Ösophagusatreise Typ IIIb/Erbrechen

Hier könnt ihr Fragen rund ums Thema Ernährung stellen. Usern, deren Kinder über eine Sonde ernährt werden, möchten wir hier ebenfalls eine kleine Austauschplattform bieten.

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*Hanna*
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Ösophagusatreise Typ IIIb/Erbrechen

Beitragvon *Hanna* » 02.05.2017, 15:36

Hallo zusammen,

ich habe mich und meine Kleine eben kurz vorgestellt und habe nun gleich eine aktuelle Frage.

Ich schildere vielleicht einfach mal kurz unsere letzte Woche: Am Dienstag hat meine Tochter (21 Mon.) wie gewohnt zu Abend gegessen, dann plötzlich mit diesem ganz charakteristischen Steckenbleiber-Gesichtsausdruck aufgeschaut, sich die Finger in den Mund gesteckt und erbrochen. Das wiederholte sich dann noch zwei, dreimal. Essen wollte sie danach nichts mehr, vor dem Einschlafen hat sie aber noch ausgiebig gestillt, si dass ich dachte, gut, alles ok. Steckenbleiber ist draußen. Am nächsten Morgen wollte sie weiterhin nichts essen, auch nicht trinken. Im Kindergarten bekam sie Obst, das sie offenbar mit großer Freude aß - um es dann wieder zu erbrechen. Wir also ins KH und am selben Tag wurde ein Endoskopie gemacht. Ergebnis: Alles prima. Kein Steckenbleiber. Keine Stenose. Keine Aussackungen der Speiseröhre. Nicht einmal Zeichen für Reflux.

Ich frage mich: Was ist da passiert? Der Arzt meinte, evtl. habe tatsächlich etwas in der Speiseröhre gesteckt, was dann durch die Erschlaffung der Speiseröhre unter der Anästhesie in den Magen gerutscht sei. Aber richtig befriedigt hat ihn die Erklärung selbst nicht. Zweite Erklärung: Der Steckenbleiber am Dienstag Abend hätte das Kind traumatisiert, deshalb hätte es nicht essen wollen. Das finde ich schon einleuchtender, aber die Birnen wollte es ja eindeutig essen und das hat auch nicht geklappt.

Hat hier jemand vielleicht schon einmal etwas Ähnliches erlebt? Ich würde mich sehr über Rückmeldungen freuen!

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Beitragvon IlonaN » 03.05.2017, 10:03

hallo hanna, ja das kenn ich von mir selbst auch. Die kleine Maus weis ja noch nicht was mit ihr los ist und wird nun erstmal Angst haben- las ihr Zeit es kommt schon wieder.
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Beitragvon *Hanna* » 03.05.2017, 11:21

Vielen Dank für Deine Rückmeldung! Darf ich Dich noch ein bisschen löchern, magst Du erzählen, wie Du einen Steckenbleiber erlebst? Ich möchte aber nciht aufdringlich sein, nur wenn Du magst!

Meine Kleine ist manchmal echt cool dabei, die Finger gehen in den Mund, schwups ist alles draußen. Manchmal wirkt sie aber auch richtig verstört. Liegt das daran, dass sie das Gefühl hat, zu ersticken? Die Frage hatte ich mal im KH gestellt, da wurde dann nur abgewunken - nach dem Motto "Haha ersticken!! Quatsch, das geht doch gar nicht". Aber mir ging es eigentlich nicht darum, ob das geht oder nciht, sondern darum, ob es sich für die Maus so anfühlt.

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Beitragvon IlonaN » 03.05.2017, 12:49

Es ist ein beängstigendes gefühl, so als ob der Brustkorb zu eng wird, du kannst keinen Speichel mehr schlucken , kriegst Panik und hast in echt das gefühl zu ersticken. Das mit dem Finger im Hals ist auch heut manchmal die letzte Rettung für mich . Meistens reicht es aber wenn ich irgendwie "mental gegensteuer" so richtig gedanklich die Speiseröhre versuche es nach unten zu bewegen. Weis nicht wie ich das erklären soll- aber das erlernt man mit den Jahren. als kleines Kind hat meine Mutter mir jedenfalls erzählt habe ich prinzipiell in solchen momenten den finger in den hals gesteckt und ab und an danach das Essen verweigert. wichtig sind für mich auch heute noch das richtige kauen und das trinken dazu. Vergesse ich das mal in der Hektik dauert es nicht lange bis ich die Quittung bekomme.
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Beitragvon RolliTanteSilvi » 03.05.2017, 13:20

Hallo Hanna,

die Essensverweigerung kennen wir hier auch also gut - wenn auch die Ursache / Diagnose eine andere ist. Moritz darf nur pürierte Nahrung zu sich nehmen. Er möchte aber hin und wieder doch auch mal auf einem Stück Obst herumbeissen um aber ein verschlucken der unzureichend gekauten Nahrung zu verhindern nutzen wir so etwas:

https://biovyana.com/geschirr-und-fuett ... 22375.html

Was damit auch gut zu "nutschen" geht ist Schokolade und der schöne Nebenefekt die Finger bleiben sauber. :D :D

Vielleicht hilft das bis die "Angst" vorm Essen wieder verschwunden ist, die Nahrungsaufnahme zu erleichtern.

LG Silvi
Moritz (geb.2007) - richtiger Sonnenschein und "Wirbelwind" mit Muskeldystrophie des Typs Duchenne - hat beide Eltern bei einem Autounfall verloren - seit 2017 Diffuser Ösophagusspasmus (Schluckstörung) - seit 2018 Tracheastoma & GastroTube
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Beitragvon *Hanna* » 04.05.2017, 11:12

Danke für Eure Rückmeldungen! Ilona, danke für die Schilderung, so schlimm habe ich mir das nicht vorgestellt. Da habe ich meine Kleine ganz schön im Regen stehen lassen letzte Woche, ach Mensch, wenn ich das nur vorher gewusst hätte. Sie wollte nämlich nach dem Steckenbleiber nicht mehr essen, hat aus Wut ein Glas auf den Boden geworfen und ich habe, statt mich um sie zu kümmern, die Scherben aufgelesen, während sie weinend daneben stand. Ich dachte, das war ein Trotzanfall, weil ich wegen des Glases mit ihr geschimpft hatte. Jetzt sehe ich, dass ihr wirklich noch der Schreck in den Knochen saß. Eine Umarmung hätte sie sicher viel besser brauchen können.

Sehr interessant, dass Du gelernt hast, die Speiseröhre mental zu steuern. Bei der Maus habe ich vor drei Tagen, als schon wieder etwas hängenblieb, auch gedacht, dass das zumindest teilweise ein Kopfsache ist. Das Ding, das drinsteckte, kam nicht raus, also nahm ich sie in den Arm und wir schauten ihr Liederbuch an. Sie begann zu singen, dann trank sie einen großen Schluck und auf einmal war die Speiseröhre wieder durchgängig. Also scheint es schon auch mit Entspannung zu tun zu haben.

Silvi, danke auch Dir für den Hinweis! Ich hätte da nur Bedenken, ob durch das Vermeiden des Schluckens die Angst gar nicht überwunden wird, weil sie dann ja keinen Grund mehr hat, es mit dem Schlucken wieder zu versuchen...?

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Beitragvon Jakob05 » 04.05.2017, 11:26

Hallo *Hanna*,
mach dir nicht zu viele Gedanken, deine Tochter nimmt dir solche Fehlentscheidungen sicher nicht krumm. Beim 2.Mal hast du ja schon entspannter reagiert.
Stress ist sicher ein wichtiger Faktor bei den Steckenbleibern und das Gefühl danach sicher eine weile ziemlich blöd. Bei Kindern ist das Gefüge Speise-/Luftröhre ja auch noch deutlich weicher als bei uns Erwachsenen und so ist es nicht verwunderlich, dass auch das Erstickungsgefühl vielleicht deutlicher ist.
Mein Grosser ist auch heut emit 29 und gut 15 Jahre nach OP noch oft "durch den Wind" nach so einer Steckenbleib-Episode, obwohl er gut damit umgehen kann.
Wichtig finde ich, dass deine Tochter den Spass am Essen und die Neugier auf Lebensmittel behält, dann wird sie auch nach längerer Abstinenz immer wieder aus Neugier anfangen zu essen. Wenn du ihr durch Zwang, Überfürsorge etc. die Lust auf Essen nimmst und ihr so auch beibringst, dass Sie dich durch Nichtessen manipulieren kann, entsteht erst ein echtes Problem. Deshalb: Nimm es selbstverständlich hin, dass sie nach so einem Ereignis vielleicht eine Weile nur Flüssiges mag, aber gib ihr immer die Möglichkeit zu normaler Kost ohne grosses Aufsehen zurückzukehren.
Mein Grosser ist, obwohl ehemaliges Sondenkind nach der OP und 6 Monaten pürierter, bröckchenfreier Kost, völlig problemlos in seinem Tempo Stück für Stück zu regulärer Nahrung zurückgekehrt.
Cordula (65) mit I. (86), M. (88 mehrfachbehindert, HF-Autist), J. (†28.07.05,*02.08.05,37.SSW) + K. 10/07 (GS, HD, Rachenfehlbildung,Tracheostoma)

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Beitragvon *Hanna* » 05.05.2017, 10:08

Hallo Cordula,

danke auch Dir für die Rückmeldung! Darf ich fragen, was Dein Großer hat? Auch eine ÖA? Kann die so spät operiert werden? Neulich fragte uns ein Arzt, ob unsere Kleine denn ooperiert sei, und wir waren ganz erstaunt, weil wir immer dachten, die OP müsse in den ersten Lebenstagen erfolgen.
Danke für den Tipp, kein Aufsehen um das Essen (oder Nichtessen) meiner Tochter zu machen. Früher oder später wird sie merken, dass sie "anders" ist, aber besser später als früher... ;)

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Beitragvon IlonaN » 05.05.2017, 11:15

Danke für den Tipp, kein Aufsehen um das Essen (oder Nichtessen) meiner Tochter zu machen. Früher oder später wird sie merken, dass sie "anders" ist, aber besser später als früher...

das ist auch wirklich das aller wichtigste. Meine Eltern haben es leider nicht so gemacht und aus Angs das ich nicht genug esse, wurde mir das Essen förmlich reingezwungen, auch wenn sie sonnst echt lieb zu mir waren- sie hatten einfach Angst. Heute habe ich eine Essstörung :cry: :cry: :cry:
Ich habe auch gehört das es Länder gibt die garnicht gleich operieren und die Kinder bis sie älter sind eine künstliche Ernährung bekommen. Besonders krass daran finde ich das es Kliniken in östereich gibt wo Kinder das essen nach Jahren dann lernen sollen und man sie einfach ohne Nahrung läßt bis sie dann von selbst schlucken. Wie kann man so etwas bloß machen, nach dem sie Jahrelang gar keinen Schluckreflex haben konnten. :twisted: :twisted: :twisted:
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Beitragvon RolliTanteSilvi » 05.05.2017, 11:24

*Hanna* hat geschrieben:
Silvi, danke auch Dir für den Hinweis! Ich hätte da nur Bedenken, ob durch das Vermeiden des Schluckens die Angst gar nicht überwunden wird, weil sie dann ja keinen Grund mehr hat, es mit dem Schlucken wieder zu versuchen...?


Liebe Hanna,

das Nahrungsmittel / Stück muss auch im Fruchtsauger "gekaut" werden - dabei werden zu große Nahrungstücke zurückbehalten und ein verschlucken verhindert. Der natürliche Schluckreflex / die Funktion wird weiter beibehalten. :wink: :lol: :lol: :wink:

LG Silvi
Moritz (geb.2007) - richtiger Sonnenschein und "Wirbelwind" mit Muskeldystrophie des Typs Duchenne - hat beide Eltern bei einem Autounfall verloren - seit 2017 Diffuser Ösophagusspasmus (Schluckstörung) - seit 2018 Tracheastoma & GastroTube

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