Wie gehe ich unsere Probleme beim Essen/Trinken an?

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LovisAnnaLarsMama
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Wie gehe ich unsere Probleme beim Essen/Trinken an?

Beitragvon LovisAnnaLarsMama » 05.03.2017, 10:25

Hallo, vielleicht könnt ihr mir mal ein paar Tipps aus eurem Erfahrungschatz geben. Mein Sohn (15 Monate) hat eine dezente Hemiparese. Allgemein bin ich mit seiner Entwicklung zufrieden- wir waren beim Spz und bis auf die motorische Entwicklung waren wir gerade noch im Rahmen. Leider wurde ein Thema etwas runtergespielt, was mich im Nachhinein doch jeden Tag stört: mein Sohn hat ein Problem mit stückigem Essen. Er nimmt zwar alles in den Mund, kaut auch, spuckt aber alles fein säuberlich wieder aus. Egal ob Brei mit weichgekochten Stückchen oder Brot. Er isst nur sehr feinpürierten Brei. Auch das Trinken ist problematisch: er trinkt nur von der Brust, aus Flaschen Bechern etc. funktioniert es nicht. Ich habe verschiedenste Getränke und Becher ausprobiert, er bekommt Tag für Tag immer wieder Getränke angeboten, hat aber nur einmal etwa 20 ml daraus getrunken.
Unsere betreuende Ärztin meinte, das würde darauf hindeuten, dass er zickig wäre- ich habe allerdings eher den Verdacht, dass er irgendwie nicht kann. Der kleine Mann ist vom Gewicht her gerade noch so im Rahmen, die Tendenz ist aber gerade zum Untergewicht hin.
Auffällig finde ich auch seine sprachliche Entwicklung- er kommentiert sehr viel, und versucht auch ab und zu Worte nachzusprechen allerdings ist einiges auch so undeutlich, dass nur ich als Mutter den Versuch erkennen kann. Das passt für mich auch zum Problem mit der Nahrungsaufnahme.
Richtig fies ist auch seine Verdauung: er hatte von Anfang an sehr selten Stuhlgang und wenn dann ist es immer noch sehr schmerzhaft und anstrengend für ihn, auch wenn es nicht so fest ist. Letzte Woche hat er zweimal so gedrückt, dass er in der Analregion leicht eingerissen ist...
Steht das im Zusammenhang mit der Asphyxie/ Hemiproblematik?
Sollen wir erstmal abwarten? Oder soll ich unseren Kinderarzt nochmals mit dem Thema Nerven- der hat mir letzte Woche dazu gar nichts gesagt? Wie kann ich beurteilen ob wirklich ein Problem vorhanden ist?
Habt ihr Tipps um das Trinken zu fördern?
Ratlos Grüße
LovisAnnaLarsMama
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Meine drei kleinen Wunder: Wunderkind (2009), Schneckenkind (2011) und der kleine Bruder (2015): Hemiparese, expressive Sprachenwicklungsstörung, Epilepsie und diverse Baustellen nach Asphyxie/Frühgeburt

Lovis3
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Beitragvon Lovis3 » 05.03.2017, 11:00

Hallo!

Für manche Kinder ist es schwierig, stückige Konsistenz zu kauen/schlucken oder auch nur im Mund zu tolerieren. Mein Sohn hat auch sehr lange nur feinpüriert gegessen und dann eher gleich richtige Stücke (Brezel). Joghurt mit Stücken gehen z.B. bis heute noch nicht wirklich, da verschluckt er sich schnell bzw. will es gar nicht erst in den Mund nehmen.
Ich würde beim Essen einfach noch Geduld haben, es ihm immer wieder anbieten (z.B. auch Nudeln mit den Fingern essen lassen usw.) aber ohne Druck.

Zum Trinken kann ich nur wenig sagen, mein Sohn trinkt zwar zu wenig, er konnte aber schon früh aus der Flasche trinken, Becher ist bis heute schwierig, Trinkhalme gehen inzwischen gut. Es gibt aber die Möglichkeit, Getränke anzudicken und dann mit dem Löffel zu geben. So nimmt er wenigsten Flüssigkeit zu sich und ihr habt auch beim Trinkenlernen Zeit und vor allem keinen Stress.

Wegen der Sprachentwicklung würde ich mir an deiner Stelle noch keine Sorgen machen, dein Sohn ist erst 15 Monate alt, in dem Alter wollte meine kerngesunde jüngste Tochter auch noch gar nichts verständliches sprechen. Nicht jedes Kind spricht schon so früh.

Liebe Grüße
Katrin
Katrin mit A. *06, SSW 23+0, 600g, BPD (nachts sauerstoffpflichtig) und Lungenschädigung durch RSV-Virus, pulmonale Hypertonie, Rechtsherzinsuffizienz, Hypotonie (Rollifahrer, läuft kurze Strecken mit Rolltor oder 4-Punkt-Stützen), sehbehindert
und M. *08 und L. *11

Chandrika 82
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Beitragvon Chandrika 82 » 05.03.2017, 11:13

Guten Morgen!

Es ist ein großer Unterschied zwischen dem Brusttrinken und aus der Flasche.

Ich finde den Ausdruck "zickig" für ein 15 Monate altes Kind mit entsprechender Problematik völlig unangebracht. Das hieße ja, er würde absichtlich verweigern.
Wenn Du das Gefühl hast, er kann es nicht, ward ihr mal mit ihm in einem Dysphagiezentrum? Die sind dort spezialisiert auf Schluckstörungen.

Ich würde den KiA schon noch mal explizit darauf ansprechen. Er muß doch eine Meinung dazu haben. Wenn euer Sohn nicht viel trinkt, wirkt sich das natürlich auch auf die Verdauung aus.

Mit der Sprachentwicklung würde ich auch erst einmal abwarten. Da hat er noch Zeit. In dem Alter schon deutlich und für jeden nachvollziehbar zu sprechen, wäre schon sehr früh.

LG Rika
K. 05/07 ehem. SGA, Kleinwuchs mit Hormonbehandlung, Asperger-Autist, ADHS
M. Schmetterlingskind *03.09.08 +05.09.08
N. 11/12 extr. Frühchen der 24. SSW, IVH II°, ROP III°, Mikrozephalus, Bauchwandhernie, Cerebralparese, Sondenernährung
J. 03/15

Katja_S
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Beitragvon Katja_S » 05.03.2017, 11:22

Hallo,
bei meinem Sohn war es auch so, dass er stückige Kost überhaupt nicht essen konnte. Er hat stückiges Essen (Bauklötze dagegen schon) überhaupt nicht in den Mund genommen, kauen konnte er sowieso nicht und hat sofort gewürgt/sespuckt, wenn im Brei mal ein kleines Bröckchen drinnen war (z.B. ein paar verklumpte Flocken, ein Mini-Karttoffelstückchen, dass beim Püreiren durchgerutscht ist), teilweise hat er auch bei feinstpüriertem Brei gespuckt. Trinken haben wir ihm lange mit der Spritze in den Mund gegeben (Saugen hat er mit 1 Jahr verlernt, aus dem Becher hat er es sich nur übergekippt). Wir haben dann mit 2 Jahren mit Mundmotorikübungen angefangen (als Intensivtherapiewochen in Baiersbronn und ich selbst mit ihm zu Hause) und das hat bei uns enorm viel gebracht. E. ist heute eigentlich alles (Süßes mag er allerdings nicht so sehr, aber Pizza, Brötchen und Lauch-/Kohlrabigemüse ist hoch im Kurs), kaut gut und isst auch Suppe/Joghurt mit Brocken drinnen, beißt sogar ab und trinkt aus dem Becher (wobei wir ihm da immer noch 2-3 x nachschütten müssen und er noch nicht aus einem vollen Becher trinken kann). Bei ihm war es für mich eindeutig ein Wahrnehmungsproblem, in Kombi mit motorischen Problemen. Heute isst er (wenn ihm etwas schmeckt) mit viel Freude :D .
Bei einem 15 Monate alten Kind würde ich mir da aber, wie auch bei dem Sprechen noch keine allzugroßen Gedanken machen, zumal dein Sohn das Essen ja zumindest schon mal in den Mund nimmt und kaut Vielleicht braucht er da einfach noch etwas Zeit :? . Ob es Sinn machen würde, bereits mit Logo anzufangen (sei es jetzt nach C. morales oder Padovan), kann ich natürlich kaum beurteilen. Für uns war 2 Jahre im nachhinein betrachtet zu spät. aber wir hatten damals wirklich große Probleme mit dem Essen (aber gleichzeitig auch viele andere Baustellen, OPs und so weiter, weshalb wir das dann auch so lange nicht angegangen sind).
Was gibst du ihm denn zu Trinken? Bei E. ging lange Zeit n ur Leitungswasser, Saft oder gar Sprudel/Tee hat er absolut nicht gewollt. Ich frage daas nur, weil damals manche Bekannten gemeint haben, dass ich ihm doch was mit Geschmackn geben solle, weil es ja klar wäre, dass er Leitungswasser nicht mag
Viele Grüße
Katja
Katja mit E. (geb. April'08), Frühchen 26. SSW, Hirnblutungen, Hydrocephalus (Shunt-versorgt), gehörlos (2 CIs), Epilepsie, geistige und körperliche Behinderung

togram
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Beitragvon togram » 05.03.2017, 11:37

Hallo,

wir haben ja auch jahrelang Essproblematik gehabt...und mittlerweile ist sie 10Jahre aber isst auch noch nicht wie eine 10jahrige...sie kann mittlerweile abbeissen also brezel geht super...alles andere muss noch klein geschnitten werden...rohes Gemuse wie Karotten...Gurken geht gar nicht wird sofort ausgespuckt...Bananen in Scheiben oder geriebene Apfel geht
Trinken ist auch noch ein grosses Problem...sie trinkt auch zu wenig..sie kann nicht saugen...momentan trinkt sie super aus dem Camocup Becher...und wenn es gamz zu wenig ist...kriegt sie es noch per Spritzen eingeflösst...

Lg togram
Selina geb. 06,Frühchen 26 SSW,entwicklungstörung, cerebrale Bewegungsstörung,op. Herzfehler,1. Krampfanfall Dez.2013,Schulkind seit Sept.2013 in einer GB und KB Schule und PT geb. 11 entwicklungsverzögert
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Beitragvon RolliTanteSilvi » 05.03.2017, 11:57

Hallo LovisAnnaLarsMama,

In meinem Freundeskreis gibt es ein Mutti deren Kind hatte Anfangs auch Probleme bei der Umstellung Brust / Flasche es kann vorkommen das es zu eine Saugirritation kommen kann. Sie nutzt eine ganz bestimmte Flasche (Saugaufsatz ist sehr weich und von der Form sehr an die Brustwarze angeleht).

Probier doch die Flasche mal aus - aber lasst Euch mit der ganzen Ess-Trink-Situation Zeit - jedes Kind hat seine eigenen Entwicklungsschritte.

https://lansinoh.de/produkte/naturalwav ... alsflasche

LG Silvi
Moritz (geb.2007) - richtiger Sonnenschein und "Wirbelwind" mit Muskeldystrophie des Typs Duchenne - hat beide Eltern bei einem Autounfall verloren - seit 2017 Diffuser Ösophagusspasmus (Schluckstörung) - seit 2018 Tracheastoma & GastroTube
" Auch aus Steinen, die Dir in den Weg gelegt werden, kannst Du etwas bauen". (Erich Kästner)

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Beitragvon AndreaR » 05.03.2017, 15:13

Hallo LovisAnnaLarsMama

"Zickig" ist ja eine ganz tolle Diagnose :roll:

Was uns bzgl. Trinken weitergebracht hat ist der CamoCup, aus dem wir angedickte Flüssigkeit geben (wir nehmen Nestlé Resouce Thickenup Clear).

Lg Andrea
Lucia (2004), mehrfachbehindert (spastische Tetraparese) wegen multipler de novo Mikrodeletionen, Isabelle (2006) fit und munter

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Beitragvon LovisAnnaLarsMama » 06.03.2017, 13:29

Hallo erstmal danke für die Antworten. Den Trinkhalm und verschiedene genannte Cups werde ich nochmal ausprobieren.
Er bekommt regelmäßig Wasser oder auch mal Apfelschorle angeboten, trinkt aber nur einen Schluck. Andicken wäre auch noch eine denkbare Option, da er sehr feinen Brei ja isst. Dir Spritze hat heute auch unsere Physiotherapeutin vorgeschlagen.
Ansonsten machen wir erstmal weiter wie bisher, auch wenn es inzwischen etwas nervig ist, sein 1000 Kleinteile Essübungspuzzle zu beseitigen.
Leider haben wir noch einen fetten Virus an Land gezogen, jetzt wird beim Brei auch nur noch die Hälfte gegessen. Naja, seine Geschwister waren auch recht Schwächung und inzwischen muss ich aufpassen, dass sie mir nicht die Haare vom Kopf essen ;)
Lg LovisAnnaLarsMama
Meine drei kleinen Wunder: Wunderkind (2009), Schneckenkind (2011) und der kleine Bruder (2015): Hemiparese, expressive Sprachenwicklungsstörung, Epilepsie und diverse Baustellen nach Asphyxie/Frühgeburt

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Beitragvon Sabine1970 » 06.03.2017, 13:49

Hallo,

ich weiß nicht, ob es ausreichend ist, bei Mama an der Brust zu trinken mit 15 Monaten- von der Menge her meine ich...da kann Dir der Kinderarzt oder Deine Hebamme ( solange gestillt wird habt ihr Anspruch auf eine Hebamme, Kassenleistung) sicher helfen. Vielleicht hat Sie auch einen Tipp, wie ihr eine Lösung finden könnt.
Mein Sohn ( 2400 Gramm leicht bei der Geburt, gesund) wollte den Löffel nicht in seinem Mund, als ich begann, ihm Karotten zu reichen. Musste gleich würgen. Habe meine Hebamme kontaktiert.
Sie sagte " der ist nur Deine weiche Brustwarze gewohnt, im Zusammenhang mit Essen". Stimmt :roll:
Immer wieder versucht, irgendwann hat es geklappt. Löffel einfach zum spielen gegeben.
Trinken haben wir dann gar nicht erst mit Sauger probiert, gleich den Becher mit der "festen Schnauze" und aus dem Becher.


Ich wünsche euch den ultimativen Tipp, dass es klappt
Liebe Grüße

Anika14
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Beitragvon Anika14 » 06.03.2017, 14:12

Wir haben das Trinken aus der Flasche mit Sportverschlüssen geübt, die tropfen, wenn man die Flasche umdreht. Kind in der Windel im Sommer auf die Terasse gesetzt (in die Sonne) und mit der Flasche spielen lassen. irgendwann kam er auch auf die Idee, die mal in den Mund zu stecken und seitdem klappt das. Es brauchte etwas, bis er das mit dem Saugen verstanden hat (und auch die kraft dazu hatte), aber jetzt saugt er eigentlich an jedem Verschluss.

Wenn es Dir die Last nimmt: sprich mit Deinem KiA über hochkalorische Spezialnahrung (Nutrini, etc.), das hat hier ganz viel Druck rasugenommen und mir mit 19 Monaten auch schließlich das Abstillen ermöglicht (also Bub hat sich selbst abgestillt, weil genug Kalorien über die Nahrung rein kamen). Meiner lag allerdings gewichtsmäßig immer an der absoluten Unterkante ...

Zum stückigen Essen: entweder es kommt noch, dann hilft nur Sachen anbieten und schauen, welche Geschmacksrichtungen er bevorzugt und dann schauen, dass man da immer "härtere" Sachen anbietet, oder es kommt nicht. Hier wurde bei sehr guter ärztlicher Betreuung bis zum 2. Geburtstag mit weiterer Diagnostik gewartet. Manche Kinder kommen mit Mischkonsistenzen auch einfach nicht klar. Hier ging zB auch Wackelpudding ewig nicht (Würgen und Erbrechen) und plötzlich konnte er es.

15 Monate ist noch klein, da würde ich mir ums Sprechen auch noch keine Sorgen machen, wenn er gut lautiert und sich das Lautieren weiter entwickelt, ist das doch positiv. Meiner spricht jetzt so 50 Wörter mit gaaaanz schlechter Mundmotorik ;)

Und zickig ist ein Kind in diesem Alter definitiv nicht, höchstens willensstark :lol: und das ist auch gut so!
Anika mit
Maxi Bub (*04/11) fit & überschlau
Mini Bub (*11/14) 33+0 SSW, Katarakt, Fütterstörung, Kleinwuchs, Reflux, muskuläre Hypotonie, starker Hypotonie & Hypersensitivität im Mund- & Rachenbereich, massiv gestörte Körperwahrnehmung, Hypoglykämien, Kamikaze mit viel Verstand, großem Herz & stets gut gelaunt, PG 3 und 80% G,B,H


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