GUK- kann man einfach unterstützend anfangen?

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Sprachverzögerung/Sprachstörung austauschen und Erfahrungen bezüglich UK (unterstützter Kommunikation) weitergeben. Logopäden dürfen natürlich auch gerne hier Tipps geben!

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LovisAnnaLarsMama
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GUK- kann man einfach unterstützend anfangen?

Beitragvon LovisAnnaLarsMama » 23.11.2017, 13:09

Hallo,
ich bräuchte noch einmal Unterstützung für meinen Kleinsten:
Er ist jetzt zwei Jahre alt, hat einen Hirnschaden durch Asphyxie und dadurch eine leichte Hemiparese. Er hatte lange Zeit Probleme mit festem Essen, das wird scheinbar aber besser. Inzwischen isst er auch einmal etwas Brot oder versucht Gemüse, ohne alles wieder auszuspucken. Von der Motorik her entwickelt er sich gerade gut, kognitiv eigentlich auch: er hat gestern das erste Mal sein Holzpuzzle mit 9 Teilen fast ohne Hilfe gelöst. Er sammelt z.B. die Schmutzwäsche seiner Geschwister ein und schmeisst sie in den Sammelbehälter, räumt selbstständig Abfall in die entsprechende Behälter, kann im Kindergarten aufräumen...
Sprachlich hat er allerdings Probleme: er brabbelt sehr viel mit "Da" und "mam" vor sich hin, wenn er etwas will, sagt er aber nur "Da das" und zeigt was er will. "Mama", "Baba" bzw."Papa" geht auch, ansonsten schnalzt er mit der Zunge für Pferd oder macht "Brumm" und Heulgeräusche beim Autospielen. Wenn man versucht ihn zum Nachsprechen zu animieren, kommt aber keine Antwort. Er hat einmal versucht Auto, Brille, Miau und die Namen seiner Geschwister zu sagen, allerdings fehlt mir dabei die Wiederholung. Er konnte auch "Badn" (Baden) sagen, das tut er aber auch nicht mehr. Beim Betrachten eines Bilderbuches ist mir gestern aufgefallen, daß er einige Worte nicht dem Bild zuordnen kann und auf etwas falsches zeigt, obwohl wir diese Bücher relativ oft betrachtet und benannt haben. Wo dran liegt das? Ich dachte bisher, er hätte ein Problem mit der Mundmotorik aber scheinbar kann er sich einige Worte nicht merken, oder muss das Gehör überprüft werden? Mit leisen Lauten hat er noch nicht wirklich experimentiert, mit lauten allerdings sehr ausgiebig. Bisher war ich davon ausgegangen, dass er ganz gut hört.
Heute habe ich getestet, ob er mit Gesten besser klarkommt und die hat er sofort mit der Hand wiederholt. Macht es Sinn, jetzt noch mit GUK anzufangen? Kann man das einfach anhand von Bilderbüchern fördern? Wir haben leider erst im neuen Jahr Termine zur Logopädie und Entwicklungsdiagnostik und ich würde ihm gerne helfen, besser kommunizieren zu können. Wie sind eure Erfahrungen? Kann ich als Laie dabei irgendetwas falsch machen?
Lg LovisAnnaLarsMama
Meine drei kleinen Wunder: Wunderkind (2009), Schneckenkind (2011) und der kleine Bruder (2015): Hemiparese, expressive Sprachenwicklungsstörung, Epilepsie und diverse Baustellen nach Asphyxie/Frühgeburt

HollysAnne
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Beitragvon HollysAnne » 23.11.2017, 15:48

Hallo LovisAnnaLarsMama,

ich würde an deiner Stelle nicht einfach mit GUK anfangen. Es sei denn, du hast das Material. Es ist nämlich besser, wenn alle die gleichen Gebärden benutzen, sonst kommt ihr alle durcheinander.
Schaden wird es jedenfalls nicht. Ich denke, das ist nicht schlimm, wenn ihr "jetzt erst" damit anfangt.

Und ja, es könnte schon sein, dass sein Gehör mal getestet werden sollte. Was genau sein Problem ist, lässt sich von hier aus nicht sagen. Hört er die Worte nicht richtig oder versteht er die Bedeutung der Worte nicht ? Beschreibe mal dem KA deine Sorge.

Vielleicht kannst du ja mal mit ihm mit leisen Geräuschen experimentieren, wenn er es von selbst nicht macht. Lass z.B. das Handy unter der Bettdecke klingeln und er soll es suchen.
Nachsprechen lassen ist eher nicht so schön. Das mag keiner, auch Kinder nicht. Stell ihm lieber Fragen: Was möchtest du essen ? Wer sitzt auf dem Stuhl ?

Bis zum neuen Jahr ist es zum Glück nicht mehr so lange.
LG Anne
Anne (*83, Logopädin) mit Holly (*3/2012) Abszess zerstörte 2. HW, heute Dystrophie, beinbetonte Spastik, Skoliose,u.v.m. Fröhliche Rollipilotin und meine größte kleine Heldin, Labertasche und Dramaqueen :)
There are still faint glimmers of civilisation in this barbaric slaughterhouse that was once called humanity.

Valentin2014
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Beitragvon Valentin2014 » 23.11.2017, 17:02

Hallo,

nach welcher "Gebärden-Sprache" wird im Kindergarten kommuniziert?
Unser Kita arbeitet mit der "DGS" (dt Gebärden Sprache ), die wir zu Hause auch anwenden.

Bilderbücher anschauen, Tierlaute nachahmen, zeigen lassen wo was ist, die Entscheidung gefallen ist, welche "Sprache " es sein wird.

Lg Valentins Eltern

Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 24.11.2017, 16:34

Ich werde nicht ganz schlau, womit du anfangen willst. GUK ist ja gebärdenunterstützte Kommunikation, damit werden EINIGE Eltemente der Sprache zusätzlich gebärdet. GUK ist hauptsächlich für Menschen mit geistiger Behinderung geschaffen, während Gebärdensprache (z.B. DGS oder ÖGS) in erster Linie von Menschen mit Hörschädigung verwendet werden.

GUK unterstützt die Sprachentwicklung, ist aber selbst keine Sprache. Komplizierter Dinge kann man mit GUK nicht ausdrücken. Das soll jetzt nicht gegen GUK sprechen, aber um das anzuwenden solltest du erst mal klarstellen, dass dein Sohn gut hört. GUK hat so lange Bedeutung, bis das Kind imstande ist, (laut-)sprachlich zu kommunizieren.

Sollte dein Sohn NICHT gut hören würde ich eher eine Gebärdensprache anbieten und nicht GUK. Der Vorteil ist, dass man damit so ziemlich alles ausdrücken kann und dass eine vollwertige Kommunikation möglich ist. Gebärdensprache hat eine eigene Grammatik und auch Wörter, die es bei GUK nicht "gibt" können damit dargestellt werden.

Natürlich wird dein 2jähriger nicht plötzlich grammatikalisch korrekt gebärden können und das muss er auch nicht. Es gibt Kinder-Gebärdensprachkurse, wo die wichtigsten Gebärden spielerisch gelernt werden und es gibt jede Menge DVDs, Videos, usw. wo sie erklärt werden und (im Falle von DGS) z.B. das Buch "Tommys Gebärdenwelt" zum nachschlagen.

Das Gehör testen lassen kannst zu z.B. in Krankenhäusern mit logopädischer Abteilung bei einem Spiel-Audiogramm. Das verstehen selbst kleine Kinder. Mein gehörloser, autistischer Sohn hatte sein erstes Spiel-Audio mit ca. 2 Jahren und hat begeistert mitgemacht. Dabei ist das Kind in einem speziellen Raum (du darfst dabei sein) und die Logopädin gibt verschiedene Geräusche bzw. Töne über ein PC-Tastatur ein, die mal von links, mal von rechts kommen. Sobald das Kind was gehört hat, darf es einen Stecker ins Steckspiel stecken oder eine Kugel in eine Schüssel werfen.

Es gibt natürlich auch noch andere Hörtests (z.B. Bera) und es kann auch so ein Test notwendig sein, falls das Spiel-Audio nicht aussagekräftig genug sein sollte oder falls es dem Logopäden/der Logopädin sinnvoll erscheint.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)


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