Sekten/Lernbehinderung

Hier könnt ihr Diskussionen bezüglich religiöser Fragen und Meinungen führen - oder auch einfach über religiöse Feste wie Taufen, Konfirmationen etc. brichten. Für Familien mit besonderen Kindern haben religiöse Sitten und Gebräuche schließlich auch einen besonderen Charakter.

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AndreasLindemann
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Sekten/Lernbehinderung

Beitragvon AndreasLindemann » 26.12.2015, 20:53

Hallo!
ich habe mal eine Frage an diejenigen von euch, die siech für Religion interessieren.
Wir haben ja einen autistischen Sohn, der auch von der Lebenshilfe betreut wird.
Über andere Eltern aus einer Lebenshilfe-Gruppe wissen wir von einer jungen Frau, ca. 19 Jahre alt, mit Lernbehinderung und ein paar anderen "Baustellen".
Sie ist einsam, hat wenig Kontakte.
Sie wurde vor einiger Zeit von Vertretern der Zeugen Jehovas angesprochen, besucht mittlerweile eifrig die Gruppentreffen; ich schätze mal, dass dort ihr Kontaktbedürfnis gestillt wird.
Die Eltern konnten ihr nicht ausreden, dort hinzugehen (sie ist in einer Autonomiephase, was ja gut ist).
ich finde es hart, dass das von den Zeugen Jehovas so "ausgenutzt" wird (unterstelle ich mal).
Am Straßenrand mit dem Wachtturm stehen, schafft sie ja auch mit ihrer Lernbehinderung gut, einen "Verwendungszweck" haben sie dort also für sie.

Wie würdet ihr damit umgehen?
Andreas

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Mariaa
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Beitragvon Mariaa » 26.12.2015, 21:05

Hallo Andreas,

das scheint eine übliche Strategie zu sein.
Ich kenne einen älteren Herrn der sich auf seine alten Tage den Zeugen Jehovas anschloss, sie wurden sein Lebensinhalt, sein Ein und Alles, seine Familie. Obwohl er kaum noch laufen konnte, lief er Kilometer weit und stand stundenlang um zu missionieren.

Ich finde es sehr schwierig.
Erklärungen werden kaum effektiv sein und das hat nichts mit der Lernbehinderung zu tun.
Am ehesten könnte ich mir vorstellen, dass eine Alternative funktioniert. Vielleicht können die Eltern "Ersatz" finden, z.B. Vereine oder Gruppen für junge Erwachsene, denn die Sehnsucht nach Gemeinschaft ist ja verständlich und natürlich.

Viele Grüße
Früher war alles besser.... vor allem die Zukunft!

Roy1969
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Beitragvon Roy1969 » 26.12.2015, 21:10

Hallo Andreas,

ich bin in der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas aufgewachsen und kann dir sagen: es gibt Schlimmeres :wink:

Es ist wie bei jeder Religionsgemeinschaft: Wie es gelebt wird, darauf kommt es an.
Mir persönlich waren die Regeln zu strikt (wobei: wenn man z. B. den katholischen Glauben strikt lebt gibt es auch nix zu lachen), daher habe ich mich in meiner Jugend aus der Gemeinschaft gelöst, lebe konfessionslos.

Die junge Frau wird nicht "ausgenutzt", das stehen mit dem Wachtturm ist auch kein "Verwendungszweck" sondern gelebter Glaube.
Wenn sie dort findet was sie wohl in der Glaubensgemeinschaft der Eltern nicht gefunden hat - was ist schlecht daran?

Nachdenkliche Grüße
Roy 69, GöGa 74, D. 98, A. 05
D. HB mit ADS (ADS seit Februar 11 lt SPZ nicht mehr), A. seit 12/2010 Diagnose frühkindlicher Autismus
Alle mit Talent zum Glücklichsein :-)

ehemalige Userin

Beitragvon ehemalige Userin » 27.12.2015, 14:12

Hallo Andreas,

es ist schon problematisch, wenn die Zeugen Jehovas soziale Kontakte ersetzen. Vermutlich wird sich das junge Mädchen nicht davon überzeugen lassen, dass solche Gruppen in erster Linie ihre eigenen Interessen verfolgen. Vielleicht wäre es hilfreich, sich Rat bei einer Sekteninformationsstelle einzuholen. Allerdings sehe ich ein besonderes Problem, da selbst ernstgemeinte Freundschaften bei Zeugen Jehovas nur geduldet werden, wenn man dieser Gemeinschaft angehört. Also wenn sich das Mädchen wieder lösen sollte, wird sie in ein tiefes Loch fallen, da sie keine anderen Freunde hat, wie Du schreibst. Schwierig.

Lumoressie
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Beitragvon Lumoressie » 27.12.2015, 15:13

Wenn man endlich mal gewertschätzt wird und ernst genommen, Gesellschaft hat etc., da kann ich total gut verstehen, wenn man sich egal welcher Sekte anschließt. Und die Zeugen Jehovas zählen ja nicht mal mehr zu einer richtigen Sekte. Die Scientologen oder so fände ich schlimmer...

ehemalige Userin

Beitragvon ehemalige Userin » 27.12.2015, 15:34

Wenn man endlich mal gewertschätzt wird und ernst genommen, Gesellschaft hat etc., da kann ich total gut verstehen, wenn man sich egal welcher Sekte anschließt. Und die Zeugen Jehovas zählen ja nicht mal mehr zu einer richtigen Sekte. Die Scientologen oder so fände ich schlimmer...

Hallo,

ich glaube nicht, dass ausschließlich eine geringe Wertschätzung Menschen in Sekten oder sektirische Gruppen führt.

Die Zugehörigkeit zieht sich durch die ganze Gesellschaft.


Scientology wird vom Verfasungsschutz beobachtet und ist deshalb als einzige Gruppierung in DEUTSCHLAND OFFIZIELL als Sekte im negativen Sinn eingestuft.

Der Begriff Sekte ist im Prinzip nur ein umgangsprachliches Wort, da sämtliche Gruppen, im Sinne der Religionsfreiheit erlaubt sind.

Hier gibt z.B. "Info Sekta " ein paar brauchbare Infos u.a. zu den Zeugen Jehovas:

http://www.infosekta.ch/infos-zu-gruppe ... as-zeugen/

gelöschter User

Beitragvon gelöschter User » 27.12.2015, 15:37

Hallo,

mein Sohn hat leider auch kaum soziale Kontakte, worunter er sehr leidet.
Vermutlich würde ich ihm seinen Spaß lassen, solange er dabei glücklich und zufrieden wirkt. Das hätte für mich Priorität.

Die Zeugen Jehovas sehe ich noch als recht harmlose Sekte an, im Gegensatz zu Scientology.
Mein Sohn würde sich für die religiösen Dinge gar nicht interessieren, sondern sich nur an der Gemeinschaft erfreuen. Sobald ihm etwas gegen den Strich geht, er sich gegängelt fühlt und etwas tun muss, worauf er keine Lust hat, würde er eh das Interesse verlieren und die Gruppe meiden. Da ist er (glücklicherweise) unbeirrbar. Vermutlich würde er bei seiner Starrköpfigkeit und Unangepasstheit eh ziemlich schnell aus dieser Gruppe fliegen.

Sollte sich mein Sohn durch irgendeine Form der "Gehirnwäsche" verändern, würde ich sofort handeln und da wir die gesetzlichen Betreuer sind, wäre dies vom Gesetz her auch möglich.

Also, ich würde die Sache beobachten und solange sich das Kind in seiner Persönlichkeit nicht negativ verändert und glücklich und zufrieden ist, dem Kind diese Treffen gönnen.

LG

konik
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Beitragvon konik » 27.12.2015, 19:56

Hmm,

Wenn ich höre das es Alles so entspannt ist und man jederzeit gehen kann ec weiss ich nicht was ich so dazu erlebe....
Ob an anderen Stellen es lockerer ist weiss ich nicht......aber ich dachte lange es ist doch halb so wild...aber seit eine Freundin von mir einen Zeugen J. geheiratet hat graust es mir. Ich sehe das nun etwa 10 Jahre.
Keine Musik , kein Feiern , keine Kindergeburtstage , ein abschotten der Kinder, alles als schlecht und böse benennen.....Heute ist sie eine gebrochene Frau.
Die Kinder , dürfen nichts, mal von beten und in die Kirche gehen abgesehen. Ich hab ganz sicher kein Problem mit einem Glauben , Beten vor dem Essen ec was aber hier gebetet wird ist extrem.
Ich habe sie schon 2 mal versuch da raus zu holen doch die Angst und der Druck sind zu gross.
Für mich ist das was ich da erlebe ganz klar nicht normal.
Vor lauter Angst vor dem Teufel, dem Bösen, gehorsam sein .
Züchtigung eingeschlossen.
Keine eigene Meinung haben , alles diktiert bekommen, ist die Realität.
Von daher sehe ich es sehr wohl als Sekte .

Gruß Koni

gelöschter User

Beitragvon gelöschter User » 27.12.2015, 20:32

Hallo Koni,

ich habe mit den Zeugen Jehovas auch meine Probleme, aber wenn ich sehen würde, dass mein Sohn in dieser Gemeinschaft glücklich und zufrieden wäre, dann müsste ich meine Meinung und Moralvorstellungen zurückhalten. Das Glück und der Wille meines Sohnes haben Priorität, solange er nicht in Gefahr ist. Er hat ein Recht darauf, selbst Erfahrungen machen zu dürfen. Das ist Selbstbestimmung.

Anders würde es aussehen, wenn man ihn im Namen der Religion für Dinge missbrauchen würde, die er nicht will und seinen Willen brechen würde. Das würde ihn sicher nicht mehr glücklich machen und dann besteht dringender Handlungsbedarf.

LG

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konik
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Beitragvon konik » 27.12.2015, 20:50

Hallo Mirianna ,


Ich kann sehr gut deine Gedanken verstehen!
Auch ich würde mir für die Jungs sehr gerne Freunde wünschen.

Ich hab da meine Erfahrung geschildert, gerade weil ich immer dachte das ist dort doch nicht schlimm.
Ich kann dir nur sagen bei dem einen Versuch als sie gehen wollte, durfte nicht mal mehr der Mann und die Kinder mit ihr reden ! Es ist verboten. Wer getauft ist, also richtig dazu gehört und gehen will darf das, aber das alle Menschen um dich rum kein Wort mehr reden , Kinder nicht raus gegeben werden usw macht enormen Druck.
So bleibt man dann freiwillig.

So gibt es halt zig Beispiele.

Aus den Gründen hoffe ich für jede Mutter sie muss die Veränderung am eigenen Kind durch Z.J. nicht erleben.

Liebe Grüsse
Koni


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