Ö: Freiheitsbeschränkung oder Sicherheit fürs Kind

Zum Teil unterscheiden sich die rechtlichen und organisatorischen Strukturen zwischen Deutschland und den verschiedenen Nachbarländern erheblich. Hier in dieser Rubrik sammeln wir alle landesspezifischen Infos.

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mamaJohnny
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Ö: Freiheitsbeschränkung oder Sicherheit fürs Kind

Beitragvon mamaJohnny » 13.07.2017, 09:02

Folgende Situation: Ich bin mit Johnny zm 3. Mal in der Reha Klinik in Bad Radkersburg gewesen. Wieder gab es KEIN geeignetes Pflegebett für ihn. Er ist inzwischen teilmobil - soll heißen er kann knien, sitzen, sich hochziehen und aufsetzen. Mir wurde seitens der Klinik vorgeschlagen, wir können doch am Boden schlafen oder mit Niederflurbett und Sturzmatten arbeiten. Johnny rollt aber auch quer durchs Zimmer bzw. überwindet auch schon mal Höhen von Bett zu Bett. Er hat aber kein Gefahrenbewußtsein und stürzt durch seine Hypotonie plötzlich oder fällt einfach um.
Normale Gitterbetten 140x70 sind zu klein.
Bodenpflege/Schlafen in einer Klinik mach ich nicht.
Die Klinik hat und will keine geeigneten Kinderpflegebetten(Savi, Kayser..)
Zuständig in Ö ist immer die Bewohnervertretung.
Die konnten/wollten mir aber nicht weiterhelfen. Ich soll im Herbst nochmals mit J. hinfahren und schauen ob sich die Situation "gebessert" hat - sonst kann man mit einem richterlichen Beschluß arbeiten.
Beim richterlichen Beschluß würde aber vielleicht "Bodenpflege" als gelindes Mittel der Freiheitsbeschränkung herauskommen.
Die Klinik behauptet, ich wäre die 1. Mutter, die damit ein Problem hat. Das stimmt nicht!
Wer kennt die Problematik in Österreich? Was habt ihr bisher gemacht?
Wie ist die Situation in Deutschland?

Ich bin heilfroh darüber, dass Menschen nicht mehr 24/7 wie in einem Käfig gehalten werden dürfen. Aber wenn ich nichtmal duschen kann, weil sich mein Kind verletzen würde - hört der Spaß auf.
Glaubt mir ich hab mich bis zum Gesundheitsministerium und quer durch die Bewohnervertretungen telefoniert. Keiner ist da zuständig, nichts wird gemacht. Die Reha in Bad Rad. ist super!!! aber wenn die Bettensituation für Johnny nicht gelöst werden kann, werde ich die Therapien dort nicht mehr machen können. Johnny ist jetzt 110cm bei 15kg....

lg mamaJohnny
Johnny Lauserspatzi 051213, 60cm 4826g, Asphyxie, hypoton, Gaumenspalte innen OP April 15, Kraniosynostose OP Juni 14, genet. Abber. 3. u. 9. Chr.

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Bastelia
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Beitragvon Bastelia » 15.07.2017, 21:40

Hallo,

Ich kann dir leider nicht wirklich helfen - aber es stimmt schon was du sagst!
Wir waren ja auch schon dort- für meinen Sohn (ganz andere Baustellen als bei euch) "bestell" ich immer das Niederflurbett und diese Gitter sind ja wirklich nur ein Rausfallschutz - also wenn er sich in der Nacht hin- und herwälzt, damit er eben nicht am Boden fällt! Aber mehr ist das auch schon nicht, also kein sicherer Bereich, wenn das Kind sitzt oder kniet oder gar aufsteht!
Wir brauchen es ja wirklich nur als Schlaf- Rausfallschutz (übrigens hat mir die Schwester erklärt, dass ein Halbgitter zumindest offen bleiben MUSS, sonst ist es Freiheitsbeschränkung und das muss dann gleich vermerkt werden...)!
Aber ich kann mir wirklich beim besten Willen nicht vorstellen, dass ihr die Einzigen seid, die da ein richtiges Pflegebett brauchen!
Wie ist das denn in der Kids- Chance drüben - gibt es dort solche auch nicht?
Und was heißt bitte - Bodenpflege/Schlafen am Boden???? :shock:

Wir sind übrigens auch wieder im Herbst dort! :-)

LIebe Grüße
Bastelia mit Sohn (geb. Mai 2011) , kombinierte Entwicklungsstörung, myoklonische Epilepsie (erkannt Jänner 2015) und seit 2017: Störung des Knochenstoffwechsels - idiopathische Osteoporose
Tochter (geb. August 2015)

sophied
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Beitragvon sophied » 15.07.2017, 23:32

Hallo,

Leider haben die Schwestern recht. In Österreich darf eine Freiheitseinschränkung nur bei Eigen- oder Fremdgefährdung gemacht werden. (Diese würde ja durch das Verletzungsrisiko vorliegen) und sie muss im Vorhinein von der Patientenvertretung bewilligt werden. (Außnahme ganz was akutes auf der Psychiatrie, das ist nicht der Fall). Die Patientenvertretung muss es auch alle paar Tage bei prüfen und genau beschreiben. Die Schwestern müssen alles genau dokumentieren und eigentlich darf man dann den Patienten nicht alleine lassen.
Ganze Gitter sind mitlerweile auch verboten, denn die Hitzer dürfen nur als Rausfallschutz dienen und es muss sichergestellt werden, dass der Patient selbstständig von einer Seite das Bett verlassen kann.
Diese Decken, was das Rausfallen verhindern sind auch nur mit Zustimmung der Patientenvertretung genehmigt.

Leider hat man beim erstellen der Regeln nicht an Beeinträchtigte Menschen gedacht. Wir hatten da auf der Alkoholentzigsstation regelmäßig große Probleme und haben dann zum Teil 3 Sitzwachen pro Nacht gebraucht.

Ich wundere mich nur, wesshakb es kein geeignetes Pflegebett gibt. Es sei denn die Rehaklinik Bad Radkersburg fällt unter ein Krankenhaus und muss sich auch an genau diese Patientenrechte halten. Dann kann ich mir durchaus vorstellen dass diese Pflegebetten verboten sind.

Am Biden mit einer Matratze zu schlafen geht aber dann aus Hygienischen Gründen genauso wenig, ist nämlich auch verboten 😉
Sonnst probiert es mal bei der Patientenanwaltschaft, vielleicht kann euch die helfen.

Liebe Grüße Sophied
Still Syndrom mit neurologischen Komplikationen:
- Epilepsie, Polyneuropathie, Tetraparese, Dysphagie, hochgradige Sehbehinderung und Hörbehinderung neuerogene Blase und Darm, Osteoporose, Atemmuskelschwäche
POTS, zentrales Schlafapnoesyndrom;
HB und HSB mit autistischen Zügen, zahlreiche Allergien und andere Kleinigkeiten

mamaJohnny
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Beitragvon mamaJohnny » 17.07.2017, 10:18

Hallo,

In BAD RAD. gibt es einerseits die Reha in der Marie Theresien Klinik und dann eben
die Kids Chance. Die Kids Chance ist an den Radkersburger Hof(4* Hotel) angebunden. In beiden Einrichtungen gibt es KEINE KINDERPFLEGEBETTEN. Dh. selbst wenn ich einen richterlichen Beschluß hätte, der mir erlauben würde für mein Kind so ein Bett für einen gewissen Zeitraum zu verwenden - das Bett gibt es nicht.
Die Bewohnervertretung kann ja der Klinik nicht vorschreiben, was die zu kaufen hätten. Die Klinikleitung sagt, dass die Betten zu teuer und zu groß/sperrig sind.
Als Mutter muss man aber unterschreiben, dass man im Zimmer die volle alleinige Verantwortung für das Kind hat. Das mit den Seitengittern hab ich auch gehört von der Schwester.... naja, Johnny hat sich einfach aufgekniet und ihr mal gezeigt wie er das mit dem "rausfallen" macht...

und ja: mir wurde mehrfach gesagt, ich soll doch mit dem Kind am Boden schlafen und ihn auch am Boden pflegen....und ich könnte ihn ja in die Dusche mitnehmen, also im Kinderwagen anschnallen. Bodenpflege ist in Österreich nicht verboten, sondern "das gelinde Mittel der Freiheitsbeschränkung" und gelebte Praxis.

Ich brauch mehr Familien mit dem Problem!!!

lg mamaJohnny
Johnny Lauserspatzi 051213, 60cm 4826g, Asphyxie, hypoton, Gaumenspalte innen OP April 15, Kraniosynostose OP Juni 14, genet. Abber. 3. u. 9. Chr.

Anne-Katharina
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Beitragvon Anne-Katharina » 17.07.2017, 16:52

Hallo MamaJohnny!
Gut, ich bin in Deutschland und kenne mich mit Österreich nicht aus. Ich arbeite in einer Klinik und wenn es Bedarf an Sonderbetten gibt ( bin in Erwachsenenpflege) dann werden die passenden Betten geleast. Das Haus hat irgendwelche Partner und in relativ kurzer Zeit bekommen wir z.B. Betten in Überbreite und für sehr große Lasten geliefert. Wenn die Betten nicht durch die Tür passen, werden sie im Zimmer aufgebaut und bei Entlassung wieder abgebaut und abgeholt.
Gibt es vielleicht so eine Möglichkeit, dass die Klinik ein Bett für die Zeit geliefert bekommt? Es muss doch irgendeine adäquate Lösung her, sonst ist doch niemandem geholfen.
Wie sollst du im Zimmer die volle alleinige Verantwortung übernehmen? Du musst doch auch mal duschen oder kurz zum WC. Was ist, wenn einer ohne Begleitung kommt, da muss die Sicherheit und Betreuung doch auch gewährleistet seinß
Ist das Rechtens?
Alles Gute
LG Anne
Zustand nach Pankreatitis, Meningitis und 15 OP´s, Multiple Sklerose


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