Konfirmation für Grenzgänger

Hier könnt ihr Diskussionen bezüglich religiöser Fragen und Meinungen führen - oder auch einfach über religiöse Feste wie Taufen, Konfirmationen etc. brichten. Für Familien mit besonderen Kindern haben religiöse Sitten und Gebräuche schließlich auch einen besonderen Charakter.

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LeonHB
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Konfirmation für Grenzgänger

Beitragvon LeonHB » 20.12.2013, 19:32

Hallo zusammen,

unser Sohn ist nun 12 und wir ueberlegen, wie und wo er konfirmiert werden kann.
Er ist an der Grenze zwischen geistige Behinderung und Lernbehinderung und geht auf eine Foerderschule.
Wuerde er zur Lebenshilfe gehen, dann waere der Konfirmandenunterricht in der Schulzeit in der Einrichtung.
So wie jetzt muesste er dann in die normale Gruppe mit den anderen Kindern aus dem Ort.
Das waere schlimm fuer ihn. Er kann nur langsam lernen und dann waere er die zwei Jahre der Gruppendepp. Bekannt von uns haben das bei uns im Ort durchgezogen: O-Ton der Mutter: Das wuerde ich keinem Kind je wieder antum, es war soo schlimm...
Am besten waere also eine Kleingruppe.
Da will aber unsere Kirchengemeinde nicht ran...
Habt ihr Erfahrungen bzw. Ideen in dieser Thematik?
Danke und Gruss
Leon HB

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ehemalige Userin

Beitragvon ehemalige Userin » 20.12.2013, 20:01

O-Ton der Mutter: Das wuerde ich keinem Kind je wieder antum, es war soo schlimm...
Hallo Leon (?),

Soll das heißen, dass in keiner Weise auf die besondere Situation des Jugendlichen mit Behinderung eigegangen wurde? Kein konzeptionelles Abstimmen des sozialen Geschehen und der Lerninhalte auf den Mensch mit Behinderung?????

Ich staune - ich bin überzeugte Atheistin- hätte aber vermutet , dass in einer christlichen Gemeinschaft Menschen mit Behinderung grundsätzlich akzeptiert werden??? :? ( das die konkrete Umsetzung im Alltag auch für Christen schwierig und fehlerbehaftet sein kann, ist ja nochmal ein anderes Ding).

Meine Nichte (Tetraspastik, E-Rollifahrerin, beschult alles dabei zwischen HS,L und G :wink: ) wurde letztes Jahr konfirmiert. den konfirmandenunterricht hatte sie mit ihrer Schulbegleiterin besucht, an der Konfirmandenreise teilgenommen und alle habe sich wohl sehr viel Mühe gegeben. Im Vorfeld wurde besprochen, was das Mädchen als Lernvorraussetzungen braucht bzw. gut umsetzen kann und Programm wurde jedenfalls so gestaltet, dass ich nie irgendwelche Klagen gehört habe :lol:

Wenn das in Eurer Gemeinde -wegen persönlicher Fehlleistungen von Einzelnen ???- nicht so gesehen wird, dann doch hoffentlich in den Nachbargemeinden?

Ist das keine Lösung: erstmal nachzufragen, was aus dem letztes Desaster für Lehren im Umgang mit zukünftigen Konfirmanden "ausser der Norm" gezogen wurde und wenn deine Befürchtungen sich dann trotzdem nicht ausräumen lassen, einfach in Nachbargemeinde auszuweichen?

LeonHB
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Beitragvon LeonHB » 20.12.2013, 20:24

Hallo Kirsten,
danke fuer die Antwort.
Also. Es sind keine Konsequenzen daraus gezogen worden, weil ja alles OK war. Wenn die Familie das anders empfunden hatte, dann taete ihnen das leid.
Nun sind unsere Kinder keine Rollifahrer, haben sozusagen nicht sichbare Behinderungen. Die Erwartung ist also erstmal ganz anders auf der anderen Seite.
In die Nachbargemeinden auszuweichen waere natuerlich einen Versuch wert. Da muestten wir Kontakt aufnehmen. Wir fahren sowieso viel, da kommt es dann auch nicht mehr darauf an....
Der Witz ist, dass ich wegen diesem besonderen Kind nach 15 Jahren ueberhaupt wieder in die Kirche eingetreten bin.
Nachdenkliche Gruesse...

ehemalige Userin

Beitragvon ehemalige Userin » 20.12.2013, 20:40

Es sind keine Konsequenzen daraus gezogen worden, weil ja alles OK war. Wenn die Familie das anders empfunden hatte, dann taete ihnen das leid.

.....mmmmhhhh??? Ich weiß ja nicht, wie sowas genau organisiert ist, aber den Unterricht plant und organisiert doch nicht die ganze Gemeinde?
Ich meine , wenn du dich mit dieser Institution identifizierst und gerade wegen deinem Kind dort eingetreten bist, dann würde ich mich auch nicht einfach so rausekeln lassen :?

In dem Fall würd ich wahrscheinlich eher das Gespräch mit dem Pfarrer und den Verantwortlichen des Kirchengemeinderats suchen.

Für mich persönlich wäre das nämlich schon die Frage, ob ich wirklich in einer Glaubens"gemeinschaft" sein wollte, die die Behinderung meines Kindes nicht akzeptiert - das müsste ich deswegen dringend klären, ob dem wirklich so ist. :roll:

..und mit der Art der Behinderung hat das gar nichts zu tun, finde ich. Meine Nichte ist übrigens auch wirklich nicht eine von den Vorzeige-Rolli-Behinderten, die alles können außer selber loslaufen :wink:

LeonHB
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Beitragvon LeonHB » 20.12.2013, 20:48

Hallo Kirsten,
natuerlich meine ich den Pastor und Kirchenvorstand mit Kirchengemeinde. Da habe ich mich falsch ausgedrueckt...
Die Kirche kritisieren ist bei uns noch immer fast ein no go...2013 bald 2014!

Sabine mit Phoebe
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Beitragvon Sabine mit Phoebe » 20.12.2013, 20:52

Hallo,

persönliche Erfahrung haben wir noch nicht, aber von einer Freundin kann ich berichten. Bei der Anmeldung zum Kommunionsunterricht, bekam sie zu hören, dass es keine verhaltensauffälligen Kinder gäbe, sondern nur schlechte Erziehung. Was soll man da noch sagen?

Lass ihn zur Lebenshilfe gehen!

Liebe Grüße

Sabine
Sabine 10/1971 (frontonasale Dysplasie) + Peter 07/1970 (Stickler-Syndrom) mit Phoebe Leonie 11/2003 (Stickler-Syndrom mit Pierre-Robin-Sequenz), Sternenkind Ben Leonard (Trisomie 13) 06/2006 im Herzen und Eric Nathan 04/2008 (Stickler-Syndrom mit Pierre-Robin-Sequenz)

LeonHB
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Beitragvon LeonHB » 20.12.2013, 21:57

Hallo Sabine,
ja, so hoerten wir es auch: Erziehungssache!
Lebenshilfe waere nur dann moeglich, wenn er dort beschult wuerde.
Das ist ja unser Problem: entweder "richtig" behindert ( Zitat) ansonsten nur in der Gruppe, wo alle hingehen: wir koennen doch nicht fuer 2-3 Kinder eine kleine Gruppe aufmachen, wie stellen sie sich dass denn vor?
Sind sprachlos....

JohannaG
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Beitragvon JohannaG » 20.12.2013, 22:09

Hallo LeonHB,

schade, daß ihr so blöde Erfahrungen macht, und schade, daß ihr so weit weg seid, sonst würde ich euren Sohn zu mir einladen!

Machbar ist das alles, wenn man nur will. Man muß allerdings sein KU-Konzeot umstellen - und da es in der Kirche halt nun auch nicht lauter Heilige gibt, sondern ganz normale Menschen, trifft man da auch auf die bequeme Variante...

Also, ich würde euch fplgendes raten: Sucht noch mal das Gespräch mit dem Pastor/der Pastorin. Erklärt die Behinderung eures Sohnes, nehmt notfalls auch Gutachten mit. Erklärt, daß ihr extra wegen ihm in die Kirche eingetreten seid und daß euch viel an der Konfirmation in der Heimatgemeinde liegt. Erklärt eure Bereitschaft, mitzuhelfen und zu unterstützen, wenn es darum geht, wie man mit eurem Sohn umgehen muß.

Und wenn das alles nichts bringt, dann erklärt in eurer Heimatgemeinde, daß ihr euch dann eben an eine andere Gemeinde wenden werdet. Ihr könnt euch dann übrigens auch umgemeinden lassen, d.h. ihr zählt dann in der "neuen" gemeinde als Gemeindemitglieder und diese Gemeinde bekommt dann auch das Geld für euch.

Ich hatte schon öfter besondere Kinder - und je nachdem, wie die waren, habe ich es unterschiedlich laufen lassen. Der Extrem-ADHSler bekam einen Jugendlichen Mitarbeiter an seine Seite und einen Extraraum zum arbeiten; beim Diabetiker haber ich eine Schulung gemacht, was ich tun muß, wenn er kollabiert; und eimnal hatte ich eine gruppe von drei geistig Behinderten, die sich 1x monatlich als Kleingruppe getroffen haben und zusätzlich 1X monatlich mit einer Gruppe von 13 gesunden Konfirmanden. Wir sind dann auch zusammen weggefahren, die behinderten Kinder hatten alle ihre eigenen Helfer dabei, und alles hat wunderbar funktioniert. Aber leider - Südbayern ist keine Option für euch...

Liebe Grüße und viel Erfolg!

Johanna, Pfarrerin in Bayern

Übrigens werd ich das gleiche Thema in ein paar JAhren mit meiner eigenen Tochter haben - ist auch so eine Grenzgängerin...
Johanna, *73, Morbus Bechterew;
C., (w), 11/2004, adoptiert, FASD, Bindungsstörung, lernbehindert, juvenile Polyarthritis;
J. (m) 01/2008, adoptiert, ADHS; Depressionen und ???,
M. (w) 01/2012 FG bei 23+6 SSW, Kleinwuchs, GÖR, Nahrungsmittelallergien, leichte ICP, Schielen, Weitsichtigkeit, allg Entwicklungsverzögerung

ehemalige Userin

Beitragvon ehemalige Userin » 20.12.2013, 22:49

Machbar ist das alles, wenn man nur will.
hallo Johanna,

Is ja nicht mein Verein, aber genauso hätte ich mir das vorgestellt... :lol:

Was ich aber nicht verstehe:
Ihr sprecht immer von Kleingruppen und du berichtest von 3 Kindern mit geistiger Behinderung, die als Minigruppe vorbereitet wurden.
Meint Ihr denn damit, dass Kinder, die kognitiv mehr oder weniger stark beeinträchtigt sind , grundsätzlich nicht innerhalb der "Normalogruppe" inklusiv vorbereitet werden können?

Also schon klar, dass es tendenziell eher keine große Gruppe sein sollte, aber das klingt so nach Extra-Gruppe und nicht nach einer Gruppe für alle, in der jeder die Bedingungen erhält, die er braucht ?

Also mein Junior, ist ganz sicher eindeutig G und kein Grenzgänger :wink: aber er lernt wunderbar in einer Werkrealschul-Klasse mit 14 Schülern, (klar mit entsprechend differenziertem Material und Unterstützung) . Aber es ginge z.B. auch normale Klassengröße, wenn nur der Betreuungsschlüssel und die sonstigen Rahmenbedingungen stimmen.

Das gilt doch für viele Kids mit kognitiver Einschränkung: es geht doch meist gar nicht um die Zahl der Schüler, sondern um Ruhe, Struktur und die Möglichkeit sich fokussieren zu können.

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JohannaG
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Beitragvon JohannaG » 20.12.2013, 23:00

Hallo Kirsten,

da mußt du halt auch mitbedenken: Wir sind Pastoren, keine Sonderpädagogen. Und wir haben, wenn wir Glück haben, genug ehrenamtliche Mitarbeiter, um besondere Kinder in einer größeren Gruppe mitnehmen zu können. Vielleicht aber auch nicht, vielleicht auch nicht solche, die das wirklich leisten können. Und wenn man zu zweit die Masse von 50 Konfirmanden bewältigen muß, naja, dann kann es schon mal schwierig werden und dann kann die Klein/Einzelgruppe tatsächlich die bessere Lösung sein....

Manches geht in einer Normalogruppe schon, manches geht m.E. in Klein- /Sondergruppen besser. Ein schwerstmehrfachbehindertes Mädchen, wie ich es in meiner Kleingruppe hatte, muß und kann ich auf ganz andere Weise religiös ansprechen als einen zweifeldnen, hochbegabten 14-jährigen. Zum Zusammenkommen dienten da die monatlichen gemeinsamen Termine, die wirklich intensiv waren, aber für beide Gruppen war es mir auch wichtig, eigene Termine zu haben... unseren Nachbarsjungen mit Down-Syndrom dagegen, den könnte ich mir in einer Normalo-Gruppe wiederum gut vorstellen. Eher schwierig stelle ich es mir wiederum aber mit meiner eigenen Tochter vor, mehr als max 8 Jugendliche geht da (nach derzeitigem Stand) nicht, auch bei guter Einzelbetreuung...

Liebe Grüße, Johanna
Johanna, *73, Morbus Bechterew;
C., (w), 11/2004, adoptiert, FASD, Bindungsstörung, lernbehindert, juvenile Polyarthritis;
J. (m) 01/2008, adoptiert, ADHS; Depressionen und ???,
M. (w) 01/2012 FG bei 23+6 SSW, Kleinwuchs, GÖR, Nahrungsmittelallergien, leichte ICP, Schielen, Weitsichtigkeit, allg Entwicklungsverzögerung


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