Therapie Ausfallgebühr

Hier könnt ihr euch über die unterschiedlichsten Therapiemöglichkeiten (Logopädie, Petö, Cranio Sacrale) für eure Kinder austauschen und Fragen rund ums Thema Krankengymnastik und Frühförderung stellen.

Moderator: Moderatorengruppe

mijo
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1611
Registriert: 09.07.2013, 10:12

Beitragvon mijo » 05.10.2013, 10:47

Hallo Oskar

Was ist mit Eltern, die sich finanziell Ausfallgebühren gar nicht leisten können
und von Sozialhilfe leben müssen ?
Von der Logik her müssten sie ja jede Therapie ablehnen mit der Begründung,
dass sie die Begleitumstände im Falle des Falles nicht finanzieren können.

Ist bei uns auch so.
Mach nur noch selber zu Hause.
Wir hatten 100Euro zahlen sollen.
Sind noch dazu auf Zug angewiesen (kein Führerschein/Auto)
Therapie teilweise 45min entfernt(Zug Entfernung)
Wenn nun 1Zug Verspätung und man Anschluss nicht bekommt,schaft man es nicht.
Jedes mal 1Stunde früher fahre ist auch doif.
Dann Heimweg teils 1Stunde auf Zug warten.
Ne,ne,ich mach nur noch zu Hause,Versuch immer wieder neues Foerder Material zu holen.
Dazu Bewegungstherapie in Schule.
Das mus reichen.

VG Sabine
Fuer Wunder brauchen wir Augen,die sehen und EIN Herz,DAs versteht ,fuer EIN Wunder zu Danken.

Werbung
 
Tanja2603
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 195
Registriert: 14.06.2009, 21:31

Beitragvon Tanja2603 » 05.10.2013, 11:22

Hallo,

wir haben bisher auch nie eine Ausfallgebühr bezahlt. Ich versuche allerdings rechtzeitig abzusagen.
Ich kann diese "Gebühr" aber auch verstehen, denn wenn mehrere Kinder kurzfristig absagen, ist das das Geld welches dem Therapeuten fehlt. Er hat auch seine laufenden Kosten zu tragen.

Lg Tanja

Benutzeravatar
MichaelK
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 14742
Registriert: 27.09.2005, 18:17
Wohnort: Zwickau (Sachsen)

Beitragvon MichaelK » 05.10.2013, 14:43

Ich verstehe auch nicht, dass man da von Kassenseite aus so im Regen
stehen gelassen wird.
Die Kasse sagt "keine Therapie, also keine Zahlung".........
Was ist mit Eltern, die sich finanziell Ausfallgebühren gar nicht leisten können und von Sozialhilfe leben müssen ?
Hallo Oskar,

sehr richtig. Die Kassen vereinbaren die Honorare mit den Verbänden der Therapeuten und könnten durchaus auch Ausfallhonorare vereinbaren. Die Fälle lassen sich ja genau beschreiben und entsprechende Nachweise müßte dann eben beigebracht werden.
Klar hat der Therapeut nicht zu vertreten, wenn ein Kind plötzlich krank wird, aber wieso sollte das kranke Kind das Risiko allein tragen? Es gibt schließlich sogar eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Irgendwo wird das mit einkalkuliert, also wieso nicht bei Therapien auch?

Ich bin auch keinesfalls überzeugt, dass die Krankenkasse bei krankheitshalber ausgefallener Behandlung nicht zahlungspflichtig sein soll. Wo steht das?

Frage wäre zu klären, inwiefern die private Haftpflichtversicherung einspringen muss. Weiß ich aber nicht genau. Theoretisch handelt man fahrlässig, wenn man als gesetzlicher Vertreter eines Kindes mit erhöhtem Erkrankungsrisiko Behandlungsverträge abschließt, die solche Klauseln mit begrenztem Rücktrittsrecht beinhalten. Fahrlässigkeit fällt normalerweise in den Bereich der Haftpflicht.

Fatal wird es logischerweise bei H4, Sozialhilfe etc..., wo gar kein Geld vorhanden ist, um solche Forderungen zu erfüllen. Das wird jedenfalls garantiert kein Spaß, wenn man beim Jobcenter dafür Leistungen beantragt. Zuständig will da Niemand sein. Das garantiere ich. Andererseits wäre damit faktisch ein Ausschluss von der Gesundheitsversorgung verbunden, was wiederum dem Sozialstaatsgebot und der Würde des Menschen entgegenstünde.

LG Michael
Michael für den Liebling der Familie: Lars, geb 04/03 Lumbale Spina bifida mit HC (v-p-Ableitung), Arnold-Chiari-Malformation Typ 2
"Wir neigen dazu, Erfolg eher nach der Höhe unserer Gehälter oder nach der Größe unserer Autos zu bestimmen als nach dem Grad unserer Hilfsbereitschaft und dem Maß unserer Menschlichkeit."
(Martin Luther King)

Pia L. 2013
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 963
Registriert: 22.05.2012, 23:34

Beitragvon Pia L. 2013 » 05.10.2013, 17:37

Wenn ich das so lese, kann ich echt froh sein, so kulante Therapeuten zu haben. Ich musste noch nie was zahlen, dabei habe ich oft Termine kurzfristig absagen müssen. Es gibt einfach Momente, wo man nicht hinfahren kann. Erklärung hin oder her.. Bisher haben die Praxen nie was gesagt. Es ist ein Geben und Nehmen. Wenn die nämlich Termine absagen, sage ich auch nichts und nehme es hin. Ich denke die haben einfach Verständnis für das Krankeitsbild des Kindes und wissen genau, wir machen das nicht aus Spaß.

LG

Benutzeravatar
anitaworks
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 13775
Registriert: 20.03.2010, 08:54
Wohnort: NRW
Kontaktdaten:

Beitragvon anitaworks » 05.10.2013, 18:55

Hallo zusammen,

bei Michaels Szenario wird mir übel.

Wir haben solche Klauseln bei Ergo, Logo und auch KJP unterschreiben müssen.

ABER bei uns gilt, im akuten Krankheitsfall (plötzlich auftretendes Fieber, Erbrechen oder ähnliches) reicht die Absage in dem Moment, wo es auftritt.

Einmal habe ich es verschlampert. Aber auch hier wurde eine kulante Regelung gefunden!

Mit einem fiebernden Kind durch die Gegend fahren zu müssen finde ich persönlich grob fahrlässig. (Nur um nachzuweisen beim Therapeuten, dass das Kind krank ist :? :roll: )

Liebe Grüße
Anita
*1996 Sohn F84.5G (2010) HB
*1998 Tochter F84.5G (2013), Knick-Senk-Füße
*2002 Tochter F84.1G(2014), F90G (2011), HB, Hornhautverkrümmung
*2007 Sohn F84.5G, F90G, F83, HB (2012)
Hinzufallen ist keine Schande, liegen bleiben aber schon!!
#NoABA #FragtWarum

Oskar
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 859
Registriert: 15.03.2009, 15:58

Beitragvon Oskar » 05.10.2013, 18:57

Hallo,

wirklich ein bitterböses Thema, wo die helfende Hand dann auch
schnell zur Faust wird. :-(
Eine mögliche Lösung über die Haftpflicht sehe ich ehr nicht, weil
ich denke, dass man ohne Gerichtsweg dort solche Ansprüche
kaum durchsetzen könnte und wenn ja dann garantiert nicht mehr-
mals und das Problem ist ja sozusagen ein Wiederholungstäter...

Ich frage mich, ob diese Ausfallgebühr auch beim Psychothera-
peuten fällig wird. Wenn ich aufgrund meiner Panik vor Menschen
eine Therapie verordnet bekomme und dann aufgrund eines
Krankheitsschubes das Haus nicht verlassen kann, würde eine
Ausfallgebühr die ganze Therapie an sich ja ad absurdum führen.

Besonders schlimm finde ich diese patientenlastige Lösung gerade
in Bezug auf Sozialhilfe, wenn ich Therapien, die spätere OP's
vermeiden könnten, deshalb nicht durchführen kann.

Und wenn ich ablehnende Hilfsmittelbescheide lese, wo darauf
hingewiesen wird, dass eine höhere Therapiefrequenz anzustreben
ist, dann müsste sich ja eigentlich auch mal jemand von Kranken-
kassenseite aus darüber mal Gedanken machen...

Liebe Grüße, Oskar

Benutzeravatar
anitaworks
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 13775
Registriert: 20.03.2010, 08:54
Wohnort: NRW
Kontaktdaten:

Beitragvon anitaworks » 05.10.2013, 19:04

Hallo Oskar,

beim Psychotherapeuten kann man im Zweifel den Mail oder Telefonkontakt nutzen!

Aber diese Klauseln gibt es auch da.

Die KK interessiert es eher weniger. => weniger Rezepte = weniger Kosten

ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

LG Anita
*1996 Sohn F84.5G (2010) HB
*1998 Tochter F84.5G (2013), Knick-Senk-Füße
*2002 Tochter F84.1G(2014), F90G (2011), HB, Hornhautverkrümmung
*2007 Sohn F84.5G, F90G, F83, HB (2012)
Hinzufallen ist keine Schande, liegen bleiben aber schon!!
#NoABA #FragtWarum

Benutzeravatar
MichaelK
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 14742
Registriert: 27.09.2005, 18:17
Wohnort: Zwickau (Sachsen)

Beitragvon MichaelK » 05.10.2013, 19:41

Die KK interessiert es eher weniger. => weniger Rezepte = weniger Kosten
Hallo Anita,

wie gesagt, wäre mein erster Weg zur KK, wenn mir das passieren würde. Ist aber in den 10 Jahren noch nie vorgekommen, obwohl wir bestimmt schon mehr als 100 Mal die 24- Stunden- Regelung gerissen haben.

Ob die das interessiert bzw. zu interessieren hat, mögen die Gerichte dann klären. Erst mal gehe ich davon aus, dass bei einer Leistungspflicht solche nicht beeinflussbaren Eventualitäten mit umfasst sind. So ein Spielraum muss schon vorhanden sein, wenn eine zwingende Begründung vorhanden ist. Wenn ich 20 Tabletten verschrieben bekomme, zählt auch Niemand nach, ob ich 20 oder nur 18 geschluckt habe.

LG Michael
Michael für den Liebling der Familie: Lars, geb 04/03 Lumbale Spina bifida mit HC (v-p-Ableitung), Arnold-Chiari-Malformation Typ 2
"Wir neigen dazu, Erfolg eher nach der Höhe unserer Gehälter oder nach der Größe unserer Autos zu bestimmen als nach dem Grad unserer Hilfsbereitschaft und dem Maß unserer Menschlichkeit."
(Martin Luther King)

Kaja
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 7082
Registriert: 23.08.2007, 09:40

Beitragvon Kaja » 05.10.2013, 20:21

Hallo,

die Rechtsgrundlage für das Ausfallhonorar wird meistens in § 615 BGB(Annahmeverzug) gesehen. Das dürfte, da Dienstvertragsrecht, direkt nur bei Privatpatienten zur Anwendung kommen, weil mit Kassenpatienten kein Dienstvertrag geschlossen wird. Selbst bei direkter Anwendung des § 615 BGB hat das LG Berlin (55 S 310/04) entschieden, dass der Patient bei nicht verschuldeter Nichtwahrnehmung des Termins keine Ausfallgebühr zu zahlen hat.

Bei Kassenpatienten käme eigentlich eher § 280 BGBzur Anwendung, der aber nur bei Verschulden des Patienten greift. Deshalb dürften es den Therapeuten aus rechtlichen Gesichtspunkten schwer fallen, dieses Ausfallhonorar gerichtlich dann durchzusetzen, wenn der Patient einen Grund für die Terminabsage hat.

Viele Grüße Kaja

Werbung
 
Oskar
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 859
Registriert: 15.03.2009, 15:58

Beitragvon Oskar » 06.10.2013, 07:27

Hallo,

danke Kaja für die Untermauerung mit den Rechtsgrundlagen!
Führt das für alle sichtbare Aushängen der 24h-Regel aber
nicht zu einer gewissen Rechtsverbindlichkeit ?

Letztlich kommt es dann doch auf die Kulanz des Therapeuten
an, ob man die Therapie weiterführen kann.
Wenn das nicht vorhanden ist, wird der Therapeut solche
"Risiko"patienten einfach ablehnen und es bringt ja auch nichts,
wenn kein Miteinander möglich ist.
Diese Kulanz ist ja auch, zumindestens was uns betrifft, weitest-
gehend vorhanden, da auch klar ist, dass wir keine "Null Bock"-
Kandidaten sind.

An genau der Stelle sollte dann auch der Unterschied zementiert
werden. Für den Therapeuten macht es von der finanzielle Ein-
buße her ja momentan überhaupt keinen Unterschied, ob er
es mit einem unzuverlässigen Patienten oder einem Patienten
mit häufigen akut auftretenden Erkrankungen zu tun hat.

Lieben Dank an alle für ihre Erfahrungsberichte und viele Grüße,
Oskar


Zurück zu „Krankengymnastik, Frühförderung und andere Therapien“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Bing [Bot] und 0 Gäste