Laufen mit Hemiparese - wann und wie gelernt?

In dieser Rubrik könnt ihr euch über diverse Krankheitsbilder austauschen - z. B. Skoliose, Kyphose, Cerebralparese usw.

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NicoleSch.
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Beitragvon NicoleSch. » 13.11.2013, 21:28

Hallo Zusammen,

Ich würde mich sehr freuen, evtl noch ein paar Erfahrungen/ Anregungen zum Thema laufen lernen mit Hemiparese von euch zu bekommen...

Bei uns hat sich bisher nicht viel verändert, unser Kleiner (mittlerweile gute 20 Monate alt) zieht sich zwar gerne, und wann immer möglich, an Gegenständen hoch, aber der Schritt zum Laufen ist wohl doch noch sehr groß.
Der rechte Fuß ist zwar besser geworden, aber zumeist doch sehr instabil und nach außen "verdreht". Der Fuß ist ansonsten "von außen" gut beweglich und im Schlaf auch locker.

Da die Fortbewegung im Kniegang erfolgt, sind Orthesen erstmal weiterhin kein Thema. Diese würden ihn wohl mehr behindern als nutzen.... Feste Schuhe funktionieren auch nicht.

Ab wann waren denn eure Kinder/ bzw ihr selbst mit Orthesen versorgt und wie wurden diese akzeptiert??

Habt ihr das Laufen aktiv geübt und forciert?? Uns wird meist gesagt, das nicht zu tun. Hmmm.... Ich fühle mich dabei so tatenlos.

Ich würde mich sehr freuen, von euren Erfahrungen zu lesen.

Liebe Grüsse, Nicole
mit Sohn 3/2012, ICP - Hemiparese rechts, sekundär generalisierte Epilepsie

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Susanne1972
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Beitragvon Susanne1972 » 14.11.2013, 08:34

Hallo,

mein Sohn hat auch eine Hemiparese rechts und ist jetzt 9 Jahre alt. Er konnte mit 3, 5 Jahren frei laufen. Bis zu diesem Zeitpunkt ist er gerne auf den Knien gelaufen oder auf dem Po gerutscht.

Orthesen hat er schon mit 2 Jahren bekommen, gebracht hat dies aber nichts. Sein Gandbild verändert sich ständig, je nach Wachstum. Er trägt rechts eine Unterschenkelorthese von Advida in Heidelberg, Links eine Einlage zum Höhenausgleich ( er braucht keine Orthesenschuhe), hat eine Nachtlagerungsorthese für die rechte Hand.

Er besucht die Regelklasse der Grundschule vor Ort ohne zusätzliche Leistungen.

Er kommt im Alltag gut zurecht, kennt es ja nicht anders.

Ich drücke euch die Daumen und verliert nie den Mut.............und die Hoffnung. Dein kleiner Mann geht schon seinen Weg.

Gruß
Susanne

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Beitragvon Susanne1972 » 14.11.2013, 08:34

Hallo,

mein Sohn hat auch eine Hemiparese rechts und ist jetzt 9 Jahre alt. Er konnte mit 3, 5 Jahren frei laufen. Bis zu diesem Zeitpunkt ist er gerne auf den Knien gelaufen oder auf dem Po gerutscht.

Orthesen hat er schon mit 2 Jahren bekommen, gebracht hat dies aber nichts. Sein Gandbild verändert sich ständig, je nach Wachstum. Er trägt rechts eine Unterschenkelorthese von Advida in Heidelberg, Links eine Einlage zum Höhenausgleich ( er braucht keine Orthesenschuhe), hat eine Nachtlagerungsorthese für die rechte Hand.

Er besucht die Regelklasse der Grundschule vor Ort ohne zusätzliche Leistungen.

Er kommt im Alltag gut zurecht, kennt es ja nicht anders.

Ich drücke euch die Daumen und verliert nie den Mut.............und die Hoffnung. Dein kleiner Mann geht schon seinen Weg.

Gruß
Susanne

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Beitragvon Bijanca87 » 14.11.2013, 10:31

Hallo Nicole,

ich hatte im Kindergartenalter Innenschuhe, die ja eine ähnlich unterstützende Funktikon haben, wie Orthesen. Ab dem Schulalter haben mir lose Einlagen ausgereicht. Ich trage bis heute noch welche.

Das Laufen lernen zu forcieren halte ich für ein schwieriges Thema, weil mein erster Gedanke dabei ist, dass so ein falsches Bewegungsmuster "erzwungen" werden könnte. Als Kind galt bei mir die Devise schnell frei ohne Hilfsmittel gehen. Wie das Gangbild war, war erstmal zweirangig und Korrekturen in dem Bereich hinterher umso schwieriger.

LG. Bianca
HC, Hemiparese links seit Geburt, Sehschädigung

NicoleSch.
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Beitragvon NicoleSch. » 14.11.2013, 13:50

Hallo und vielen Dank für eure Antworten :-).

Bianca, ja wegen dem Gangbild bekommen wir auch den Hinweis, dass Laufen nicht zu üben. Daran halten wir uns natürlich auch, aber es fällt manchmal sehr schwer. Ich fühle mich so tatenlos. Auch wenn ich weiß, dass wir viel machen (Vojta, Frühförderung etc.). Manchmal habe ich das Gefühl, mit ein bisschen Hilfe würde er schneller auf die Beine kommen. Man muss sich schon fast dafür rechtfertigen:-(. Andererseits sehe ich auch, wie instabil noch alles ist. Gerade heute ist so ein Tag, an dem das Gleichgewicht ganz schlecht gehalten werden kann, schon auf den Knien...

Susanne, dass was du schreibst macht Mut. Toll, dass es auf der Regelschule so gut klappt:-).
Wir sind derzeit dabei eine Entscheidung bezüglich des richtigen Kindergartens zu treffen... Auch nicht so einfach, hmm. Heute haben wir die Silikonorthese für die rechte Hand erhalten. Nach dem Mittagsschlaf werden wir sie erstmals beim Spielen ausprobieren, ich bin sehr gespannt.

Was die Orthesen für den Fuß, oder die Füße angeht, sind wir sehr unsicher. Leider gehen auch die Meinungen auseinander (KiArzt, SPZ und Physio). Im Moment ist es wohl noch zu früh, aber wir wollen auch nichts versäumen...

Natürlich haben - und geben - wir alle Zeit der Welt, aber ich mache mir sehr viele Gedanken, das richtige zu tun...
Viele Grüsse, Nicole
mit Sohn 3/2012, ICP - Hemiparese rechts, sekundär generalisierte Epilepsie

Bijanca87
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Beitragvon Bijanca87 » 14.11.2013, 14:19

Hallo Nicole,

was ich jetzt schreibe liest sich wahrscheinlich härter und gemeiner, als ich es meine: Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zeiht - und das gilt auch fürs seolbstständige Laufen. Oftmals ist einfach noch nicht der Punkt und die "Bereitschaft" des Körpers da und angebotene Hilfe kann gar nicht richtig umgesetzt werden sozusagen vom Körper. Dass das als Mutter hart sein muss, glaub ich dir aufs Wort. Ist ungefähr so, als wenn jemand an deinem Ohr wackelt und sagt: Los, machs jetz selbst, du kannst es doch bestimmt alleine. (Klar ist mit den Ohren wackeln können weitaus weniger wichtig) Aber was ich damit sagen will: Wenn der Plan für was nicht da ist, hilft einem auch die Beste Unterstützung von außen nichts. Denn wenn man mich "wohin schiebt" spüre ich in erster Linie die Bewegung von außen, aber keine Veränderung aus mir selbst heraus, die ich beeinflussen und kontrollieren kann.

LG. Bianca
HC, Hemiparese links seit Geburt, Sehschädigung

NicoleSch.
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Beitragvon NicoleSch. » 14.11.2013, 14:43

Hallo Bianca,

Ich bin da vollkommen bei dir. Das mit dem Gras -und auch mit den Ohren - habe ich selbst beides schon als Beispiel herangezogen, wenn ich versucht habe Außenstehenden die Situation zu vermitteln;-). Ich sehe das genauso.

Was mir im Moment schwer fällt, ist so hilflos zu sein. Wenn unser Kleiner zum Beispiel am Sofa steht, hat er auch schon selbst die Tendenz los zu schreiten, und macht kleine Schritte seitwärts.
Der Bewegungsablauf an sich scheint schon irgendwie da zu sein.

Von außen bekommt man oft das Gefühl vermittelt " ach, der braucht einfach etwas länger, der muss mal üben" (als nett gemeinter Rat, oder Ermutigung). Ich weiß, dass das nicht böse gemeint ist, aber ich fühle mich dann doch ein bisschen veräppelt. Und solche Äußerungen verunsichern mich insofern, als ich denke ich müsste in dieser Hinsicht aktiver sein.

Es ist sehr hilfreich von dir diese Erklärungen zu bekommen, da du weißt wovon du sprichst.

Wir wollen auch absolut nichts "erzwingen" und sind sehr froh über jeden Fortschritt:-).

Viele Grüsse Nicole
mit Sohn 3/2012, ICP - Hemiparese rechts, sekundär generalisierte Epilepsie

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Beitragvon Bijanca87 » 14.11.2013, 15:31

Hallo Nicole,

dann bin ich ja beruhigt, wenn ich dich nicht überrumpelt hab :)

Wovon ich spreche ist leider auch Überbehütung und nicht viel selbst machen dürfen seitens meiner Eltern...

Das mit den Ratschlägen von anderen verseh ich nur zu gut - die kennen deine Situation nicht und wissen nicht, wies in dir aussieht.

Seitwärts fortbewegen ist doch auch ein Anfang, fällt vielen wozhl oftmals leichter. Das hab ich oft gehört. Grade wenns an den Hüftbeugern hängt (wie bei mir), dann wird das Bein über die Seite nach vorne geholt und nicht direkt nach vorne gebracht.

Was sagen denn die Therapeuten zu mehr oder weniger Unterstützung und in welcher Form? Vielleicht klappt es ja durch äußere Anreize (Gegenstände, zu denen dein Sohn gelangen möchte?)

Weiterhin viel Geduld. Und wenn du noch Fragen hast, gerne auch per PN.

Lg. Bianca
HC, Hemiparese links seit Geburt, Sehschädigung

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Beitragvon Dore Steinert » 14.11.2013, 16:44

Hallo Nicole,

auf den Knien laufen ist für Hemikinder großartig! Sie können dann in aller Ruhe lernen, die Muskulatur ihres Rumpfs zu koordinieren, ohne gleich mit dem Problem eines angewinkelten Beins, das irgendwie zum Boden kommen muss, zu kämpfen. Und die Hüften bekommen die Belastung, die sie zu ihrer Ausprägung brauchen - genauso wie im Gehen.

Seitlich laufen wird in einigen neuen Studien als eigenständige Bewegung (nicht "noch - nicht - Laufen) gewertet - es ist also ein Fortschritt! Und, wie Bianca beschrieben hat, ist es gut für die seitliche Beugung (der Wirbelsäule).

Wenn du mehr machen willst, würde ich mit ihm Fallen üben. Erst wenn er sicher fallen kann, wird er wirklich unbeschwert laufen können. Und das Abstützen (in weichen Kissen) wird auch seinem Arm helfen, sich zu entwickeln. Wenn er fallen kann, musst du weniger Angst vor Stürzen haben - und als Spiel verpackt macht das Ganze viiiiel Spaß.

Was ist denn mit Bobbycar, Dreirad oder ähnlichem? Da wird das Bein bewegt, ohne gestreckt werden zu müssen.

20 Monate und läuft am Sofa entlang ... das ist doch toll.

Liebe Grüße, Dore
Feldenkrais-Therapeutin / Jeremy - Krauss - Approach / Kinästhetik-Trainerin / Heilpraktikerin (Schwerpunkt neurmotorische Entwicklung). https://lernchancen.wordpress.com/

2 Söhne (93 / 96) mit kleinsten Baustellen.

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Simonegu
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Beitragvon Simonegu » 14.11.2013, 19:16

Hallo Niccole,

na das hört sich ja fast nach uns an. Unsere Kleine ist im gleichen Alter auch nur seitwärts am Sofa entlang. Sie fing damit auch erst mit ca. 20 Monaten an sich hoch zu ziehen, dann gab es so 3 Monate einen gefühlten Stillstand und dann gings los mit an der Hand laufen und den ersten zwei drei Schritten. Heute kann sie relativ gut frei laufen und ab und zu auch etwas rennen ( was aber immer sehr "lustig" ausschaut). Aber am liebsten läuft sie immer noch an der Hand und nur selten weitere Strecken frei.
Was mir aber bei Ihrer Entwicklung auffiel war das sie immer etwas neues lernte im motorischen Bereich wenn Pause bei der Physio war.

LG Simone
Simone (71) Karlheinz (62)
J. 7/95 Asperger-Autist, Borreliose (80%GdB)
S. 2/97 Laktose-,Glutenintolleranz, Skoliose, Hashimoto Thyreoditis, Borreliose
D. 10/98 HB,Asthma,Autistin
R †.7/00
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M. 8/09 Hemiparese li (50% Merkz. H), Asperger-Autistin
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