Suche nach App für Kleinkind-Gebärden

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Sprachverzögerung/Sprachstörung austauschen und Erfahrungen bezüglich UK (unterstützter Kommunikation) weitergeben. Logopäden dürfen natürlich auch gerne hier Tipps geben!

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Leopoldine2107
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Suche nach App für Kleinkind-Gebärden

Beitragvon Leopoldine2107 » 05.04.2018, 00:00

Hallo ihr Lieben,
unsere Physiotherapeutin meinte heute, ich soll mit meinem Kleinen unterstützend Gebärden verwenden, da er in der sprachlichen Enwticklung noch weit zurück ist.
Eine andere Mama, die mit einem Kind mit Down-Syndrom bei ihr ist, hat von einer tollen App erzählt, mit der ich die Gebärden lernen könnte.

Ich dachte, ich finde da schon das Richtige im AppStore, bin jetzt aber sehr unsicher, da die Apps kostenpflichtig sind und ich nur Geld ausgeben will, wenn es auch sinnvoll ist.

Wisst ihr, welche App empfehlenswert ist, damit ich als Neuling richtig einsteigen kann?

Ich wäre über Tipps sehr dankbar!
Liebe Grüße
Leopoldine
Kleiner Sonnenschein 07/16 Mikrozephalie, Globale Entwicklungsverzögerung, seltene Mikroduplikation auf Chromosom 5

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 05.04.2018, 01:45

Hallo Leopoldine,

da gibt es mehrere Apps. (Ich kenne mich mit Gebärden leider gar nicht aus) Wenn du den offiziellen Weg über eine UK-Beratungsstelle oder eine UK-kundige Logo (oder andere Therapeutin) gehst, dann bezahlt die Krankenkasse die App, und du bekommst begleitend auch professionelle Unterstützung bei der Untersttüzten Kommunikation insgesamt.
Vielleicht ist es gut, mit der von dir erwähnten Mama Kontakt aufzunehmen, denn sie kennt vielleicht jemand vor Ort, der dafür geeignet ist. Und sie hat vielleicht auch sonst noch gute Tipps.

Edit: Ich lese grade erst, du bist aus Wien, nimm doch Kontakt zu Livetool auf, und hole dir eine UK-Beratung dort. https://www.lifetool.at/startseite/

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
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Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 05.04.2018, 09:52

Die App heißt "Spreadthesign" und man kann damit viele geläufige Wörter in etliche Gebärdensprachen übersetzen lassen. Ist nicht speziell für Kleinkindgebärden, aber die Wörter findet man genauso. Diese App ist kostenlos.

Bei lifetool kann man dich bezüglich UK beraten, da kennt sich niemand mit Gebärdensprache aus (mir kommt auch vor, dass man dem dort generell ablehnend gegenüber steht - ist aber nur ein Gefühl).

Kinderkurse ind Gebärdensprache (ÖGS) gibt es (in Wien) beim Verein "Kinderhände", da bekommt man gleich ein Passwort mit, womit man die aktuell im Kurs vermittelten Kleinkinder-Gebärden von deren Homepage abrufen kann.

Wenn du Fragen hast gerne (auch per PN), ich wohne auch in Wien und praktiziere mit meinem gehörlosen, autistischen Sohn schon seit Jahren ÖGS :wink: .
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
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dana11
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Beitragvon dana11 » 05.04.2018, 15:40

Hallo Leopoldine,

in den Einrichtungen in Süddeutschland werden sowohl in den Kindergärten als auch den Schulen die "Schau doch meine Hände an!" -Gebärden als lautsprachbegleitende Gebärden (sog. gebärdenunterstützte Kommunikation-GUK) eingesetzt.
Dazu gibt es auch eine gute App

Deutsche Gebärdensammlung zur Gebärden-unterstützenden Kommunikation (GuK) basierend auf dem Buch- und DVD-Projekt "www.schau-doch-meine-haende-an.de" des Bundesverband evangelische Behindertenhilfe e.V.
20 alltägliche Kategorien wie z.B. Sport, Bekleidung, Arbeit etc.
- über 2000 Begriffe/Synonyme
- ca. 1000 Abbildungen
- über 1200 Videos
- Fingeralphabet

Liebe Grüße,

Dana
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Dana mit Matti (*August 2012, hypoton, globale Entwicklungsverzögerung , PPP2R5D: Jordans-Syndrom, GdB 100)

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Beitragvon Sheila0505 » 05.04.2018, 16:36

Hi, also wir nutzen GUK und ich hatte GUK1 und GUK2 privat gekauft. Wir kommen aus Bayern und bei uns nutzen die Einrichtungen „Schau doch meine Hände an“.
Hatte mir schon ein paar kostenlose Apps runtergeladen und durch Danas Input die App von „Schau doch meine Hände an“ (unter 20 €)
Habe jetzt mit dem Kleinen drin gestöbert und finde sie echt gut für unterwegs. Also mich reut das Geld jetzt überhaupt nicht, die App ist übersichtlich und gut strukturiert.
Viele Wörter die uns gefehlt haben sind enthalten.

Lg

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Beitragvon Lisaneu » 05.04.2018, 17:48

Nur zur Info - GUK ist was anderes als Gebärdensprache. Bei GUK wird Lautsprache gebärdenUNTERSTÜTZT. Das ist bei normal hörenden Kindern, wo noch eine gute Lautsprachentwicklung (wenn auch ev. verspätet) zu erwarten ist, sicher auch eine Möglichkeit.

Nachteil von GUK ist, dass es nur ein sehr begrenztes Vokabular gibt. Dagegen kann man mit Gebärdensprache (in Österreich ÖGS, in Deutschland DGS) auch abstraktere Sachen ausdrücken und sich mit allen kompetenten Personen barrierefrei verständigen

Am besten du fragst deine Physiotherapeutin, was für Gebärden sie mit ihrer Emfehlung meint. Die Gebärden der App Spreadthesign sind (wenn man die österreichische Flagge auswählt) in ÖGS.

Baby Sign Language ist wieder was anderes (Ursprung in amerikanischer Gebärdensprache) würde ich nicht empfehlen, wegen sehr begrenztem Vokabular.

Jedenfalls solltest du dich für eines (am ehesten ÖGS oder eben GUK) entscheiden, und nichts vermischen. Achtung bei Lern-Videos im Netz - die sind meistens in DGS!

Beim Verein "Kinderhände" kannst du z.B. eine nette DVD mit 100 Kinder- Basisgebärden in ÖGS käuflich erwerben. In schriftlicher Form (mit netten Bildchem) kann man beim ÖGLB ein "Gebärdenbuch für Kinder" bestellen.

Für selbst-ÖGS-lernen gibt's Kurse beim WITAF und im EQUALIZENT. Beim ÖGLB kann man auch eine DVD mit nach Themen geordneten Basis-Wortschatz bestellen.

Meine Tipps hier betreffen nur ÖGS, weil das eben UNSER weg war und ist. Was GUK betrifft kommen sicher auch noch Tipps von Leuten, die das praktizieren :wink: !
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Inga
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Beitragvon Inga » 05.04.2018, 19:38

Hallo Leopoldine!

Schau mal, welche Kitas / Schulen es in eurem Umkreis gibt und wo du denkst, dass dein Kind evtl. da hin gehen wird. Da würde ich fragen, ob und wenn ja, welche Gebärden genutzt werden. Bei uns nutzt die Förderschule unterstützend Gebärden, da macht es für uns Sinn, bei Joshua die gleichen Gebärden zu nutzen, da er sehr sicher dort später zur Schule gehen wird.

Gruß, Inga
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Betreuer von Danielo '96 und Steven '98

Unsere Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic2393.html
Unsere Galerie: http://www.REHAkids.de/phpBB2/album_per ... er_id=1278

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Beitragvon Leopoldine2107 » 07.04.2018, 13:04

Vielen lieben Dank für eure Antworten!

Puh, das ist für mich als Unwissende ganz schön viel Information!
Prinzipiell glaube ich, dass GUK ganz gut für meine Sohn wäre, weil er hören kann und man durch die Entwicklungsverzögerung auch noch davon ausgeht, dass eine normale Sprachentwicklung stattfinden wird/kann.

ABER da der Gendefekt so selten ist, muss ich auch im Kopf behalten, dass alles möglich ist - auch dass er keine Sprache lernen wird. Von daher wäre meine Überlegung wiederum, gleich mit der österreichischen Gebärdensprache zu beginnen - für den Fall der Fälle.

Wieso um Himmels Willen gibt es überhaupt Unterschiede zwischen der österreichischen und deutschen GS?

Mein Ursprungsplan, einfach mal mithilfe einer App mit ein paar Gebärden zu beginne, ist also doch nicht so leicht :lol:
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Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 07.04.2018, 17:58

Gebärdensprachen sind natürlich "gewachsene" Sprachen. Da ist nicht ein kluger hörender Mensch gekommen um damit den Gehörlosen zur Kommunikation zu verhelfen, die Sprachen haben sich vielmehr dort entwickelt, wo es mindestens zwei Gehörlose gab, die kommunzieren wollten. Daher sind auch die "Sprachgrenzen" (also ab wann geografisch eine andere Sprache verwendet wird) unabhängig von den Lautsprachen.

Es gibt auch eine internationale Gebärdensprache, aber die ist bei Gehörlosen genauso "beliebt" wie Esperanto unter den Hörenden.

Bei der app "spreadthesign" kannst du übrigens das jeweilige Länderflagge aussuchen und brauchst dann nur das jeweilige Wort eintippen - schon wird es in der gewünschten Gebärdensprache angezeigt. Für GUK kenne ich keine App.

Weißt du schon, wo drin Sohn den Kindrrgarten besuchen wird? Wenn dort Gebärden verwendet werden, sind es vermutlich entweder ÖGS oder GUK Gebärden. Dann würde ich dasselbe für daheim verwenden.
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Beitragvon Leopoldine2107 » 07.04.2018, 19:48

Liebe Lisaneu,
Vielen Dank für die Erklärung!
Dann sind die Unterschiede für mich nachvollziehbar :-)

Nein, ich habe leider noch überhaupt keine Ahnung, welche Kindergärten überhaupt in Frage kommen! Ich bleibe jetzt noch ein Schuljahr unbezahlt in Karenz und werde mich in der Zeit versuchen schlau zu machen, welche Angebote es gibt und wo mein Sohn am besten aufgehoben ist.

Lieben Dank!
Leopoldine
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