Führerschein und Autismus

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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Lina Mare 67
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Beitragvon Lina Mare 67 » 14.07.2017, 13:55

Hallo Rena,

gratuliere deiner Tochter auch noch ganz herzlich zum Führerschein.

Mein Sohn hat sich auch letztes Jahr im März bei einer Fahrschule angemeldet, weil er unbedingt den Führerschein machen wollte.
Weil er dann mitten in den Prfüfungen für den M-Zug steckte, hat er aber erst im August ernsthaft mit der Theorie begonnen und auch erst Ende August 2016 seine erste Fahrstunde gehabt (kurz vor seinem 18.Geburtstag).
Mitte Dezember hat er dann die theoretische Prüfung gemacht und auch auf Anhieb bestanden.
Mit seinem 1. Fahrlehrer war er nicht so glücklich und hat dann in Rücksprache mit der Fahrschule den Fahrlehrer gewechselt.
Ein ganz ruhiger, entspannter und freundlicher Mann, dort hat er sich sicher gefühlt und auch das notwendige Verständnis erhalten.
Bei der 5.Fahrstunde oder so "durfte" ich mitfahren. Mein Gott, wie ich den Fahrlehrer bewundert habe, ich bin bei der Fahrt tausend Tode gestorben und konnte mir nicht wirklich vorstellen, dass das mit dem Fühererschein jemals etwas werden wird.
Aber wenn mein Sohn was will, dann beißt er sich durch und jetzt Ende Juni hat er dann nach ca 60 Fahrstunden + Sonderfahrten seine praktische Prüfung gehabt und wirklich im ersten Versuch geschafft :D .
Relativ skeptisch bin ich das erste Mal dann mit ihm gefahren und war sowas von positiv überrascht :shock: wie gut er das nun hinbekommt.
Da zieh ich echt meinen Hut!!!

Also ich denke auch, wenn die Kids das wirklich wollen kriegen sie das hin, auch mit Autismus. Natürlich ist das sehr individuell und nicht jeder wird den Führerschein auch machen wollen.

Ich wollte eigentlich schon eher was posten, weil ich in deiner Tochter sehr viel Ähnlichkeit zu meinem Sohn gesehen habe.
Aber er hatte bisher als Kind immer nur eine Verdachtsdiagnose, in den letzten Wochen hat er aber, auf eigenen Wunsch nochmals eine umfassende Diagnostik machen lassen und heute die Diagnose Atypischer Autismus erhalten.

Viele liebe Grüße Lina

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rena99
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Beitragvon rena99 » 14.07.2017, 21:45

Hallo Lina,

na dann herzliche Glückwünsche zurück auch an deinen Sohn! Tolle Leistung!

Ich finde, dass meine Tochter ganz gut gelernt hat, zu beurteilen, was sie sich zutrauen kann und was nicht. Da bin ich mega stolz auf sie! Und auch sie fährt wirklich gut, da sitze ich mittlerweile sehr entspannt daneben :D

Was eine Diagnose angeht, da wird es meine Tochter wohl ähnlich halten wie dein Sohn, denke ich. Wenn es ihr wirklich wichtig werden sollte und im Alltag auch dient, dann wird sie das sicher noch mal angehen können. Die sozialen Schwierigkeiten sind nach wie vor da, aber sie geht da nun anders mit um und hat im Moment 2 seeehr liebe Freundinnen, die sie so nehmen, wie sie ist und von denen sie viel lernt.

Ich kann mir aber gut vorstellen, dass die nächste Hürde kommt, wenn dann alle mit der Schule fertig sind und man sehen muss, wie es dann weitergehen kann. Aber ich bin da ganz optimistisch, irgendein Weg wird sich finden.

LG
Rena
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Beitragvon JasperJaspie » 14.07.2017, 22:34

Hallo,

mich würde mal interessieren, ob man b ei der Anmeldung zum Führerschein angeben muss, dass derjenige das Asperger-Syndrom hat?

LG Ann
Ann *1969 mit Tochterkind *1991* sowie mit Sohn Jasper *2001* Asperger-Syndrom (Diagnose Februar 2014)

Lina Mare 67
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Beitragvon Lina Mare 67 » 15.07.2017, 08:30

Hi Ann,

mein Sohn hatte bei der Anmeldung seine offizielle Diagnose noch gar nicht, trotzdem war er derselbe wie jetzt. Wir haben aber mit der Fahrschule über seine Schwierigkeiten gesprochen und die meinten dann, das passt schon so. Natürlich kann dann halt sein, dass er insgesamt einfach länger braucht bis er so sicher ist, dass er zur Prüfung zugelassen wird.
Liebe Grüße Lina

rena99
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Beitragvon rena99 » 15.07.2017, 12:17

Hallo Ann,

bei uns war das so ähnlich wie bei Lina. Eine offizielle Autismus-Diagnose gibt es nicht und die Zwangserkrankung nicht mehr akut. Wir haben das auch mit der Fahrschule besprochen, die dann auch darauf geachtet hat, dass die Verkehrssicherheit da ist. Dieses hat in der Tat einiges an Fahrstunden erfordert.

Bei Bestehen einer Diagnose würde ich das mal mit dem Facharzt besprechen. Der müsste da raten können:
https://www.streiflichter.com/lokales/d ... 38577.html

Ggfs. würde ich da auch bei der lokalen Führerscheinstelle nachfragen.

Insgesamt hat man ja nicht nur eine Verantwortung für sich selber, sondern auch für die Mitverkehrsteilnehmer. Mit der Fahrschule waren wir entsprechend offen. Der Fahrprüfer hat in der Prüfung tatsächlich die Übersicht meiner Tochter gelobt. Und so empfinde ich das jetzt auch als Begleiter. Da hat sich das Üben wirklich gelohnt. Von daher darf man da nicht aufs Geld und die Anzahl der Fahrstunden schauen. Das war bei uns nämlich auch wie bei Lina, die Anfänge waren echt schwierig und ich mag mir nicht vorstellen, wie das wäre, wenn man da mit einer Mindeststundenzahl auskommen müsste.

Außerdem, und das haben in diesem Thread ja schon viele beschrieben, muss man auch ehrlich zu sich selbst sein. Die "Betroffenen" haben ja selbst ein gutes Gespür, ob sie wirklich sichere Fahrer sind. Es scheint ja individuell sehr verschieden zu sein.

LG
Rena
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Beitragvon Engrid » 15.07.2017, 12:46

Hallo,

es gibt zahllose Asperger, die ihren Führerschein gemacht haben und so gut Auto fahren wie NT auch. Warum sollte man das angeben müssen? Wenn aber konkrete Beeinträchtigungen vorliegen, die das Fahren erschweren, dann sollte man die Probleme mit einer guten Fahrschule besprechen. Ob dabei die Diagnose zur Sprache kommt, ist eine andere Frage. Kommt auf den Einzelfall an :wink:

Grüße
Engrid
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Beitragvon rena99 » 15.07.2017, 13:47

Engrid hat geschrieben:Hallo,

es gibt zahllose Asperger, die ihren Führerschein gemacht haben und so gut Auto fahren wie NT auch. Warum sollte man das angeben müssen? Wenn aber konkrete Beeinträchtigungen vorliegen, die das Fahren erschweren, dann sollte man die Probleme mit einer guten Fahrschule besprechen. Ob dabei die Diagnose zur Sprache kommt, ist eine andere Frage. Kommt auf den Einzelfall an :wink:

Grüße


Ich denke, die Frage ist gar nicht, ob Asperger-Autisten Auto fahren können, das wird individuell sehr unterschiedlich sein, sondern wie die rechtliche Situation ist.

Angenommen, es kommt zu einem Unfall. Bei bestehender Autismus-Diagnose ist bestätigt und bekannt, dass es Wahrnehmungsbesonderheiten gibt. Selbst, wenn ich selbst an dem Unfall keine Schuld tragen würde, bin ich sicher, dass es bei rechtlichen Auseinandersetzungen besser wäre, mir hätte ein Facharzt bescheinigt, dass ich ganz normal fahrtauglich bin. Man kann da ja nicht argumentieren, man habe das nicht gewusst.

Rein rechtlich würde ich das für sauberer und sicherer halten, bei stehender Diagnose das fachärztlich abgeklärt zu wissen. Dass man mit den Fahrlehrer über bestehende Schwierigkeiten sprechen muss, ist denke ich eh klar.

LG
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Beitragvon Engrid » 15.07.2017, 14:38

Hallo Rena,

Bei bestehender Autismus-Diagnose ist bestätigt und bekannt, dass es Wahrnehmungsbesonderheiten gibt.
Das schon, aber nicht pauschal Beeinträchtigungen, die das Autofahren gefährlicher machen.
Wenn ein SBA vorliegt mit entsprechenden Merkzeichen wie H, oder wenn klar ist, dass aus bestimmen konkreten - in dem Fall auch autismusbedingten - Einschränkungen beim Fahren Gefährdungen entstehen, dann muss man damit natürlich verantwortlich umgehen. Aber pauschal seine Diagnose angeben zu müssen, dafür gibt es keinen Grund. Ebenso wie bei AD(H)S zum Beispiel.

Es gibt ja übrigens natürlich auch hier im Forum Asperger, die verantwortlich und gut Autofahren, siehe zb diesen Thread:
https://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic95672.html

Grüße
Engrid
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Beitragvon rena99 » 15.07.2017, 16:56

Engrid hat geschrieben:Wenn ein SBA vorliegt mit entsprechenden Merkzeichen wie H, oder wenn klar ist, dass aus bestimmen konkreten - in dem Fall auch autismusbedingten - Einschränkungen beim Fahren Gefährdungen entstehen, dann muss man damit natürlich verantwortlich umgehen. Aber pauschal seine Diagnose angeben zu müssen, dafür gibt es keinen Grund. Ebenso wie bei AD(H)S zum Beispiel.
Grüße


So meinte ich das :D ; es war sicher keine Aufforderung zum automatischen "outen" und "verantwortlicher Umgang" das richtige Stichwort.

LG
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Kaja
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Beitragvon Kaja » 15.07.2017, 18:54

Hallo,

https://www.gesetze-im-internet.de/fev_ ... age_4.html

das ist die Liste der Erkrankungen, die eventuelle besondere Untersuchungen rechtfertigen oder einen Führerschein in bestimmten Klassen nicht ermöglichen. Ich denke, nur das Vorliegen dieser Erkrankungen sollte man angeben, bei anderen gesundheitlichen Einschränkungen ist das nicht erforderlich.

Viele Grüße Kaja


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