Gott als Pädagoge

Hier könnt ihr Diskussionen bezüglich religiöser Fragen und Meinungen führen - oder auch einfach über religiöse Feste wie Taufen, Konfirmationen etc. brichten. Für Familien mit besonderen Kindern haben religiöse Sitten und Gebräuche schließlich auch einen besonderen Charakter.

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Ina_mitDSKind
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Beitragvon Ina_mitDSKind » 01.04.2015, 09:57

Hallo,

habe das Thema lange verfolgt und möchte mich an gläubige Menschen wenden, um eine Frage zu stellen.

Warum wird von manchen ein behindertes Kind als Strafe Gottes interpretiert?
wir wurden von unserer streng gläubigen Verwandschaft dsamit konfrontiert, dass wir wohl vom Gott bestraft worden sind, weil wir nicht an Gott glauben.

Wie es vor einigen Monaten rauskam, unser Sohn und der gleichaltrige Sohn von dieser Verwandschaft haben wohl beide ihre Schwierigkeiten. Ist diese Familie auch bestraft? Ich würde am liebsten Fragen, ob sie nicht gut genug gebetet haben, ansonsten hätten sie diese Strafe nicht erhalten. Damit halte ich mich aber zurück. Ich möchte sie nicht mit solchen fiesen Aussagen konfrontieren.

Zum Thema lernen habe ich mal einen netten Spruch gehört. Der Therapeut sagte so beiläufig:"Ihr Sohn wir Ihnen schon alles beibrigen, was Sie wissen müssen." Das geht schon in die Richtung Lernen mit einer besonderen Situation umzugehen, wird aber nicht auf Gott verwiesen.

Früher habe ich mich aufgeregt, wenn ich gehört habe, dass der Gott besondere Kinder nur den Eltern gibt, die dafür "geeignet" sind. Inzwischen rege ich mich weniger darüber auf. Wir haben in der Verwandschaft eine Familie, die ein absolut gesundes und unproblematisches Kind haben. Sie schaffen nicht ein mal rechtzeitig zum Zahnarzt zu gehen, obwohl der Arzt sie vorgewarnt hat, dass sie zu einem bestimmten Zeitpunkt kommen müssen, damit es keine Komplikationen gibt. Sie hatten so viel zu tun und konnten über ein JAhr nicht zum Arzt kommen. also hat das Kind einen größeren Eingriff gebraucht. Bei solchen Eltern wäre unser Sohn total aufgeschmissen.
lg
unser Sohn mit Down Syndrom, viiiielen Lebensmittelunverträglichkeiten, Frühchen (31+3), Wahrnehmungsstörungen und noch einige kleine Exras dazu. Unser Leben kann gar nicht langweilig sein!!!

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RenateT
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Beitragvon RenateT » 01.04.2015, 10:41

Hallo Ina

ja, warum redest du nicht mal mit dieser Verwandschaft? Natürlich geht das nur, wenn du innerlich ruhig bist und echt offen. Streitgespräche machen es nur schlimmer. Aber möglicherweise wissen die Leute gar nicht mehr, dass sie das jemals gesagt haben. Oder haben ihre Meinung geändert. Vielleicht wird ihnen sogar bewusst, wie sehr sie euch verletzt haben?

Ichselber habe mein Kind NIE als Strafe Gottes empfunden. Und es auch noch nie bei Anderen so gesehen.

Natürlich gibt es auch Lebensweisen, bei denen es einem nicht wundert, wenn ein Kind behindert geboren wird (Alkohol, Drogen...) oder wenn jemand Lungenkrebs bekommt (Rauchen..) oder einen schweren Unfall macht (immer viel zu schnell und rücksichtslos..) Ist das dann Strafe Gottes oder logische Folge?

Renate
Mutter von drei nichtbehinderten Kindern und von Tikvah: schwere Entwicklungsstörung des Gehirns, Epilepsie, frühzeitige Pubertät

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Mariaa
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Beitragvon Mariaa » 01.04.2015, 10:44

Hallo Ina,

vorweg, ich bin nicht gläubig!
In vielen Kulturen ist es so, dass Geschehnisse oder Begebenheiten als Wunder Gottes angesehen werden und andere als Strafe Gottes! Da Gott ja ein gütiger Gott ist muss man also etwas falsch gemacht haben, wenn einen das "Schicksal" trifft. Das muss gar keine Behinderung sein, auch Krankheiten, Unfälle und in einigen Kulturen auch die Geburt eines Mädchens sind dann diese Strafen. Was genau, unterscheidet sich von Kultur zu Kultur und es ist auch zu erkennen, dass, je aufgeklärter eine Kultur ist, desto weniger wird Gott hier als Verursacher eingesetzt.

Ausserdem unterscheidet sich je nach Kultur auch, ob es DER Gott (in unseren neueren Religionen), polytheistisch (überwiegend vor der Christianisierung), die Geister der Ahnen, Elfen und andere Fabelwesen oder Dämonen oder oder oder.... die Verursacher sind.

Der Mensch sucht Erklärungen für, für ihn, unbegreifliche Dinge. Er sucht Erklärungen, Antworten und einen tieferen Sinn in allem.
Und wo das Wissen aufhört, beginnt der Glaube!

Viele Grüße
Früher war alles besser.... vor allem die Zukunft!

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RenateT
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Beitragvon RenateT » 01.04.2015, 10:54

Hallo Anja

Gott als Pädagoge ist ja eigentlich schon richtig. Wenn ich sein Kind bin, ist er mein Vater; Und echte Väter erziehen ihre Kinder. Wenn Gott mich zurechtweist, mir Dinge aufzeigt, die ich ändern muss, oder mir auch mal was Schweres auf den Weg legt, dann nicht, um mich fertig zu machen, sondern es beweist, dass er mich liebt und dass ich sein Kind bin. Es hat dann tatsächlcih ein Ziel.

Ich hab in den letzten Tagen die Bibel bewusster auf diesen Punkt hin gelesen und darüber nachgedacht.

Nicht erziehen wäre Gleichgütligkeit. Oder der Beweis, dass ich kein Kind von Gott bin.
Trotzdem habe ich noch keine Sekunde gedacht, dass ich ein behindertes Kind bekommen habe als Erziehungsmittel Gottes. Irgendwie weiss man, wann Gott einem erzieht und kann das von anderen Dingen unterscheiden, meine ich.

Aber wie auch Isolde schon gesagt hat, lernen kann man aus allem.
Jemand sagte mal: Frag nicht WARUM, frag WOZU? Sollte ich vielleicht öfters machen.

Gestern habe ich mit einem Freund telefoniert, der eine offene Herzoperation hinter sich hatte. Er sagte, durch das Ganze habe Gott ihm bestimmte Dinge deutlich machen kônnen.

Renate
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Beitragvon ehemalige Userin » 01.04.2015, 11:15

Der Mensch sucht Erklärungen für, für ihn, unbegreifliche Dinge. Er sucht Erklärungen, Antworten und einen tieferen Sinn in allem.
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Hallo Maria,

man darf nicht vergessen, dass Gott , zur christlichen Religion gehört. :wink:

Und natürlich hast Du Recht, im Bezug auf Kulturen. Außerdem war früher wenig Wissen , bzw. Nichtwissen Ursache für etliches was übernatürlich erklärt wurde. Inzwischen gibt es viele Erkenntnisse, die alte Erläuterungen widerlegen. Das Problem ist, dass es sehr unterschiedlich ist, was an Wissen wirklich wahr genommen wird. Gutes Beispiel "Epilepsie"." Eine Strafe Gottes", die auch heute noch, trotzdem Ursachen bekannt sind, als Gottes Strafe in manchen Köpfen existiert. :? :?

Angela77
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Beitragvon Angela77 » 01.04.2015, 11:20

Hallo Ina,

ich bin gläubig, aber die Geschichte mit dem besonderen Kind, das besondere Eltern braucht, habe ich noch nie gemocht.

Da wäre ich dann - rein menschlich gesehen - doch lieber die unfähige Mutter mit dem gesunden Kind gewesen.

Ich glaube in gewisserweise auch, dass Bene eine Mutter wie mich (mit all ihren speziellen Fehlern) gebraucht hat, aber, sorry, MIR hätte ich auch mit Blick auf die Vergangenheit wirklich ein einfacheres Leben gewünscht!

Nur, guck ich ein klein bißchen ÜBER den Tellerrand (nicht gerade in die deutsche Nachbarschaft, obwohl es auch da sicher noch größere Probleme geben kann), bin ich "VERDAMMT" PRIVILEGIERT.

Und vielleicht geht es - für den gläubigen Menschen - letztlich gar nicht so um dieses Leben. Ich habe oft das Gefühl, mein Leben hier in gewisser Weise zu verlieren, aber vielleicht gewinne ich dafür (mehr) vom ewigen Leben?

Ich denke, was ich (und viele andere ) hier täglich tun muss, ist (auch) ein großer Dienst UND ein großes Opfer, das ich mir NIE freiwillig ausgesucht hätte. Vielleicht hat Gott das für mich ausgesucht, damit es mir (langfristig) zum Segen wird???? Kurzfristig empfinde ich aktuell ziemlich Groll - aus Frust und Erschöpfung.

... Die oben geschilderten Gedanken können mich also auch nur phasenweise tragen ... Aber immerhin  8)

LG
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
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Beitragvon ehemalige Userin » 01.04.2015, 11:24

Vielleicht hat Gott das für mich ausgesucht, damit es mir (langfristig) zum Segen wird.



Hallo Angela,

meiner Meinung nach trösten sich Menschen mit solchen Gedanken, da sie sonst keine Antwort darauf haben, warum sie ihr "Päckchen" tragen müssen.

Ich bin sicher, wenn es einen Himmel gibt, dann schaffen es auch Menschen dort hin, die ein leichteres Los haben. :)

Angela77
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Beitragvon Angela77 » 01.04.2015, 11:34

Hallo Estephania,

ich glaube, es kommt nicht auf das Los an, sondern wie der Mensch sich verhält. Das kann jedes Los ganz unterschiedliche Wirkungen haben :wink:

Aber für mich ist klar, wenn ein Gott (wovon ich ausgehe), dann auch ein Teufel. Wo ein Himmel, dann logischerweise auch eine Hölle.

Und Gott ist m.E. beides: Barmherzig und gerecht. Was und ob etwas wieviel größer ist, ist seine Sache :wink: ICH hoffe für mich auf die Barmherzigkeit.

LG
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Beitragvon ehemalige Userin » 01.04.2015, 11:37

sondern wie der Mensch sich verhält.


Hallo Angela,

deswegen kann so ein Gedanke für meine Begriffe auch keine Antwort sein. Das wäre dann wieder so, dass Du Dich ohne "Dein Schicksal" nicht richtig verhalten würdest , um "Gott zu gefallen".

Im Endeffekt gibt sich der MENSCH die Antworten selbst.


Der Mensch sucht Erklärungen für, für ihn, unbegreifliche Dinge. Er sucht Erklärungen, Antworten und einen tieferen Sinn in allem.
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Das kann ich nur unterstreichen.

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Angela77
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Beitragvon Angela77 » 01.04.2015, 11:39

Meine Antwort ist oben :) Aber das der MENSCH irgendwelche Wahrheiten verlässlich erkennt, glaube ich nicht :) Dazu ist das Leben zu komplex ... Ich möchte mich lieber nicht auf meine Gerechtigkeit/KLUGHEIT verlassen, dazu habe ich zuviel unter der Gerechtigkeit/KLUGHEIT anderer gelitten, die es sicher auch nicht böse meinten ...

So, muss arbeiten - aktuell für Bene :wink:
Angie
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