Gebärdensprache als Angebot? Wo in Berlin?

Hier könnt ihr euch über Hör- und Sehbehinderung austauschen.

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Petrovna
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Gebärdensprache als Angebot? Wo in Berlin?

Beitragvon Petrovna » 21.03.2018, 12:30

Hallo,

ich habe ja schon mal geschrieben über meinen Sohn und seine neuen Hörgeräte. Es ist jetzt so, dass er sie nur im Kindergarten trägt, zu Hause nicht. Wir lassen ihn jetzt. Es funktioniert für uns erstmal. Seine Sprachentwicklung ist gut (verzögert, aber kommt seit einem halben Jahr), seine Aussprache halt undeutlich. Gut, das wollte ich gar nicht groß erzählen, sondern etwas fragen: Wir haben zwischenzeitlich erfahren, dass seine mittelgradige Schwerhörigkeit wahrscheinlich progredient sein soll. Das Thema ist für mich sowieso superschwer, jetzt hatte ich zwischenzeitlich echt Panik. Es wurde auch schon CI in der Zukunft angesprochen etc.etc. Das ist alles weit weg, ist klar. Und unklar, ob es wirklich so kommen wird. Trotzdem - ein Gedanke, der mich irgendwie beruhigt hat, ich würde ihm gerne DGS als Alternative anbieten. Für den Fall, dass das wirklich alles so eintrifft, wie gesagt wird, für den Fall, dass er irgendwann keine Technik (zeitweise oder immer) mehr akzeptiert, dass er sich einfach später entscheiden kann, was ihm angenehmer ist. Ich habe das auch in der Hörberatungsstelle direkt angesprochen und wurde ziemlich abgebügelt, dass wir ja eine hörende Familie sind usw. Ja. Wir sprechen ja auch mit ihm! Er spricht total gerne und viel, das möchte ich ihm auch nicht nehmen. Ich suche halt eine ungezwungene Möglichkeit, dass wir das zusammen lernen oder er andere Kinder kennenlernen kann, die gebärden. Ich habe ihm schon das Alphabet gezeigt und es macht ihm viel Spaß, also warum nicht? Oder übertreibe ich? In jedem Fall finde ich nichts online, was so richtig zu uns passt. Bin ich die einzige, die mit einem schwerhörigen Kind Gebärdensprache lernen würde? Was denkt ihr oder was habt ihr für Erfahrungen?

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Kaja
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Beitragvon Kaja » 21.03.2018, 13:02

Hallo,

unabhängig von Kursen köönt ihr den Einstieg in die Gebärdensprache durch "Tommys Gebärdenwelt"

https://www.kestner.de/n/verlag/produkt ... ehrung.htm

finden. Kurse in Berlin bietet u.a. "unerhört e.V.

http://www.unerhoert-berlin.org/index.php?id=13

an. Man kann auch über die Eingliederungshilfe Hausgebärdenkurse finanziert bekommen.

Viele Grüße Kaja

Petrovna
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Beitragvon Petrovna » 22.03.2018, 09:34

Danke, ja, von Tommys Gebärdenwelt hab ich auch schon gelesen. Vielleicht ist das was!

AgnesH
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Beitragvon AgnesH » 22.03.2018, 09:51

In Berlin gibt es auch verschiedene Gebärdensprachschulen:

Gebärdenservice, Gebärdenfabrik, Yomma.

Ich würde unbedingt darauf achten, dass der Dozent selbst gehörlos ist.

Bundeselternverband gehörloser Kinder e. V. wäre auch eine gute Anlaufstelle

Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 22.03.2018, 19:20

Ich habe einen gehörlosen Sohn, der mit 20 Monaten beidseitig CIs bekam, aber (vermutlich autismusbedingt) seine "Horchis" ablehnt. Für uns ist Gebärdensprache die einzige Möglichkeit zur Kommunikation. Ich besuche gerade aktuell meinen 7. ÖGS-Kurs (da wir in Österreich wohnen).

Ich würde (wie AgnesH) auf jeden Fall einen Kurs mit gehörlosem Lehrer empfehlen. Wenn es euch gefällt und ihr dabei bleiben wollt, dockt auch bei diversen Gehörlosenvereinen an. Wenn man da mal im Verteiler ist bekommt man Infos zu allen möglichen gebärdensprachigen Veranstaltungen und Treffen. Ich war mit Alexander schon bei mehreren mehrtägigen Gehörlosentreffen und auch bei Nikolofeier, Faschingsfest, usw.

Bei DGS habt ihr eine Menge mehr Möglichkeiten als wir in Österreich. Auch, wenn du einen regulären Kurs besuchst, findest du im www etliche Möglichkeiten zum üben. Bei ÖGS ist das deutlich schwieriger.

Als app kann ich noch "spreadthesign" empfehlen. Die app ist kostenlos und man kann ein beliebiges Wort reinschreiben und sich dann in eine beliebige Gebärdensprache übersetzen lassen (ÖGS, DGS, ASL, aber auch türkische, brasilianische oder schwedische Gebärdensprache) :D .

In unserem Fall unerläßlich, weil Sohnemann gerade lesen lernt und immer wieder Wörter in ÖGS übersetzt haben will, wo ich die Gebärden noch nicht kenne. Was, bitteschön, heißt "Lederreinigung" oder wie ist die Gebärde für "Zutaten"?

Ich finde toll, wenn jemand einem schwerhörigen Kind auch die Welt der Gebärdensprache eröffnen will. Die Gehörlosenkultur ist schon faszinierend, aber auch etwas, auf das man sich aktiv "einlassen" muß. Ein paar Einzelgebärden sind schnell erlernt und auch oft logisch leicht zu merken.

Aber um ÖGS oder DGS auf einem höheren Niveau zu lernen, muss man (also Erwachsener) wirklich büffeln, wie in der Schule beim Fremdsprachen-lernen. Die Grammatik ist anders als in der deutschen Lautsprache, Vergangenheitsformen sind mMN teilweise schwierig, Inkorporation habe ich vorher gar nicht gekannt und Vokabel-büffeln ist auch immer wieder mal angesagt. Für Kinder im Vorschulalter ist es natürlich noch einfacher, weil sie Sprachen natürlich, nicht analytisch lernen. Aber dazu bräuchte dein Sohn regelmäßig Kontakt zu Muttersprachlern (daher auch der Tipp mit Gehörlosenveranstaltungen für Kinder). Du als hörende Gebärdensprach-Anfängerin wirst ihm diese faszinierende Sprache nicht allein gut genug vermitteln können.

Wenn du noch Fragen hast, gerne per PN! Alles Gute :wink: !
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

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Beitragvon Petrovna » 24.03.2018, 16:43

Vielen Dank für eure Rückmeldungen! Ja, das denke ich mir eben auch, dass ich das alleine nicht schaffen kann, sondern wir wirklich irgendwo reinrutschen müssen, wo auch andere Kinder sind, sodass es für meinen Sohn einfach eine "normale" Sprache wird. Ich hab jetzt aber einen Termin bei unerhört, mal sehen. Die App auch eine gute Idee!


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