Neuroplastizität und die Konsequenzen für Therapie

Hier könnt ihr euch über die unterschiedlichsten Therapiemöglichkeiten (Logopädie, Petö, Cranio Sacrale) für eure Kinder austauschen und Fragen rund ums Thema Krankengymnastik und Frühförderung stellen.

Moderator: Moderatorengruppe

PatriciaPy
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 13
Registriert: 08.01.2017, 16:14
Wohnort: Toronto
Kontaktdaten:

Neuroplastizität und die Konsequenzen für Therapie

Beitragvon PatriciaPy » 20.01.2017, 18:26

Bild
Liebe Interessierte,
ich bin noch ganz frisch hier und hoffe, dass ich hilfreich beitragen kann :-) Mein Sohn hat Zerebralparese (s. auch Vorstellungsrunde) und das Lernen über seine Behinderung hat mich irgendwann auf das Thema "Neuroplastizität" gebracht. Thema ist fast ein wenig untertrieben - eher Paradigmenwechsel. Früher hat man ja gedacht, dass die Funktionen des Gehirns nach einem bestimmten Alter fix sind und Probleme sich dann kaum noch korrigieren lassen. Mittlerweile gibt es eine überwältigende Menge von Evidenz, dass das Gehirn ein lebenlang veränderbar, lernfähig, und sogar regenerierbar bleibt. Zumindest, wenn man versteht, wie es sich dazu anregen lässt.
Wie man sich denken kann, hat das immense Konsequenzen für Behinderungen und Therapieansätze - aber da solche Forschungs-Paradigmenwechsel oft Jahrzehnte brauchen, bis sie in der Anwendung ankommen, sind die heute weit verbreiteten regulären Therapieformen meistens noch wenig neuroplastisch effektiv.

Daher habe ich mich in den letzten Jahren mit den nicht so weit verbreiteten, zum Teil noch im experimentellen Stadium befindlichen Ansätzen beschäftigt. Die Ideen an meinem Sohn ausprobiert. Total spannend, was sich dadurch für uns in den letzten Jahren ergeben hat. Aus diesen Jahren ist jetzt ein Projekt entstanden: Ich werde mit meinem Sohn für drei Monate nach Kanada fahren, um ihm bei zwei Neuroplastizitäts-Vorreitern Trainings/Therapien zu ermöglichen.

mod.edit: Text und Link entfernt
Gerne stehe ich zur Verfügung, um unsere Erfahrungen zu teilen und mehr zu erzählen. Sprecht/Schreibt mich gerne an! Liebe Grüße und Dank, Patricia

Werbung
 
Elena Shishechian
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 320
Registriert: 13.02.2008, 15:12
Wohnort: Köln

Beitragvon Elena Shishechian » 24.01.2017, 11:16

Hallo Patricia,

zunächst wünsche ich dir sehr viel Erfolg in Canada. Sicherlich wirst du mit deinem Sohn sehr viel erreichen können.

Neuroplastizität ist eine schon längst bewiesene Sache, leider wollen die Neurologen, Therapeuten und Lehrer hier zu Land die Erkenntnisse der Wissenschaft und der Praxis in ihre Arbeit nicht einbringen.

Hast du das Buch von Norman Doidge "The Brain´s Way of Healing" gelesen?

Kennst du die Anat Baniel Therapie (Feldenkrais für gehirngeschädigte Kinder)? Die Methode basiert auf die Fähigkeiten des Gehirns zu wachsen und sich zu verändern. Ist auch super gut für Kinder mit CP.

Könntest du mir bitte etwas mehr über das Vorhaben in Canada berichten. Gerne auch per PN, wenn du magst.

Schöne Grüße

PatriciaPy
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 13
Registriert: 08.01.2017, 16:14
Wohnort: Toronto
Kontaktdaten:

Beitragvon PatriciaPy » 24.01.2017, 13:04

Hallo Elena,

danke für Deine Rückmeldung und die lieben Wünsche. Ja, ich denke mir: Selbst wenn die Therapien an sich keine besondere Wirkung zeigen sollten (was immer sein kann) - dann ist es wert es zu probieren, und die Reise allein wird schon etwas mit meinem Sohn und mir machen :-)

Ja, ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass man mit dem Thema Neuroplastizität im Bereich Medizin, Therapie und Schule hier auf großes Unverständnis bis Ablehnung stößt....obwohl die Evidenz tatsächlich absolut unumstößlich ist. Aber so ist es eben - solche Erkenntnisse brauchen oft sehr lange, bis sie in den gängigen Praktiken und Systemen ankommen.

Ja, das Buch habe ich gelesen - und sein erstes Buch auch. Super Ressourcen. Das waren eigentlich DIE Bücher, die mich dem Thema nahe gebracht haben und mir Ideen für erste Versuche zu Hause gegeben habe. Norman Doidge schreibt gerade an einem dritten Buch, auf das ich auch schon gespannt bin. Ich hoffe auch, ihn in Toronto treffen und vielleicht sogar kurz interviewen zu können.

Anat Baniel finde ich auch total spannend, wie Feldenkrais an sich sowieso. Ich habe auch in ihrem Center bzgl Behandlungen angefragt - würde von ihr auch gerne lernen und meinen Sohn die Methode erfahren lassen. Sie hat übrigens auch ein gutes Buch über ihre Prinzipien geschrieben ("Kids Beyond Limits"), die man auch gut in den Alltag einfließen lassen kann.

mod.edit: Text

Erzähl mir gerne auch mehr über Deine Erfahrungen mit Neuroplastizität, und wie Du zu dem Thema gekommen bist (gerne kannst Du mir einen Link schicken oder auf einen anderen Thread verweisen) - würde mich freuen, mehr zu erfahren!
LG, Patricia

Benutzeravatar
Tanja2014
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1231
Registriert: 16.10.2014, 12:03
Wohnort: NRW

Beitragvon Tanja2014 » 24.01.2017, 13:45

Hallo Patricia,

ich hatte mir Deine Crowdfunding-Site angesehen, bevor der Link von den Mods entfernt wurde. Ich finde Neuroplastizität an sich ein spannendes Thema, eigene Erfahrungen mit den speziellen Therapien haben wir allerdings nicht. Dazu ist B. vielleicht glücklicher Weise auch einfach zu fit... Keine Ahnung. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, wollt Ihr in Kanada ja schwerpunktmäßig zwei Dinge angehen: Tomatis-Therapie und diese Lasertherapie. Bei Tomatis habe ich mich gefragt, warum Ihr dafür nach Kanada reisen müsst, diese Therapie ist doch auch in Deutschland schon lange möglich (ich habe vor 25 Jahren bei einem Schülerpraktikum einen autistischen Jungen betreut, der als einer der ersten in Hannover nach Tomatis therapiert wurde und heute gibt es diese Therapie ja in vielen größeren Städten)? Was ist in Kanada so anders bzw. so viel besser, dass Ihr dafür die weite Reise auf Euch nehmt? Habt Ihr Tomatis bei Euch vor Ort schon ausprobiert?
Viele Grüße
Tanja
mit B. (*2012) - Extremfrühchen, spastische ICP beinbetont GMFCS Level 1
und Wirbelwind (*2013)

PatriciaPy
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 13
Registriert: 08.01.2017, 16:14
Wohnort: Toronto
Kontaktdaten:

Beitragvon PatriciaPy » 24.01.2017, 14:16

Hi Tanja,

danke Dir für die Nachricht und Frage! Du hast Recht, Tomatis ist mittlerweile überall verfügbar und ist fast schon eine etablierte Methode unter den vielen alternativen. Der Grund, warum wir das in Kanada machen wollen ist, dass die Tomatis-Einrichtung in Toronto vom ersten Schüler Tomatis' geleitet wird, Paul Madaule. Da ich großes Interesse an diesem Thema habe, erhoffe ich mir - neben der möglichen therapeutischen Effekte für meinen Sohn - viel Austausch und Lernen von unserem Aufenthalt "an der Quelle". Hinzu kam, dass ich die Laser-Therapie sehr spannend finde - und beides eben in der selben Stadt ist. In der dann auch noch der Autor der Bücher lebt, die mich dem Thema ursprünglich nahe gebracht haben. Wie Du siehst kamen einige Dinge zusammen :-)

Ich verbinde Neuroplastizität übrigens nicht (nur) mit spezifischen Therapien - sondern mit einer generellen Haltung, den Alltag zu leben, lebenslang zu lernen, neue Fähigkeiten/Fertigkeiten zu erwerben, ob mit oder ohne Behinderung. Es geht also mehr um Prinzipien als nur um generelle Methoden. Das macht es für mich so universell und effektiv vs einfach eine neue Therapiemethode/Mode.

Auf jeden Fall freut's mich sehr, dass Dein Kind so fit ist und Du das Thema auch spannend findest. Wenn ich irgendwie mit Tipps/Links/Ressourcen weiterhelfen kann, lass es mich gerne wissen.

LG und alles Gute weiterhin!
Patricia

Elena Shishechian
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 320
Registriert: 13.02.2008, 15:12
Wohnort: Köln

Beitragvon Elena Shishechian » 24.01.2017, 19:40

Hallo Patricia,

du hast es richtig erkannt mit der Neuroplastizität! Es hat bei mir etwas gedauert bis ich zu diesem gesunden Erkenntniss gekommen bin.

Es ist so toll gleichgesinnte zu treffen! Habe dir eine PN mit paar Eckdaten von uns geschickt.

Schöne Grüße Lena

PatriciaPy
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 13
Registriert: 08.01.2017, 16:14
Wohnort: Toronto
Kontaktdaten:

Beitragvon PatriciaPy » 25.01.2017, 10:06

Hi Lena,
freue mich auch sehr und bin total beeindruckt von eurem Weg! Ganz liebe Grüße und alles Gute weiterhin, Patricia

Elena Shishechian
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 320
Registriert: 13.02.2008, 15:12
Wohnort: Köln

Beitragvon Elena Shishechian » 25.01.2017, 11:35

Hi Patricia, eine PN wurde schon geschickt. Freut mich, von dir weiter zu hören! Schöne Grüße

Benutzeravatar
Tanja2014
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1231
Registriert: 16.10.2014, 12:03
Wohnort: NRW

Beitragvon Tanja2014 » 25.01.2017, 20:01

Hallo Lena,

ich habe mir inzwischen auch Deine/Eure Website angesehen. Ihr haftet ja die ersten Jahre ein ziemlich umfassendes Therapieprogramm. Wie ging es denn nach 2010 weiter bzw. wie geht es Deiner Tochter heute und was macht Ihr ggf. heute noch an Therapien/Übungen? Vielleicht könntest Du über Eure Anat Baniel Therapie noch etwas Näheres schreiben. Gibt es inzwischen auch Practitioner, die das dauerhaft in Deutschland anbieten?
Viele Grüße
Tanja
mit B. (*2012) - Extremfrühchen, spastische ICP beinbetont GMFCS Level 1
und Wirbelwind (*2013)

Werbung
 
SandraM.
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 430
Registriert: 27.10.2009, 17:30
Wohnort: Südwestfalen

Beitragvon SandraM. » 25.01.2017, 22:23

Hallo,
das Thema Neuroplastizität ist auch Teil meines Lebens.

Durch einen Zufall habe ich mit Mitte 20 die Feldenkrais-Methode kennengelernt. Mittlerweile bin ich Feldenkrais-Lehrerin.

Alternativ zur Anat Baniel Methode kommt auch Child `n Space in Betracht. Eine Weiterentwicklung der Feldenkrais Methode für behinderte Kinder.

Falls sich der Feldenkrais-Lehrer gut mit Neurologie auskennt, sind auch Feldenkrais-Stunden gut geeignet.

Viele Grüße Sandra
Sandra *1977, ICP mit leichter Tetraspastik, leichte Gangataxie, Fußgängerin


Zurück zu „Krankengymnastik, Frühförderung und andere Therapien“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 8 Gäste