungen und Emotionen anderer, und zu Perfektionismus neigend, dann achte drauf, den eigenen Stress mit dem Thema runterzufahren, denn das überträgt sich massiv.

Die Psychologin scheint mit völlig ungeeignet, nicht nur für dieses Problem, sondern ingesamt für euch, weil sie die Denke deiner Tochter nicht versteht - während deine schlaue Tochter längst verstanden hat, was die Psychologin gerne hören möchte, was quasi in deren Schema passt.
Ich würde mir auch, wie Anja rät, eine gute (!) Ergotherapeutin suchen, die mit sensorischer Integration arbeitet, und deine Tochter ernst nimmt mit ihren Besonderheiten.


Nachtrag: kann sie es denn laufen lassen, wenn sie eine Windel anhat?
Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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AnnalenaO
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Beitragvon AnnalenaO » 17.04.2018, 16:02

Also wir hatten folgendes Problem. Mein Sohn war erstmal mit gut 3 Jahren Nachts trocken. Er hatte zwar eine Nachtwindel an, diese war aber 8 Wochen am Stück trocken geblieben. Also beschloss ich Höschenwindeln zu besorgen um das Thema trocken werden auch tagsüber anzugehen. Einer der größten Fehler meines Lebens denn kaum an riss mein Sohn sich dieses Windelhösschen wieder weg. Scheinbar war das für ihn so unangenehm zu tragen dass es nicht auszuhalten war. Und leider verweigerte er ab sofort dann jegliche Art von Windel, auch die alt bekannte :shock:
Mit so einem Effekt hatte ich wirklich nicht gerechnet. Kind hatte bis dahin noch nicht ein einziges Mal groß oder klein in ein Töpfchen oder die Toilette gemacht. Es folgten etwas unschöne Stunden mit dem hier schon beschriebenen Indianertänzchen weil er ja eigentlich pinkeln musste. Er hat sich auch mal aufs Töpfchen gesetzt, aber da kam nichts. Wie genau ich auf die Idee gekommen bin weiß ich nicht mehr genau, auf jeden Fall hab ich ihm die Hose, Socken und Unterhose ausgezogen und ihn in die Badewanne gestellt und erklärt dass er da Pipi machen könne, das läuft durch den Abfluss ab. Und das hat funktioniert!
Hier war also pinkeln im stehen die Lösung.
Bei uns bleib es eine ganze Weile dabei dass er nur 2 Mal am Tag Pipi machte, einmal morgens und einmal abends bei uns in der Badewanne. Scheinbar hat er von Natur aus eine große Blase, er war ja vorher auch schon Nachts trocken gewesen. Das große Geschäft verrichtete er eine ganze Weile lang nur so 2-3 Mal pro Woche und dann im Schlaf :shock: aber OHNE dabei zu pinkeln. Wirklich seltsam.
Irgendwann hatte sich das dann alles normalisiert, durch den ungewöhnlichen und abrupten Start des trocken werdens war das ganze halt etwas unkonventionell.
Weil du schreibst dein Kind drückt den Urin zum Teil unter Tränen raus: vielleicht ist ja auch bei ihr das stehen eine entspanntere Pinkelhaltung als im sitzen. Mein Sohn hatte es ja auch zu erst auf dem Töpfchen im sitzen versucht, da kam bei ihm auch nichts obwohl die Blase garantiert randvoll war zu dem Zeitpunkt.
Ich hab keine Ahnung ob dir das irgendwie weiterhilft, als ich deinen Beitrag gelesen habe musste ich aber spontan an diese Geschichte bei meinem Sohn denken.
Alles Gute, LG Annalena
Sohn 5/2009 Asperger Syndrom
Tochter 10/2012 Topfit


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