Gott als Pädagoge

Hier könnt ihr Diskussionen bezüglich religiöser Fragen und Meinungen führen - oder auch einfach über religiöse Feste wie Taufen, Konfirmationen etc. brichten. Für Familien mit besonderen Kindern haben religiöse Sitten und Gebräuche schließlich auch einen besonderen Charakter.

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ehemalige Userin

Beitragvon ehemalige Userin » 11.04.2015, 17:45

Christianes Sonnenschein hat geschrieben:@ChristianeTrost, in der Hinsicht bin ich mit Dir einer Meinung. Aber ob dieser Trost wirklich so schmerzlindernd ist und auch über echten Hunger, Not, usw..... und furchtbares Leid hinweg tröstet, das ist doch sehr fraglich. Zumal dies fpr Betroffene nicht sehr hilfreich ist....Also beispielsweise ist zu verhungern sicher unerträglich.

Zitat Christiane
Ich denke, dass wir das überhaupt nicht nachempfinden können, wie sehr manche Menschen leiden. Allerdings habe ich bereits in einem Entwicklungsland gelebt und meine beste Freundin ist wirklich arm (so arm, dass sie manchmal nicht wusste, was sie am nächsten Tag essen sollte oder auf das Angebot eines Mannes einging, der ihr Milch für ihr Baby versprach - er erschien dann allerdings nicht zum vereinbarten Zeitpunkt, worüber sie im Nachhinein sehr froh war, irgendwie ging es trotzdem weiter). Sie hat auch erlebt, dass ihre Tochter, als das Lebensmittelpaket aus der Kirche kommen sollte, dafür betete, dass Kakao darunter wäre. Nun spenden die Leute im "Kilo der Liebe" aber nützliche Sachen wie Reis, Nudeln, Waschpulver. Und trotzdem: An diesem Tag war eine Packung Kakao darunter. Das war mehr als Trost in einer schwierigen Lage.
Und dann liegt es natürlich auch an den Menschen, denen es gut geht, ob sich für die Armen etwas verändert oder nicht.
[/quote]

Hallo Christiane,

ich denke wenn man Hilfe bekommt, ist das immer mehr als ein Trost. Vielleicht wird sogar Kakao zum "Wunder". Nur denke ich es wäre zu einfach, wenn nun behauptet werden würde, gläubige Menschen werden immer ein Zeichen bekommen oder gar Hilfe erfahren. Dass dies nicht so ist, wissen wir nur zu gut. Und vermutlich würde ein weniger gläubiger Mensch nun sagen, man darf die Hoffnung nicht aufgeben. Die stirbt ja nun bekanntlich zuletzt.....Nichts desto Trotz was nun mit die Kreuzigung betrift gibt es keine Garantie, dass sich echtes Leid sich in Luft auslöst, wenn man dafür betet . Nicht hier und nicht heute.
Natürlich geht es immer weiter, für jeden, der alles irgendwie überlegt. Die Frage ist allerdings wie und wie geht es den Menschen damit wirklich? Die Frage ist natürlich bei Deinem Beispiel auch , ob dieses Kind von dem Du hier berichtst immer genug zu essen und zu trinken hat, weil die Mutter betet oder weil Hilfe auch in Zukinft gewährleistet ist. Persönlich wäre ich unter Umständen, nach diesem Glücksfall eventuell auch euphorisch, würde das Ganze aber nicht überberwten und wissen, dass Gebete oft das Schlimmste nicht verhindern. Wir sind aber nun wieder an dem Punkt, dass dies eine reine Glaubenssache ist. Auch "Wunder". :wink:

Was Leid betrifft, kann am besten nachempfunden werden was selbst erlebt wurde. Aber man sollte Leid auch nicht herunterspiele, denn schlimmer geht es immer und eine Fassade verbiet manchmal auch offen über schlimme Gefühle zu sprechen. Das ist auch verkehrt.

@Renate, kanst Du den Link konkret setzen, damit ich weiss, was Du als Beleg erachtest?


Woher willst Du eigentlich wissen, dass ich die Evangelien nicht kenne? Weil die mit Bibelforschung wenig bis nichts zu tun haben?

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Anja Müller
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Beitragvon Anja Müller » 11.04.2015, 17:55

Hallo,

Wunder durch Beten: was ist mit den Leuten, für die keiner betet, weil sie niemand (gläubigen) kennen? Z.B. ein behindertes Kind, das in`s Heim gegeben wurde und das niemand wirklich viel bedeutet? Und was ist mit den Leuten, für die von ganzem Herzen gebetet wird oder die dies selber tun, bei denen es aber nichts hilft (dürfte die Mehrheit sein; Wunder sind ja eben Wunder - und nicht die Regel ...). Hat der "liebe" Gott da anscheinend "Lieblinge", denen er hilft und anderen nicht? Was soll an dieser Vorstellung trostreich sein?

VG,

Anja

Julianes Sonnenschein
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Beitragvon Julianes Sonnenschein » 11.04.2015, 18:00

Hallo,
das Kind ist inzwischen erwachsen, die Mutter hat viele kleine Wunder erlebt (darunter auch, dass sie für uns gearbeitet hat und damit ihren Verdienst deutlich aufbessern konnte - für uns war ihre Mithilfe aber ebenso ein großer Segen). Aber es läuft nicht immer so und es gibt Menschen, die buchstäblich verhungern, obwohl sie genauso zu Gott beten. Hiob ist ja das beste Beispiel aus der Bibel, heute sind es vielleicht (wenn wir nur von Christen sprechen wollen) Christen in Ländern, in denen sie verfolgt werden, allen voran Nordkorea, wo der Blick zum Himmel reicht, um schlimmste Misshandlungen zu erleben. Wenn es danach ginge, wie stark wir glauben und beten, müsste es ja genau umgekehrt sein, die Christen, die verfolgt werden, müssten ständig Brot vom Himmel bekommen usw. Stattdessen leben wir im Überfluss, obwohl wir vermutlich vergleichsweise selten um Nahrung beten (nur dafür danken).
Liebe Grüße
Juliane
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Mama von Kind mit allg. Entwicklungsverzög., Mikrodeletion 3q29, atypischem Autismus.

Julianes Sonnenschein
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Beitragvon Julianes Sonnenschein » 11.04.2015, 18:06

@Anja
Nicht die Vorstellung ist trostreich, dass Gott manchen hilft und anderen nicht, sondern die, dass ich mit meinen Problemen und sorgen nicht alleine bin, sondern dass Gott mich hört und alles in seiner Hand hält. Auch dann, wenn alles zusammenbricht und schreckliche Dinge passieren (ohne Gott wären diese noch schrecklicher).
Es macht einen Unterschied, ob ich völlig alleine bin oder einen lieben Menschen habe, bei dem ich mich ausweinen kann. Und Gott ist eben immer da und versteht alles genau so, wie ich es meine, und er ist nicht voll mit eigenen Sorgen.
Warum er das Leid zulässt, werden wir in dieser Welt nicht erfahren. Aber für mich ist es schon ein Trost, dass es in der Zukunft nicht mehr so sein wird, dass es kein Leid mehr geben wird. Bis dahin kann ich nur versuchen, das Leid anderer ein wenig zu lindern. Indem z. B. der behinderte Junge, um den sich keiner kümmert, manchmal bei uns zum Abendessen zu Gast ist. Gleichzeitig kann ich fragen, warum Gott nicht eingreift und ihm eine gute Pflegefamilie gibt - Ich weiß es nicht.
Liebe Grüße
Juliane
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Vasvija
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Beitragvon Vasvija » 09.10.2018, 23:51

Liebe Juliane, Danke 💞


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