Reise nach Holland

Hier könnt ihr Gedichte, Texte und kleine Geschichten zum Thema "besonderes Kind" einstellen und darüber dikutieren.

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BirgittaM
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Beitragvon BirgittaM » 01.05.2013, 10:37

Hallo!
Wir gehören zu denen, bei denen von Anfang an klar war, dass es bei uns "Holland für immer" sein wird - jedenfalls mit diesem Kind.
Ob das nun immer leichter ist, weiß ich nicht.
Ok, wir haben klare Verhältnisse. Trotzdem würde ich viel darum geben, etwas mehr berechtigte Hoffnung auf größere Fortschritte haben zu können. Wobei "groß" relativ ist. Für mich wäre es schon viel, nach 5 Jahren mal ein "Mama" zu hören, das fehlt mir sehr.
Aber "Rom", "Venedig" oder auch nur irgendein Kaff an der italienischen Grenze zu erreichen, das ist für uns völlig ausgeschlossen, egal wie sehr wir uns anstrengen.
Ich denke, diese Geschichte ist wohl von jemandem geschrieben worden, bei dem "Holland" so endgültig war wie bei uns.
Aber wie man an euren Beispielen sieht, kann man die Geschichte ja ohne weiteres auf andere Verhältnisse anpassen (in der Luft hängen, weiterreisen,...), und sie funktioniert immer noch.  8) Das macht doch eine gute Geschichte aus. Und wie jede gute Geschichte hat sie auch Grenzen, denn es ist eben "nur" eine Gechichte! LG, Birgitta

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cdonath
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Beitragvon cdonath » 01.05.2013, 10:38

Hallo ihr,
also ich hatte mit dem Vergleich auch immer so meine Probleme und fand, nachdem ich die Geschichte zum ersten Mal gelesen hatte sie auch ziemlich doof.
Mittlerweile haben wir uns gut in Holland eingefunden, reisen aber jeden Sommer alle zusammen nach Italien in den Urlaub und lassen uns von nichts und niemanden davon abhalten. :lol:
Wir haben auch schon in Sienna vor dem Dom andere kleine "Holländer" getroffen...
Also Leute, wenn ihr nach Italien wollt, dann macht es einfach!

Ciao! Christiane
Christiane mit Amos Ruben, geb. 20.04.2010, MMC, HC ohne Shunt, luxierte Hüften
und den stolzen großen Schwestern Johanna Jael und Paula Afra, geb. 08.11.2006

BirgittaM
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Beitragvon BirgittaM » 01.05.2013, 11:27

Jede Reise geht zu Ende und man ist wieder zurück in seinem normalen Alltag....und
bei wirlich falschen Reiseziel kann ich mich jederzeit beim Veranstalter beschweren und Rückerstattung fordern.
Hallo, Betty!

Das meine ich mit den Grenzen, die jede Geschichte, jeder Vergleich zwangsläufig hat.
Aber diese Grenzen sind normal und kein Grund, eine Geschichte zu hassen. :wink:
Dem Autor ging es bei der Geschichte nicht um das Warum oder die Dauer der Reise, sondern um die Anpassung an ein neues, zunächst unerwünschtes Ziel und darum, das Beste aus seiner Situation zu machen.

Aber wenn man will, kann man auch da eine bessere Parallele finden als die reine Vergnügungs- oder Urlaubsreise... Wie wäre es damit: Du musst mit deiner Familie aus einem Kriegsgebiet fliehen. Zunächst wird euch gesagt, dass ihr in ein bestimmtes Land / einen Landesteil gebracht werdet, von dem du schon viel Gutes gehört hast, wo man eure Sprache spricht und die Menschen als besonders freundlich und aufgeschlossen gelten. Darauf freut ihr euch und macht Pläne.
Doch dann gibt es eine Änderung. Dort, wo ihr eigentlich hin solltet, sind schon so viele Flüchtlinge, dass für euch kein Platz mehr ist. Oder das Flugzeug hat einen technischen Defekt und muss landen - und es wird beschlossen, dass ihr Flüchtlinge dann eben in diesem Land /Landesteil bleiben müsst, wo ihr gerade seid. Diese Gegend kommt euch wesentlich weniger schön und erstrebenswert vor, vielleicht sind die Bedingungen dort tatsächlich schlechter.
Aber ihr seid arm und habt keine Papiere, mit denen ihr beliebig reisen dürftet. Der Weg zurück in die alte Heimat ist versperrt, und da ist kein Reisebüro, bei dem ihr euch beschweren könntet.
Ihr müsst bleiben, wo ihr gelandet seid.

Das ist durchaus realistisch - ist nach dem 2. Weltkrieg unzähligen Heimatvertriebenen passiert und passiert heute noch unzähligen (Bürger)Kriegsflüchtlingen aus aller Welt.

Der Kern der Geschichte bleibt geich: Dass man auch aus einer unerwünschten, nicht geplanten Situation das Beste machen muss - und vor allem KANN!

Und jetzt wirst du sagen, dass dein altes Leben aber kein Kriegsgebiet ist... :lol:

Unser Leben ist viel zu komplex als dass man in einer einzigen Geschichte jede Facette, jede Nuance abbilden könnte. Wer das erwartet, überfrachtet so eine Geschichte hoffnungslos. LG, Birgitta

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Beitragvon Stefanie&Annika » 01.05.2013, 12:40

Holland hat ja sogar einen neuen König :icon_queen: , das hat Italien nicht! War das Zufall, dass Du die Geschichte gerade am Krönungstag gepostet hast?
Ich finde die Geschichte auch immer wieder sehr schön, sie beschreibt ja, dass man ungewollt und unwiderruflich in einer neuen Umgebung/Situation steckt und nach und nach die schönen Seiten entdeckt, die es auf jeden Fall reichlich gibt.

Liebe Grüße,
Stefanie
"Mausbeere" Annika (03/2012) - Cornelia de Lange - Syndrom (CdLS)
Gaumenspalte, Nierendysplasie, Darmresektion, Pseudohypoaldosteronismus, PEG, Tracheostoma, Hörgeräte, etc.

Einige Menschen geben der Welt etwas Besonderes, einfach, weil es sie gibt!

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Beitragvon saskia und a. » 03.05.2013, 11:18

Hallo,
ich fand die Geschichte auch schon immer blöde und unpassend,(genau wie die Gedichte, dass sich besondere Kinder ihre besondere Familien aussuchen, sorry das ist einfach auch ein Schmarrn, das ist Schicksal und wie viele Kinder ob behindert oder nicht, haben sich eben doch die "falschen" Eltern ausgesucht, sehs ja sozusagen "live" bei meiner Tätigkeit Nachbarschaftshilfe/caritas)

wobei ich
@Lina
sehr gut verstehe uns ging bzw geht es auch immer so, in Stil der Geschichte geschrieben:
also immer öfters ein paar Tage in Italien ,doch dann wieder ein Kurztrip nach Holland

wobei wenn alles so klappt wie es nun aussieht
also Abi geschafft , ev sogar Wunschausbildungsplatz
dann würde ich sagen so halb angekommen nach langer langer beschwerlicher Reise :D
LG
saskia
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coro
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Beitragvon coro » 03.05.2013, 14:23

Hallo,
ich oute mich dann auch mal als Gegner der Geschichte und allen Geschichten, die nach diesem Muster aufgebaut sind. Bei mir löst diese Geschichte noch fast 19 Jahren sofort den Wutreflex aus.
Denn die Geschichte wird mir als Mutter ebenso "übergestülpt" wie ungefragtes "Mitleid". Menschen - ich auch, aber vor allem andere - haben das Gefühl mir meine Situation und meine Gefühle erklären zu müssen. und damit bestimmen sie über mich und über mein Kind. Denn für dieses wird auch gleich miterklärt, warum es denn in Holland auch toll ist. Das geht einfach gar nicht!

Ich wollte Kinder - und klar war ich nicht von einem schwerbehinderten Kind und noch einem zumindest beeinträchtigten Kind ausgegangen. Das finde ich, ist einfach selbstverständlich. Was anderes wäre es, wenn ich überlegt hätte ein Kind in Pflege zu nehmen oder zu adoptieren. Kinder haben, sie bei "Groß-Werden" begleiten und dabei als Familie sich zu finden, war eigentlich alles was ich wirklich wollte. Und dafür muss ich weder nach Italien noch nach Holland.

LG
Coro
die mal einen Elternabend im Kindergarten fast gesprengt hätte, weil die Erzieherin mit eben jeder Holland-Geschichte um die Ecke gekommen ist.

BirgittaM
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Beitragvon BirgittaM » 03.05.2013, 14:32

Hallo,
ich fand die Geschichte auch schon immer blöde und unpassend,(genau wie die Gedichte, dass sich besondere Kinder ihre besondere Familien aussuchen, sorry das ist einfach auch ein Schmarrn, das ist Schicksal und wie viele Kinder ob behindert oder nicht, haben sich eben doch die "falschen" Eltern ausgesucht, sehs ja sozusagen "live" bei meiner Tätigkeit Nachbarschaftshilfe/caritas)
Hallo, Saskia!

Und ich finde es immer erstaunlich, dass die Holland-Geschichte so oft mit der doofen "Spezialmutter" in denselben Topf geworfen wird. :?
Die eine hat mit der anderen doch so gar nichts gemein.

Dass ein und dieselbe Geschichte nicht auf jeden zu 100% passen kann, das ist doch klar.

Wer so schlimm dran ist, dass er statt in "Holland" in den Slums von Kalkutta sitzt, hat mein Mitgefühl.
Und der, der zumindest zeitweise oder irgendwann sogar ganz nach "Italien" kann, der hat meine herzlichen Glückwünsche, gemischt mit ein klein wenig Neid. :wink:

Aber wir und viele andere hier sitzen nun mal in "Holland" fest. Wir können unser Leben lang Trübsal blasen und gegen das Schicksal wüten - oder wir können uns selbst einen Gefallen tun, die positiven Seiten sehen und das Beste daraus machen. Was ist daran auszusetzen?

Was ich hingegen verstehen kann ist, wenn man es nicht mag, dass einem AUßENSTEHENDE Sprüche oder Geschichten (egal welche) "um die Ohren hauen".

DAS finde ich auch anmaßend.

Aber ich für meinen Teil habe die Holland-Geschichte vor Jahren von einer ebenfalls betroffenen Mit-Mutter bekommen. Und geschrieben ist sie, soweit ich weiß, auch von Betroffenen; also nicht als Belehrung für andere, womöglich mit missionarischem Anspruch, sondern als Ausdruck eigener Erfahrung.

Ich fand es damals tröstlich zu sehen, dass es Menschen gibt, die die Erfahrung gemacht haben, dass auch mit einer schweren Behinderung eines Kindes das Leben nicht vorbei ist (so kann es einem ja zunächst vorkommen), sondern dass es weitergeht - wenn auch völlig anders, als man es sich vorgestellt hat!

Deshalb finde ich es schade, wenn man Menschen wie der TE, die etwas als tröstlich empfunden haben und diese Erfahrung gern mit anderen teilen möchten, "ihre" Geschichten madig macht.
Stattdessen könnte man doch dagegenhalten, indem man schreibt, was einem selber hilft und einen motiviert. :idea: LG, Birgitta

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Beitragvon saskia und a. » 03.05.2013, 15:46

Hallo Brigitta,
ich hab von dieser "Geschichte" das erste mal erfahren als ich in Mardorf in Kur war mit meinem Sohn.
Wurde dorten von allen Seiten begrüßt, unter anderem auch mit

herzlich willkommen in Holland :shock: bla bla .

ich kannte die Geschichte nicht und ja ich fand das völlig unpassend ,zumal ich zu damaliger Zeit sehr wohl in den Slums von Kalkutta saß, sowohl mein Sohn als auch ich( hatte selber gerade über 6 mo stationär Psychiatrie hinter mir, weil niemand oder sagen wir mal die wenigsten mir glaubten ,dass ich nicht in Italien war, meine Eltern glauben bis heute, dass ich nie in Holland war :twisted: bzw nur dort war ,weil ich nicht richtig mein Kind erzogen hab)

dass ich mal in Richtung Italien reisen werde hätte damals niemand gedacht und ganz ehrlich ,ich hatte es auch nie zu hoffen gewagt.

Darum finde ich es eben besser ,wenn man lernt sein Schicksal anzunehmen ,nie die Hoffnung aufzugeben und eben zu kämpfen und sich nicht mit so platten Geschichtchen zu begnügen und zu trösten.
Aber klar, jeder verarbeitet seine Situation anders und mit anderen Geschichten/Gedichten.
LG
saskia
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Beitragvon BirgittaM » 03.05.2013, 15:55

Darum finde ich es eben besser ,wenn man lernt sein Schicksal anzunehmen ,nie die Hoffnung aufzugeben und eben zu kämpfen und sich nicht mit so platten Geschichtchen zu begnügen und zu trösten.
Hallo, Saskia!

Findest du das jetzt nicht selbst ein bisschen sehr plakativ?

Ich glaube, JEDER hier verarbeitet seine persönliche Geschichte in jahrelanger Schwerstarbeit und mit Hilfe der verschiedensten Mittel.
Dazu gehören oft auch Bilder - und die Bilder in dieser Geschichte sind sicher nicht platter als die meisten anderen Bilder, Vergleiche, Sprüche usw., die Menschen auf ihrem Weg helfen können.

Jeder hier hofft und "kämpft" in dem Rahmen, der Sinn macht.
Wobei es bei manchen Behinderungsbildern einfach unglaublich naiv wäre zu denken, dass man sich nach "Italien" vorarbeiten kann, wenn man nur genug "kämpft" - leider!

Deine "Geschichte mit dieser Geschichte" ist allerdings wirklich extrem blöd gelaufen.
Vor diesem Hintergrund kann ich gut verstehen, dass du damit nicht die besten Assoziationen hast. Aber das liegt dann wohl eher an den komischen Leuten bei dieser Kur :roll: und an den Reaktionen deiner Umwelt. LG, Birgitta

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Beitragvon TimsMama2009 » 03.05.2013, 16:00

Hallo Birgitta,
ich mag beides nicht - weder die Geschichte der Spezialmutter noch die Beschreibung der misslungenen Italienreise. Mich stört es aber nicht, wenn sie anderen gefallen und helfen :wink:

Dass beides "immer" im Zusammenhang gesehen wird, liegt daran, dass diese beiden "Geschichten" am meistens präsent und bekannt sind - gerade hier im Forum.

Ich WEISS, dass unser Sohn nicht überall hätte dürfen landen, sehe mich dennoch NICHT als besonders auserkoren. Dafür bin ich auch heute immer noch nicht souverän genug, im Umgang mit allen Alltagssituationen, die das Leben mit Tim bringt. Anfänglich habe ich sogar in beiden "Geschichten" Trost gefunden (schrieb ich ja auch) - nur heute machen sie mich eher "wütend". Es kommt aber vielleicht auch drauf an, wie betroffen das eigene Kind ist.

Wenn ich nach Italien möchte, kann ich mich mit Holland nur ne Weile arrangieren. Der Wunsch nach Italien bleibt und ist für uns in kaum erreichbare Ferne gerückt.

Lesen lassen sich beide "Geschichten" sehr schön - gar keine Frage. Ich selbst ziehe für mich/uns HEUTE aber eher weniger raus.

Lieben Gruß
Nicole
Grüße von Nicole (*72) und Tim (*09), Lissenzephalie, Balkenagenesie, Erweiterung der Seitenventrikel, seit Febr. 2010 West-Syndrom (nicht anfallsfrei mit auffälligem EEG) und seit Nov. 2013 PEG - kann nicht sprechen, nicht laufen, nicht sitzen, nicht krabbeln - ABER unser Li-La-Launebär
unsere Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... 66#1229866
- Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiss wie Wolken schmecken -


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